Zu viel Unterricht ist schon ausgefallen. Hoffentlich ändert sich das nach dem Sommer. 
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BerlinKaum eine Frage wird im Moment leidenschaftlicher diskutiert als die: Sollen die Berliner Schulen nach den Sommerferien am 10. August wieder öffnen? Und kann sogar auf strenge Hygiene- und Abstandsregeln verzichtet werden, damit sie ihren kompletten Regelbetrieb aufnehmen können? 

Viele Eltern warten schon seit Wochen auf diese frohe Botschaft. Weil sie nach fast vier Monaten Homeschooling erschöpft sind und spüren, wie sehr ihre Kinder es vermissen, regelmäßig in die Schule gehen und ihre Freunde sehen können. Zugleich haben sie natürlich auch Angst, dass es zu neuen Infektionsherden an Schulen kommt. So wie an der Christoph-Földerich-Grundschule in Spandau, wo aktuell fünf Corona-Fälle gemeldet wurden.

Dennoch: Wir sollten die Schulöffnung wagen! Schauen wir ins europäische Ausland: Inzwischen haben fast alle Länder ihre Schulen teilweise oder komplett wieder geöffnet. Die Erfahrungen bisher zeigen, dass die Infektionszahlen deswegen nicht deutlich gestiegen sind. Auch nicht in einem Land wie Dänemark, wo schon seit Mitte April sämtliche Grundschulen und Kitas wieder geöffnet haben.

Noch sind die Forschungsergebnisse nicht eindeutig; doch gibt es eine wachsende Anzahl von Studien, die nahelegen, dass Kinder das Virus seltener bekommen als Erwachsene und es seltener weitergeben. Außerdem ist klar, dass die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Schulschließung gravierend sind. Was ist mit den ganzen Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien, sollen die noch weiter abgehängt werden? Und nicht nur sie, auch alle anderen Heranwachsenden werden seit Monaten in ihrer Entwicklung gestört.

Ihre Leiden wiegen schwerer als das Risiko, dass wir im September die eine oder andere Schule nach kurzer Öffnung wieder schließen müssen.