In der Ausbildung.
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BerlinEs ist Zukunft, die da verloren geht. Wer nach der Schule einen Beruf erlernen will, hat in diesem Jahr so schlechte Karten wie lange nicht. Hatten Gewerkschaften schon immer bemängelt, dass es in Berlin zu wenig Ausbildungsplätze gibt, so haben viele Betriebe ihr Angebot nun noch einmal zusammengestrichen. Minus 16 Prozent lautet die aktuelle Bilanz. Damit gibt es derzeit in Berlin 2500 Ausbildungsplätze weniger als vor einem Jahr. Oder anders ausgedrückt: Die Absolventen von etwa 100 Schulklassen verlieren die Chance auf eine Berufsausbildung in einer Stadt, in der die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 25-Jährigen schon jetzt doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt.

Tatsächlich trifft die Corona-Krise den hiesigen Ausbildungsmarkt mit voller Wucht. Zwar ist fast allen Betrieben bewusst, dass sie ohne fähige Azubis langfristig keine Chance haben. Doch stehen insbesondere in der Hotellerie und Gastronomie viele Unternehmen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand.

Damit muss man sich aber nicht abfinden. Es gibt Prämien für Betriebe, die mehr Ausbildungsplätze anbieten oder Azubis von insolventen Ausbildungsbetrieben übernehmen. Zudem muss schnellstens wieder eine wirkungsvolle Partnervermittlung zwischen Schulabgängern und ausbildenden Betrieben aufgebaut werden. Es geht ums Kuppeln im besten Sinne. Dabei sind die Arbeitsagenturen unverzichtbar, wo man sich in den vergangenen Monaten mit der schnellen Bewältigung der Kurzarbeitsanträge höchste Anerkennung  verschafft hat. Nun muss es ebenso schnell wieder um die Vermittlung von Ausbildungsplätzen gehen. Denn wie gut es Berlin durch diese Krise schafft, wird nicht nur davon abhängen, ob die Arbeitslosenquote unter elf oder zwölf Prozent bleibt. Die Frage ist, wie viele Schulabgänger eine Zukunft bekommen.