Monatelang war Unterrichtsausfall wegen Corona der Normalfall. Dazu kommt in Berlin ein dramatischer und akuter Lehrermangel.
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BerlinWenn am 10. August für 360.000 Schüler in Berlin die Schule wieder beginnt, werden sie 146 Tage lang keinen regulären Unterricht gehabt haben. Erst wurden die Schulen coronabedingt geschlossen, dann folgten die Sommerferien. Es war die längste Bildungspause seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch wie es nun weitergehen soll, weiß niemand so genau. Jedenfalls nicht die Eltern.

Das System Schule hat sich mit der Ankündigung in die Ferien verabschiedet, dass im August der „Regelbetrieb“ wieder losgehen soll. Für alle Schüler soll ein „geregelter, durchgehender Lernprozess“ garantiert werden.

Was dies in Corona-Zeiten heißt, ist unklar. Erst gab es Streit, ob Mundschutz nötig ist, nun wird es plötzlich zur Pflicht. Ungeklärt ist, wie der Unterricht ganz konkret aussehen soll. Unklar ist auch, ob Berlin dem seit Jahren grassierenden Lehrermangel etwas entgegensetzen kann. Wieder sollen massenhaft Lehrer gekündigt und in anderen Bundesländern angeheuert haben, weil Berlin als einziges Bundesland nicht verbeamtet. Doch Senatorin Sandra Scheeres will dazu erst nächste Woche etwas sagen, quasi kurz vor Schulstart.

Damit lässt sie nicht nur die Eltern allein, sondern erweckt den Eindruck, als gäbe es kein berechtigtes Informationsinteresse: Wie haben sich Verwaltung und Schulen auf die neue Corona-Welt eingestellt? Was ist bei einer zweite Welle geplant? In welchen Fällen werden Schulen geschlossen?

Viele Fragen, keine Antworten. So erscheint das System Schule wie eine Blackbox. Eine Mithilfe der Eltern ist offenbar nicht gefragt. Auch nicht, dass sie ihre Kinder auf das vorbereiten, was sie erwartet. Viele Eltern würden sich auch gern selbst vorbereiten. Denn sie müssen die Kinder wieder betreuen, wenn Schulen geschlossen werden. Aber das System Schule schweigt bislang und lässt die Eltern mit ihren Sorgen allein.