Getrennter Unterricht in Mathe und Physik? Das soll helfen, Mädchen für die Fächer zu begeistern. Doch längt nicht alle finden den Vorschlag gut.
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BerlinDer Vorschlag sorgt für Aufsehen: Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), will Mädchen und Jungen phasenweise in Mathe und Physik getrennt unterrichten lassen. Kommt nicht in Frage, findet der Lehrerverband. Eine Debatte ist entbrannt.

„In Klassen ohne Jungen lassen sich Mädchen häufig leichter für Physik begeistern“, sagte Hubig dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). In gemeinsamen Klassen seien Mädchen oft zurückhaltender, während die Jungen nach vorn stürmten und sagten, sie machten das Experiment.

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Der Deutsche Lehrerverband lehnt getrennten Unterricht für Mädchen und Jungen ab. Das würde tendenziell wieder zu einem verkrampfteren Verhältnis der Geschlechter führen, dem man durch gemeinsamen Unterricht eigentlich begegnen wolle, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. Getrennte Klassen seien zudem auch jetzt theoretisch schon möglich, würden aber vor allem an staatlichen Schulen von Schülern und Eltern abgelehnt.

Rollenmuster aufbrechen

„Entscheidend ist, dass wir innerhalb der Gesellschaft die beruflichen, geschlechterbestimmten Rollenmuster aufbrechen“, so Meidinger. Studien zeigten zwar, dass Mädchen an reinen Mädchenschulen mehr Selbstbewusstsein in den Naturwissenschaften entwickelten und eher bereit seien, beispielsweise in der Oberstufe Mathe- oder Physikkurse zu wählen. „Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass dadurch sich das Berufswahlverhalten ändert.“

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Der Lehrerpräsident plädierte dafür, Vorbilder in die Schulen einzuladen, „also taffe junge Informatikerinnen oder Maschinenbauingenieurinnen, die Kids über ihren Berufsweg und ihre Karriere informieren“. Gleichzeitig sollten Jungen in Verbindung gebracht werden mit Vertretern sozialer, sprachlicher und pädagogischer Berufe. „Das Zauberwort heißt geschlechtersensibler Unterricht, also Jungs in den „weichen Fächern“, in Literatur und Sprachen fördern und stärken und Mädchen in den MINT-Fächern ermuntern, fördern und unterstützen.“ MINT ist der Sammelbegriff für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Hintergrund der Diskussion ist eine Sonderauswertung der Pisa-Studie. Diese hatte im Januar gezeigt, dass 15-jährige Mädchen am liebsten Lehrerin, Ärztin oder Erzieherin werden wollen, während gleichaltrige Jungen vor allem in technische Berufe streben. Ganz vorn steht bei ihnen der IT-Spezialist vor dem Industrie- und dem Automechaniker. (mit dpa)