Berlin - Mit einer Strategie aus Präsenzpflicht, Lüften, Maskentragen, Testpflicht und Impfangeboten will Berlin in das neue Schuljahr starten, das am Montag beginnt. Auch das Schuljahr 2021/22 wird also zunächst unter dem Eindruck der Pandemie stehen. Es drohen erneut Teilungsunterricht und sogar Schulschließungen.

Einer der Gründe für den Neustart voller Fragezeichen ist, dass die Berliner Landesregierung bis heute nicht weiß, wie viele Lehrkräfte gegen Corona geimpft sind. Prinzipiell gilt: je älter, desto höher das Risiko, schwer zu erkranken. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass bei steigenden Inzidenzen Schließungen drohen, weil man die Lehrkräfte dem Risiko nicht aussetzen kann.

„Wir können die Impfquoten nur schätzen“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz am Dienstag im Anschluss an die Senatssitzung. Schuld daran sei der Datenschutz. So melden niedergelassene Ärzte nur, wie viele Personen welcher Altersgruppe sie geimpft haben, nicht aber welcher Berufsgruppe sie angehören.

Bis heute kennt der Senat nur die grobe Quote der 18- bis 59-Jährigen. Nach Aussage von Staatssekretär Matz liegt diese bei 63 Prozent. Man habe aber „Anlass anzunehmen, dass die Quote bei den Lehrkräften deutlich drüber liegt“. Worin dieser Anlass besteht, sagte Matz nicht. Dagegen sagte der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid unlängst in einem Pressegespräch, er schätze die Impfquote von Lehrkräfte auf „unerfreuliche“ 60 Prozent.

Dennoch beschloss die Gesundheitsministerkonferenz am Montag, allen ab 12 Jahren ein Impfangebot zu machen - und das, obwohl die Ständige Impfkommission weiterhin keine allgemeine Impfempfehlung für Menschen unter 17 Jahren abgibt.  

Der Beschluss der Politiker hat unter Berliner Ärztevertretern für viel Kritik gesorgt. „Es ist ein Unding“, sagte Burkhard Ruppert, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, am Dienstag im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Der Konflikt wegen zu geringer Impfquoten werde „völlig unnötigerweise auf dem Rücken der Eltern, der Kinder und der Ärzte ausgetragen“. Aus seiner Sicht sei eine andere Strategie vonnöten: „Wir brauchen eine Impfpflicht für Schul- und Kitapersonal.“ 

Stattdessen schlägt das Bundesgesundheitsministerium ein Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests für Mitte Oktober vor. Da mittlerweile jedem ein Impfangebot gemacht werden könne, sei eine dauerhafte Kostenübernahme durch den Steuerzahler nicht angezeigt, heißt es in einem Ministeriumsbericht. Nur für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliege, solle es weiter kostenlose Schnelltests geben. Der Bund übernimmt seit März die Kosten für mindestens einen Test pro Woche.