Lunch Beat: Party um zwölf Uhr mittags

Fünf Sorten Knäcke und ein strahlender Schwede stehen am Eingang des Frannz-Clubs in Berlin. Hier soll sich gleich, um zwölf Uhr mittags, eine vergnügliche Sache abspielen: Bewegung statt schweres Essen, Inspiration statt Mittags tief. „Beim Lunch Beat tanzen sich die Menschen den Kopf frei und starten nach einer Stunde erfrischt und motiviert in den Rest des Tages“, sagt der Schwede, der Ola heißt. Zehn Euro kostet der Weg zu mehr Kreativität und Produktivität im Büro, dafür gibt es eine Stunde Party bei elektronischer Musik, eine kleine Mahlzeit aus Knäckebrot, Butter und Käse sowie Bio-Smoothies.


Stillstehen und Schauen ist verboten, Tanzen hingegen Pflicht. Über den Job zu reden, ist tabu und Alkohol natürlich verboten. Punkt 11.59 Uhr meldet sich Ola über das Mikrofon und erklärt diese Regeln. Da stehen die etwa 20 Gäste bereits pflichtbewusst auf der Tanzfläche. Bewegung verbessert die Leistungsfähigkeit: Der Mensch kann sich besser konzentrieren, sich Dinge leichter merken, und körperlich bleibt er gesünder.

Davon profitiert auch der Arbeitgeber: Eine australische Studie von 2011 hat gezeigt, dass regelmäßige Bewegungspausen im Büroalltag das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken. Auch die WHO empfiehlt Arbeitgebern, für mehr körperliche Aktivität der Belegschaft zu sorgen, da so die Kosten für Arbeitsausfälle um bis zu 32 Prozent gesenkt werden, während sich die Produktivität um bis zu 52 Prozent steigern könne.

Steffi probiert den Lunch Beat heute aus: Über Twitter und Facebook hat sie davon gehört und sich spontan entschlossen, die Mittagspause im Club zu verbringen. „Ich glaube nicht, dass ich nachher alle Jobprobleme besser löse, aber es wird bestimmt lustiger als sonst“, sagt die Fertigungstechnikerin. Auch der Rest der kleinen Meute von 20- bis 50-jährigen Lunch Beatern hat Spaß. Hipster amüsieren sich hier ebenso wie Versicherungsvertreter – man hätte Mühe abzustreiten, dass die Idee der High-Noon-Party funktioniert. Zumindest für die Gäste.

„Eine Hälfte von mir ist happy, weil hier eine tolle Stimmung ist“, sagt Ola. „Die andere Hälfte, der Betriebswirt, sieht natürlich, dass sich die Veranstaltung noch nicht rechnet.“ Der Schwede ist dennoch zuversichtlich und sucht nach Partnern, die ihm helfen, das Event zu etablieren. Alexander Knoke vom Frannz-Club glaubt, dass das klappen wird: „Es handelt sich um eine ganz neue Tanzkultur, die sich erst herumsprechen muss – und wird.“ Onlineredakteur Oliver, auch ein Lunch Beater, bestätigt am Ende seines Arbeitstages, wie gut ihm die Abwechslung in der Mittagspause getan hat, wird wiederkommen und Kollegen mitbringen: „Ich war hinterher ganz locker und fröhlich. Mein Kritikpunkt: Es war sehr heiß, Klamottenwechsel und Dusche sind mir zu viel Aufwand für die Mittagspause.“


„I’m a Believer“ von The Monkees ist Olas letzter Song. Dann geht die Musik aus, das Licht an und keine zwei Minuten später ist der Saal leer. Das Tablett mit dem Knäckebrot ist allerdings immer noch voll.