Die Initiatoren des Bildungscampus haben bereits erste Ideen für die Gestaltung der Bebauung gesammelt.
Bildungscampus Berlin

BerlinNoch wachsen Blumen und Gras auf dem Grundstück neben dem Porta-Möbelhaus in Mahlsdorf. Doch bereits ab diesem Jahr soll dort ein großer Bildungscampus mit Schule, Hochschule und Lehrerakademie entstehen. Ein freier Träger, die Bildungscampus Verwaltung und Betrieb UG, hat ehrgeizige Pläne mit der 30.000 Quadratmeter großen Freifläche. Vorgesehen ist, auch ein Sportcenter, ein „Educational Technology Lab“ und einen Büro-Campus für Start-Ups zu errichten. Politiker im Bezirk Marzahn-Hellersdorf begrüßen und unterstützen das Projekt.

Der erste Meilenstein beim Bau des Bildungscampus soll im Jahr 2022 die Eröffnung der allgemeinbildenden Schule sein. Läuft alles nach Plan, werden in Zukunft 2000 Schüler der Klassen 1 bis 13 die neue Einrichtung besuchen. Angesichts von derzeit 3100 fehlenden Schulplätzen in Marzahn-Hellersdorf wäre dies ein großer Fortschritt für den Bezirk. Das sieht auch Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) so. „Der geplante Bildungscampus ist ein Element, um dem Bildungsziel, allen den bestmöglichen Schulabschluss zu ermöglichen, ein Stück näher zu kommen“, sagt er.

Lernangebote von der Grundschule bis ins hohe Alter

Allerdings sollen nicht nur Kinder und Jugendliche auf dem Campus in der Pilgramer Straße willkommen sein. „Das Konzept ist durchgängig, bietet also Lernangebote von der Grundschule bis ins hohe Alter“, sagt Anja Best, Geschäftsführerin der Bildungscampus Verwaltung und Betrieb UG. Die Anwältin aus Treptow-Köpenick verspricht ein „digitales Bildungsangebot für alle Generationen – und das auf sehr hohem Niveau“. Bisher gebe es in diesem Bereich noch erhebliche Defizite in Deutschland. Es fehle an digitalen Konzepten und an technischer Infrastruktur.

Ein Unterstützer des Projekts ist Mario Czaja (CDU), Wahlkreisabgeordneter und ehemaliger Gesundheitssenator. Er hat für seine Website ein Video gedreht, das ihn beim Spaziergang über das noch brachliegende Gelände zeigt. „Es wäre hier auf diesem Campus eine enorm starke Entwicklung für den Bezirk, wenn eine solche Schule in freier Trägerschaft ergänzend zur Verfügung stehen würde“, sagt Czaja in die Kamera. Er hat den Campus-Initiatoren, Anja Best und Wolfgang Laier, Hilfe bei den Bebauungsplänen und der Kommunikation mit den Ämtern zugesagt.

Erste Projektskizzen verdeutlichen, wie der Campus nach seiner Fertigstellung aussehen könnte. Die Computer-Grafiken zeigen langgestreckte, mehrstöckige Gebäude mit Balkonen, dazu eine elliptische Halle, mehrere Rasenflächen und Springbrunnen. Noch ist nicht spruchreif, welche Finanzmittel zum Bau des Bildungscampus nötig sein werden. Auch der bestehende Bebauungsplan müsse, so der CDU-Abgeordnete Czaja, noch angepasst werden. Dies mache es möglich, die Interessen der Nachbarschaft mit in die Gestaltung einzubeziehen.

Geschäftsführerin Best schmiedet bereits eine Kooperation mit einem „Generationencampus“, der ebenfalls in Mahlsdorf geplant ist. „Auf einem 500 Meter entfernt gelegenen Gelände entstehen Weiterbildungsangebote und Services wie etwa Wohneinheiten und Sozialeinrichtungen“, sagt sie. Bei diesem Projekt gehe es darum, das gemeinsame Leben, Arbeiten und Lernen für alle Generationen sinnvoll zu verknüpfen. Auf dem Bildungscampus seien zudem ein Café, ein Restaurant, Ruheräume, Aufführungsflächen und ein Auditorium vorgesehen.

Bedarf an Schulplätzen soll gedeckt werden

Eine Herausforderung bei der Campus-Planung ergibt sich aus der Frage, wie die Corona-Krise das Leben künftig noch beeinflussen wird. Die Pandemie habe einerseits gezeigt, dass der Bedarf an digitalen Lernkonzepten deutlich steige. Andererseits komme es bei der Gestaltung der Unterrichtsräume auf „Flexibilität“ an, damit das Lernen auch in einer Pandemie uneingeschränkt fortgesetzt werden könne, sagt Co-Geschäftsführer Wolfgang Laier.

Die Projekt-Initiatoren, die mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bildungsbereich mitbringen, haben sich aus mehreren Gründen für den Standort unmittelbar an der Grenze von Berlin und Brandenburg entschieden. Sie reizt die Nähe zu wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zentren, und sie sehen den hohen Bedarf an Schulplätzen. In den zurückliegenden Monaten hatten zahlreiche Elterninitiativen in Marzahn-Hellersdorf gegen die bestehende Versorgungslücke protestiert. Mehr als 1000 Oberschüler müssen derzeit außerhalb des kinderreichen Bezirks zur Schule gehen.

In der jüngeren Vergangenheit hatten sich bereits mehrere Initiativen an der Gründung von freien Schulen versucht. Doch diese Vorhaben wurden zumeist durch das Problem fehlender Grundstücke ausgebremst. Im Fall des Bildungscampus in Mahlsdorf hingegen scheint diese Schwierigkeit von vornherein nicht zu bestehen.