Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Berlin Weißensee, Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, und Werner Ullmann, Präsident der Beuth-Hochschule für Technik Berlin, am Rande einer Pressekonferenz zum Start des Berliner Wintersemesters 2020/21 (von li. nach re.)
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Die rund 190.000 Studenten an den Berliner Hochschulen haben Grund zur Freude: Im  kommenden Wintersemester wollen die Universitäten, Kunst- und Fachhochschulen der Hauptstadt ein Hybridsemester anbieten. Die digitale Lehre wird nach wie vor eine große Rolle spielen. Aber zugleich wird es auch wieder Präsenzunterricht geben: Zertifizierte Räume für die Lehre, Arbeitsplätze in den Bibliotheken und Essensausgabe in den Mensen.

Bei der Pressekonferenz der Berliner Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LRKP) in der Humboldt-Universität am Donnerstag waren die Podiumsteilnehmer sich einig: Dass es den Berliner Hochschulen gelungen ist, das Sommersemester in Anstand über die Bühne zu bringen. Schon Mitte März hatte die LRKP gemeinsam mit dem Senat Maßnahmen ergriffen, um ihre Lehre in digitalen Formaten anbieten zu können.

Steffen Krach, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung, sagte mit einem gewissen Stolz: „Berlin war das erste Bundesland, das einen Hilfe-Fonds von 10 Millionen Euro aufgesetzt hat, um die technische Ausstattung der Hochschulen zu verbessern.“ Er wolle das Sommersemester aber nicht schönreden. Natürlich habe es auch viele Verzögerungen von Studienzeiten und Abschlüssen gegeben. Umso wichtiger sei es gewesen, die Regelstudienzeiten wegen Corona zu verlängern und den Studierenden zu ermöglichen, nicht bestandene Prüfungen zu wiederholen.

Interessant waren die Ergebnisse einer neuen Umfrage, die unter Berliner Studierenden durchgeführt wurde, die Steffen Krach bei der Pressekonferenz präsentierte: 24 Prozent der Studierenden beschrieben ihre Wohnsituation und technische Ausstattung als unzureichend, um an der Online-Lehre teilnehmen zu können.

80 Prozent der Studierenden gaben an, dass ihnen der Kontakt zu ihren Kommilitonen und Professoren gefehlt habe. Krach betonte, dass Tausende von Erstsemestern, „ihre Unis ein halbes Jahr lang überhaupt nicht zu Gesicht bekommen haben. Sie konnten keine Einführungsveranstaltungen besuchen, keine Partys feiern und hatten kaum Möglichkeit, ihre neuen Kommilitonen kennenzulernen.“

Dr. Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt Universität, ergänzte: „Viele Studierende haben sich verloren gefühlt. Die Struktur in ihrem Alltag ist weggebrochen, die soziale Funktion von  Universität.“ Deshalb sollen vor allem die Erstsemester in den Genuss der wenigen Präsenz-Veranstaltungen kommen und dann die internationalen Studenten. Für letztere ist Präsenz-Lehre die Voraussetzung, um überhaupt eine Einreise-Erlaubnis zu bekommen.

Kunst gab sich optimistisch, dämpfte aber zugleich die Erwartungen: „Wir müssen ja schließlich einen Bannkreis von 1,5 Metern um die Studierenden legen, die üblichen Teilnehmerzahlen durch 8 teilen. Große Veranstaltungen werden also bei uns grundsätzlich nur online stattfinden.“

Alle Podiumsteilnehmer betonten, nach folgender Maxime handeln zu wollen: So viel Präsenzlehre wie möglich, so viel digitale Lehre wie nötig. Schließlich sei die Pandemie noch nicht zu Ende – und die Universitäten weit entfernt von einem echten Regelbetrieb.

Der Senat hat einen „Stufenplan für den Hochschulbetrieb unter Pandemiebedingungen“ erarbeitet. Die drei Stufen orientieren sich an der Corona-Ampel des Landes Berlin, ohne aber ihr hektisches Flackern mitzumachen. Doch wenn die Infektionszahlen für einige Wochen über einen bestimmt Wert steigen, muss der Betrieb in Bibliotheken und Mensen eingeschränkt –  und die Maskenpflicht verschärft werden. So würde Stufe 2 aussehen, während Stufe 3 bedeutet, dass  ähnliche Bedingungen herrschen wie im Sommersemester.

Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Berlin Weißensee, betonte, dass Online-Lehre gerade in den künstlerischen Fächern nur ein schaler Ersatz sein kann für den Präsenzunterricht: Künstler ohne Atelier, Musiker ohne Orchester, Schauspieler ohne Publikum. That’s not the real thing! Zugleich seien ihre Studierenden phantasievoll mit den neuen Beschränkungen umgegangen: Es gab Proben in Baumschulen vor Berlin, wo Schauspieler auf weit entfernten Baumstümpfen saßen und ihre Texte rezitierten. Design-Professoren hatten Care-Pakete mit besonderen Materialien geschickt an ihre Studenten verschickt. Und weil Proberäume fehlen, wird der Regie-Studiengang jetzt im kommenden Semester in der Bar jeder Vernunft sein Unwesen treiben dürfen.