Reichlich erfahren und mit noch genügend Energie ausgestattet, um Großes zu bewegen: Arbeitnehmer ab 50.
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BerlinEnde 2019 ist auch der letzte der geburtenstarken 60er-Jahrgänge 50 Jahre alt geworden: Reichlich erfahren und mit noch genügend Energie ausgestattet, um Großes zu bewegen. Ihr Nachteil war immer auch ihr Vorteil: „Wir sind viele.“ Was hat die Generation aus der Macht der großen Zahl gemacht – und was kann noch kommen? Wie werden die Jahre über 50 zu Erntejahren? Wie lässt sich das „Jungsein im Kopf“ stilistisch umsetzen? Katharina Starlay ist diesen Fragen in ihrem neuen Buch „Stilvoll älter werden – Erfolgreich über 50“ nachgegangen. Sie richtet den Scheinwerfer auf eine starke Generation, welche digital schon verinnerlicht hat aber noch weiß, was analog ist. Auf Menschen die noch Stadtpläne lesen können und um die Kunst der zwischenmenschlichen Beziehungen wissen.

Eine erfolgreiche Karriere mit über 50 noch anzukurbeln ist nicht ganz so einfach. Weshalb gibt es so viele Vorurteile gegenüber älteren Bewerbern?

Die Altersgrenze scheint in der DNA vieler Unternehmen, in ihrem „Mindset“ noch immer festgeschrieben zu sein. Und es dauert lange bis sich vorgefasste Meinungen auf der gesellschaftlichen Ebene ändern. Alt heißt gleich unproduktiv, ist aber eine Formel, die schon lange nicht mehr gilt, zumal Alter und Altern heute neu definiert werden müssen: Viele Menschen über 50 haben ein biologisches Alter, das einige Jahre darunter liegt.

BUCHTIPP

Katharina Starlay: Stilvoll älter werden – Erfolgreich über 50
Das Slimbook kombiniert Stilwissen mit Zeitgeist und gibt Anregungen, wie man über 50 stilvoll erfolgreich sein kann.

Profitieren am Ende nicht alle Mitarbeiter eines Unternehmens von der Berufs- und auch Lebenserfahrung dieser Bewerber?

Das könnte so sein, wenn man es beidseitig zulässt. Einerseits ist da die Angst, ältere Bewerber könnten teuer sein und immer die Führung übernehmen wollen. Und tatsächlich halten ja auch manche fest an den Verdiensten und Statussymbolen früherer Berufsjahre und merken gar nicht, dass sich die Welt seitdem gedreht hat. Andererseits bringen erfahrene Senior-Experten mehr Gelassenheit und Fokus mit, denn die Umwege kennen sie ja schon. Diversität ist auf das Alter bezogen notwendig, aber noch nicht marktüblich.

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Welche Hürden stellen sich den Bewerbern mit 50+?

Sich über Online-Portale zu bewerben, bringt in dem Alter nicht viel, weil dahinter Algorithmen stehen, keine Menschen. Die besten Vorteile des Älterwerdens wie Erfahrung, Erfolge und ein realistisches Selbstbild kommen am anderen Ende gar nicht an. Das kann nur gelingen, wenn man auf Persönlichkeit und persönliche Kontakte setzt und sich an Personalabteilungen wendet, wo Bewerbungen noch von Menschen gesichtet werden. Das ist eher im Mittelstand oder in kleineren Unternehmen der Fall.

Sie schreiben in Ihrem Ratgeber etwas über den Schlüssel einer erfolgreichen Bewerbung ...

Das ist immer noch der Lebenslauf, der die ganze Fülle der Erfahrung zeigen sollte und zwar so, dass das Gegenüber diese erkennen kann. Die Darstellung sollte komprimiert sein und konkret auf Projektkompetenzen sowie bereichernde Lebenserfahrungen eingehen. Außerdem gehört ein aktuelles Foto dazu, keines aus der sprichwörtlichen Jugend. Als Türöffner am Anfang lohnt sich eine Zusammenfassung, welche die Qualifikation mit dem Bedarf der Firma verbindet und klarmacht, was der Bewerber für dieses spezifische Unternehmen tun kann, um dessen Erfolg zu steigern.

Welche weiteren Bewerbungsstrategien gibt es?

Am Anfang steht die reife Selbstreflektion, die Klarheit über das schafft, was ich zu bieten habe. „Wie kann ich kommunizieren, was mich ausmacht?“ Und: „Wie komme ich als Person an?“ sind Fragen, die am Beginn jeder Strategie, jeder Neuausrichtung stehen sollten. Das sind auch die ersten Fragen in der Stilberatung.

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Äußerlichkeiten spielen in der jetzigen Zeit so eine große Rolle wie noch nie, aber welches Erscheinungsbild sollten Bewerber mit 50+ mitbringen?

Wir sind heute mit Mitte 50 so fit wie andere Generationen vor uns mit Mitte 40 waren. Wir kleiden uns auch jünger als früher. Eine zu große Identifikation mit der Generation der eigenen Kinder allerdings ist nicht vorteilhaft, denn gerade der Kontrast betont oftmals die Reife. Zwischen zu juvenilen Attributen und einem monochromen Look gibt es doch heute so viele Möglichkeiten, sich typgerecht und zeitgemäß zu kleiden – wenn man sich einmal damit befasst. Ein authentischer Look unterstützt außerdem dabei, ein Umfeld zu finden, das zu einem passt. Wobei Jeans und Sneakers eher eine Uniform der Neuzeit geworden sind und in vielen Fällen nicht authentisch wirken.

Gibt es Anlaufstellen, die unterstützend bei der Bewerbung und auch beim Vorbereiten auf das Vorstellungsgespräch zur Seite stehen?

Natürlich. Es gibt gute Karriereberater, Coaches und Stilcoaches, welche einen Blick auf den Menschen und den Markt haben. Unter den vielen Anbietern sollte man nur jemanden finden, dem man vertraut und das hat in erster Linie auch mit dessen Lebenslauf zu tun. Den sollte man sich immer anschauen, denn Kompetenz hat auch hier mit gelebter Erfahrung zu tun.