Berlin - Die Arbeitsbelastung von Lehrerinnen und Lehrern steigt, der Beruf wird trotz guter Bezahlung immer unattraktiver. Das zeigt eine spektakuläre neue Studie zur wöchentlichen Zeit-Verwendung von Lehrkräften, für die 2700 Berliner Lehrer einen Fragebogen ausgefüllt haben. Durchgeführt wurde die Befragung durch Lehrkräfte, die mit der Berliner Initiative „Schule muss anders“ verbunden sind.

Es zeigt sich, dass das Unterrichten fast zur Nebensache geworden ist. Der typische Grundschullehrer wendet wöchentlich 17,55 Stunden für das Unterrichten auf; 36,6 Stunden hingegen benötigt er für wöchentliche und 6,7 Stunden für halbjährliche außerunterrichtliche Aufgaben. Dass Lehrkräfte den Unterricht vorbereiten und Klassenarbeiten korrigieren müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch gibt es noch eine Fülle von anderen Pflichten – wie Elternarbeit, Konfliktlösung und Dokumentation –, die von Außenstehenden chronisch unterschätzt werden.

Noch hält sich hartnäckig das Vorurteil von den faulen Lehrern. Dabei haben Lehrer,  wenn sie einigermaßen gewissenhaft arbeiten, heute eigentlich keine andere Wahl, als fleißig zu sein. Wer als Lehrkraft in Vollzeit arbeitet, kommt auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 Stunden. Durch die Pandemie sind viele Aufgaben hinzugekommen: Das reichte und reicht vom Sich-Vertraut-Machen mit digitalen Tools über das Testen bis hin zum Durchführen von Lernstandserhebungen.

Es gibt also eine hohe Grundbelastung, die immer häufiger zu gesundheitlichen Problemen führt oder dazu, dass Lehrkräfte ihren eigenen pädagogischen und menschlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können. Viele von ihnen sehen sich deshalb dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten – um überhaupt noch klarzukommen. Das müssen wir als Gesellschaft ändern, wenn wir wieder mehr junge und erfahrene Menschen für diesen Beruf begeistern wollen.