Ob Top-Model, Politikerin oder Schauspielerin: Viele erfolgreiche Frauen sind schlank – und unterwerfen sich damit dem gängigen Schönheitsideal. Für berühmte Männer hat Übergewicht hingegen nicht immer Nachteile - denken wir an Reiner Calmund, Helmut Kohl oder Ottfried Fischer. Diesen Eindruck bestätigt auch eine Studie des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA): Demnach gibt es einen Zusammenhang zwischen Leibesumfang und den Chancen am Arbeitsmarkt.

Die beiden Autoren der repräsentativen Studie – die Volkswirte Marco Caliendo (Universität Potsdam) und Markus Gehrsitz (City University New York) – haben dazu Daten von rund deutschen 8800 Männern und 9200 Frauen ausgewertet.

Das Ergebnis: Schlanke Frauen haben beruflich bessere Karten – bei Männern wirkt sich dagegen Untergewicht negativ aus. Für jeden Befragten haben die Forscher den sogenannten Body-Mass-Index (BMI) ermittelt, der das Gewicht zur Körpergröße ins Verhältnis setzt. Menschen mit einem BMI zwischen 20 und 25 gelten als normalgewichtig, ab 25 beginnt Übergewicht, ab 30 Fettleibigkeit. Etwa 60 Prozent der Männer und ein Drittel der Frauen in der Stichprobe waren demnach übergewichtig oder fettleibig.

Welche Auswirkungen hat nun das Gewicht auf die Löhne? Männer verdienen am meisten bei einem BMI, der von 23 bis weit in den übergewichtigen Bereich reicht. Untergewichtige müssen im Vergleich dazu mit einem Lohnabschlag von 7 bis 8 Prozent rechnen.

Anders als bei den Frauen beschränkt sich der Effekt auf die männlichen Arbeiter. Daher vermuten die Forscher, dass der Zusammenhang weniger auf dem Aussehen der Beschäftigten als auf ihrer Muskelmasse beruht. Denn Muskeln sind für körperliche Arbeit wichtiger als für Bürojobs.

Die Löhne von Frauen sind am höchsten bei einem BMI von 21,5 – also weit unterhalb der Schwelle zum Übergewicht. Danach geht es mit den Gehältern bergab. Laut Studie sinkt das Gehaltsniveau um bis zu 12 Prozent gegenüber dem Durchschnitt, wenn Frauen übergewichtig sind. Offenbar sind für die Lohnunterschiede keine medizinischen Aspekte, sondern Schönheitsideale ausschlaggebend, so die Forscher. Dafür spricht auch, dass der Gesundheitszustand aus den Ergebnissen herausgerechnet wurde.

Der Zusammenhang zwischen weiblichem Gewicht und Verdienst ist außerdem in Dienstleistungsberufen nachweisbar – nicht aber in der Produktion, wo der Kontakt mit Kunden oder Kollegen eine geringere Rolle spielt. Zudem wirke sich Körpergewicht nicht nur auf das Einkommen, sondern auch auf die Wahrscheinlichkeit aus, überhaupt einen Job zu haben.

Das Fazit der Autoren: Offenbar gibt es einen Schlankheits-Bonus bei Frauen, weil diese dem weit verbreiteten Schönheitsideal entsprechen. Dünne Männer sind hingegen beruflich im Nachteil, weil sie über weniger Körperkraft verfügen.

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