Bald werden die Schulen in Berlin wieder voller sein.
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BerlinBerlins Schulen füllen sich ab kommender Woche wieder: Ab Montag, den 11. Mai, sollen an die Grundschulen nicht nur die Fünftklässler, sondern auch die Erstklässler zurückkehren. Zusätzlich sollen auch die Siebtklässler an Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen (ISS) und Gemeinschaftsschulen wieder in den Präsenzunterricht.

 Das teilte die Senatsschulverwaltung am Mittwochabend überraschend mit. Im Beschluss von Bund und Ländern am Mittwoch war lediglich festgelegt worden, dass jeder Schüler und jedes Vorschulkind vor dem Sommer wenn möglich noch einmal in die Schule oder in die Kita kommen – die Einzelheiten soll jedes Land selbst regeln dürfen.

In der vergangenen Woche hatte Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) zunächst nur von einem möglichen Rückkehr der Fünftklässler gesprochen. Auch an Gemeinschaftsschulen mit Primarstufen sollen die Klassen 1 und 5 zurückkehren; das Gleiche gilt für die entsprechenden Schulen mit sonderpädagogischem Schwerpunkt. Zudem sollen an den Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt „Lernen“ auch die Jahrgangsstufen 5 und 9 öffnen.

„Wir öffnen die Schulen wieder behutsam“, sagte Scheeres am Mittwoch. Eine Balance sei wichtig „zwischen dem absolut notwendigen Infektionsschutz der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte und dem Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen.“

Ebenfalls ab 11. Mai können Schulen unabhängig von der Jahrgangsstufe auch Schülerinnen und Schüler zurück in die Klassenräume holen, die „besonderen Unterstützungsbedarf“ haben. „Hierbei kann es sich um Schülerinnen und Schüler handeln, bei denen die Lehrkräfte davon ausgehen, dass sie während der Phase des Lernens zu Hause nicht hinreichend gefördert werden konnten“, teilte die Senatsschulverwaltung mit. Gründe könnten die häusliche Situation oder eine mangelnde technische Ausstattung sein. Geflüchtete Schülerinnen und Schüler seien genau so zu berücksichtigen wie solche mit Sprachförderbedarf oder sonderpädagogischem Förderbedarf. Wer als besonders unterstützungsbedürftig gilt, soll allerdings im Ermessen der einzelnen Schulen liegen.

Die Senatsschulverwaltung gab außerdem ein Ziel aus: Bis zum 29. Mai sollen alle Schülerinnen und Schüler „Präsenzunterricht mit reduzierter Stundentafel“ erhalten. Welche Lerngruppen sie in welcher Reihenfolge an die Schulen holen wollen, sollen die Schulen ebenfalls selbst bestimmen dürfen.

Die Entscheidung, weitere Jahrgangsstufen in die Schule zu schicken, bedeutet auch nicht, dass ab Montag alle gleichzeitig wieder in die Schule gehen können – die Schulen müssen weiterhin auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln achten, in Klassenzimmern, auf Fluren, auf dem Pausenhof und auch bei der An- und Abreise der Schüler.

Für die Jahrgänge, die bereits in den vergangenen zwei Wochen wieder in die Schule gegangen waren, bedeutete das: Halbierung oder sogar Drittelung der Klassenverbände in Lerngruppen, Unterricht in Vormittags- und Nachmittagsschichten oder nur an bestimmten Wochentagen. Wenn nun noch mehr Jahrgangsstufen zurück an die Schulen kommen, werden sich die Abstände zwischen den Präsenzunterrichtstagen für den einzelnen Schüler voraussichtlich wieder vergrößern. Auch, weil den Schulen das Personal für Unterricht und Aufsicht ausgeht: Die Senatsschulverwaltung schätzt, dass rund 30 Prozent der Lehrkräfte in Berlin einer Corona-Risikogruppe angehören und deshalb im Homeoffice bleiben müssen.

Die Vereinigung der Berliner ISS-Schulleiter bezeichnete den Handlungsspielraum für die Schulen als „sinnvoll und notwendig“, da einerseits die personellen und räumlichen Möglichkeiten unter den Schulen sehr verschieden seien und sich andererseits die Schülerinnen und Schüler „in ihrer Selbstständigkeit beim Lernen sehr unterscheiden“.

Auch Ralf Treptow von der Vereinigung der Berliner Gymnasialschulleiter sagte: „Die Berliner Gymnasien bewältigen mit großem Aufwand die erhöhten Anforderungen bei der Durchführung der Prüfungen. Gleichzeitig wird derzeit Unterricht mit völlig neuen Abläufen für die Jahrgangsstufen 10 und 11 organisiert. Daher ist es richtig, dass die schrittweise Rückkehr der anderen Jahrgangsstufen nur nach den jeweiligen Voraussetzungen der Schulen erfolgt.“

Norman Heise vom Landeselternausschuss lobte die Vorgabe der Senatsschulverwaltung, dass bei der Ausgestaltung des Präsenzunterrichts die schulischen Gremien, also Eltern-, Schüler und Lehrervertreter einbezogen werden sollten, kritisierte aber den späten Zeitpunkt der Mitteilung. Die Kultusministerkonferenz hatte ihr Konzept zur Wiederaufnahme von Unterricht an den Schulen bereits vergangene Woche vorgelegt, von der Ministerpräsidentenkonferenz war es aber erst am Mittwoch beschlossen worden. „Da steht auch drin, dass Schulen frühestmöglich informiert werden sollen“, sagte Heise. Durch den Feiertag am 8. Mai bleibe den Schulen nun aber nur noch ein Werktag, um die Ankunft der zusätzlichen Schüler zu organisieren.