Eine gute Einarbeitung der neuen Kollegen ist besonders wichtig.
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BerlinHand aufs Herz: Wurden Sie bei Ihrem jetzigen Job so richtig eingearbeitet? Onboarding – klingt kompliziert, macht im Grunde genommen aber allen das Leben leichter. Schließlich ist jedem daran gelegen, dass neue Mitarbeiter ihr Potenzial schnellstmöglich voll ausschöpfen können. Coach Doris Brenner weiß, worauf es beim Onboarding ankommt. Sie gibt Tipps, wie die Einarbeitung besonders effektiv und sinnvoll gestaltet wird und warum dabei nicht nur der Chef gefragt ist.

Was ist überhaupt mit Onboarding gemeint? Wo beginnt es und wo endet es?

Unter Onboarding versteht man die systematische Einarbeitung und Integration von neuen Mitarbeitern. Es beginnt mit der Einstellentscheidung und ist ein Prozess, der in der Regel zwischen einem halben und einem Jahr dauert.

Was soll Onboarding genau bewirken? Was spricht dagegen, neue Mitarbeiter ins kalte Wasser zu schmeißen, wie es in den meisten Betrieben üblich ist?

Ziel sollte es sein, dass der neue Mitarbeiter so schnell wie möglich seine volle Leistungsfähigkeit im Unternehmen erlangt. Hierzu bedarf es der Unterstützung. Wer sich dagegen orientierungslos mühsam selbst zurecht finden muss, braucht zum einen länger und wird auch weniger motiviert sein.

Weshalb erfolgt oftmals keine oder nur eine mangelende Einarbeitung neuer Mitarbeiter?

Die Unternehmen sind sich häufig der großen Bedeutung des Onboardings nicht bewusst. Die Vorgesetzten und auch die Mitarbeiter können sich oft gar nicht mehr oder nur noch schwer in die Situation hineinversetzen, was es bedeutet „neu“ zu sein und im Alltagsstress geht das Thema oft unter.

Was bedeutet es für den Start, wenn der Neue nicht gut eingearbeitet ist?

Der neue Mitarbeiter kann beispielsweise frustriert und somit schon von Anfang an demotiviert sein. Oder er fühlt sich von den neuen Kollegen nicht wirklich angenommen und akzeptiert. In Zeiten, in denen Mitarbeiter am Arbeitsmarkt sehr gefragt sind, kann es auch leicht zu einer Eigenkündigung des Mitarbeiters kommen, wenn er nicht zufrieden ist.

Welches Zeitfenster ist ratsam um den neuen Mitarbeiter willkommen zu heißen und ihn einzuarbeiten?

Es gibt unterschiedliche Phasen des Onboardings. Die Orientierungsphase geht in der Regel über zwei bis drei Wochen. Danach folgt die Integrations- und Lernphase, für die man zwei bis drei Monate ansetzen kann, daran anschließend die Stabilitäts- und Akzeptanzphase.

Auf welche Hilfsmittel kann ich zurückgreifen um einen guten Einstieg zu gewährleisten? Sind Checklisten eine Option?

Wichtiger als eine Checkliste ist die Entwicklung eines Bewusstseins für die Wichtigkeit der sozialen und werteorientierten Integration eines neuen Mitarbeiters. Wer das Onboarding in seinem Betrieb professionalisieren möchte, dem sei meine Publikation „Onboarding“ ans Herz gelegt. Hier findet man eine strukturierte Unterstützung in diesem Prozess, der auch Checklisten enthält.

Wieso ist es ratsam die Einarbeitung nicht nur durch den Chef oder Teamleiter erfolgen zu lassen?

Je mehr Personen an dem Onboardingprozess beteiligt sind, umso breiter ist der Einblick, den der neue Mitarbeiter erhält. Über die sozialen Kontakte wird auch das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt. Viele Unternehmen haben einen so genannten Paten definiert, der den neuen Mitarbeiter in der Anfangsphase mit den alltäglichen kleinen Themen und Unsicherheiten unterstützen kann.