Die Füße einer Balletschülerin

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BerlinDietrich Kruse ist ein offenbar vielseitiger Ingenieur. Als Kraftfahrzeugtechniker hat er ein Buch für Schüler geschrieben: „Automobiltechnik kompakt“. Vor seiner Pensionierung leitete der heute 64-Jährige ein Oberstufenzentrum für Maschinen- und Fertigungstechnik in Reinickendorf. Jetzt kehrt er für ein Jahr zurück aus dem Ruhestand und wird für diese Zeit Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin.

Der Fall Ballettschule – was bisher geschah: Im Februar hatte die Bildungsverwaltung nach anonymen Vorwürfen den langjährigen Schulleiter Ralf Stabel sowie den künstlerischen Leiter Gregor Seyffert freigestellt. In dieser Woche, vier Monate später, ging dem Schulleiter die fristlose Kündigung zu. Darin kommen die Behauptungen von martialischen Misshandlungen nicht vor, die unter seiner Leitung passiert sein sollen. Die banalen Kündigungsgründe lauten vielmehr, er habe nicht ausreichend viele Wochenstunden unterrichtet und die Ruhezeiten der Schüler seien 2019 an vier Tagen unterschritten worden. Stabels Anwalt bestreitet beides.

Neue Impulse und ein neues Miteinander

Stabels Stellvertreterin verlässt die Schule jetzt. Sie war für die hochkomplizierten Unterrichtspläne zuständig, die abendliche Ballett-Auftritte und morgendlichen Schulunterricht in Harmonie bringen müssen. Mit solchen Aufgaben ist der neue Schulleiter Dietrich Kruse nun konfrontiert. Am Freitag wurde er der Schulkonferenz vorgestellt. Der Tagesspiegel zitiert den Ingenieur mit den Worten: „Die Ballettschule und Schule für Artistik hat zuletzt schwierige Zeiten durchgemacht. Mir ist nun an einer systematischen Schulentwicklung gelegen.“ Die Schule habe „großes Potenzial“ und brauche jetzt „neue Impulse“. Das Kollegium müsse zu einem neuen Miteinander finden.

Mit welchen neuen Impulsen die Schule „systematisch“ entwickelt werden soll, wie das zerstrittene Kollegium zueinanderfinden könnte, wird der Ingenieur sicher noch ausführen. Unklar blieb bisher auch, welche Fächer er unterrichten wird.