Viele Unternehmen legen für die Mitarbeiterentwicklung oft ein festes Jahresbudget fest, welches rein für die Weiterbildung zur Verfügung steht. Ob es sich dabei um Präsenz oder Online Weiterbildungen handelt, spielt meist keine Rolle.

Vorteile der Betrieblichen Weiterbildung

Für Unternehmen lohnt sich betriebliche Weiterbildung in doppelter Hinsicht: Zum einen bringt sie unmittelbar Nutzen für die Belegschaft durch die Vermittlung von benötigten Kompetenzen sowie bei der Verbesserung von betrieblichen Arbeitsabläufen. Zum anderen haben Weiterbildungsangebote einen indirekten Einfluss auf den Unternehmenserfolg.

Grundsätzlich werden mit der Betrieblichen Weiterbildung folgende Ziele erreicht:

a)     Mit einer gezielten Qualifizierung sorgt man für eine Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter. Die Weiterbildung bereitet den Mitarbeiter auf die Anforderungen der Digitalisierung vor und versetzt die Belegschaft in die Lage, mit den Veränderungen entsprechend umzugehen.

b)     Durch spezifische Weiterbildungsangebote können Mitarbeiter entsprechend des Bedarfes passgenau qualifiziert werden und das erforderliche Know-how aktuell halten.

c)     Mit bedarfsgerechter Weiterbildung wird die Flexibilität und Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter in puncto Arbeitsabläufe, Software oder Dienstleistungen gefördert. Das hilft bei neuen betrieblichen Anforderungen und auch bei der Vertretung während Elternzeit, Krankheits- oder Urlaubszeiten.

d)     Je selbstverständlicher Weiterbildung im Unternehmen stattfindet, desto offener sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für kontinuierliche Verbesserungsprozesse und neue Trends, da sie sich gut informiert und vorbereitet fühlen.

e)     Durch vorausschauende Weiterbildungsangebote wird die Unter- oder Überforderung des Personals vermieden und die Arbeitszufriedenheit erhöht.

f)       Ein breites und reichhaltiges Weiterbildungsangebot beeinflusst das Unternehmensimage positiv, da der Belegschaft durch Weiterbildung berufliche Entwicklungsperspektiven geboten und Karrierepfade aufgezeigt werden.

g)     Durch die interne Besetzung einer offenen Stelle wird das Risiko einer Fehlbesetzung gesenkt. Zum einen kennen die Beschäftigten das Unternehmen und seine Arbeitsabläufe bereits und sind mit den Anforderungen vertraut. Zum anderen kann das Unternehmen deren fachlichen und sozialen Kompetenzen sowie Potenziale gut einschätzen.

h)     Die Weiterbildung des Personals kann kostengünstiger sein als eine externe Rekrutierung, indem Rekrutierungs- und Fehlbesetzungskosten vermieden werden.

Möglichkeiten zur Förderung von Mitarbeitern

1. Lehrveranstaltungen

In diesen Weiterbildungsmaßnahmen wird in der Regel in klassischer Seminarform gelernt. Lehrveranstaltungen können zwei Zielen dienen: Anpassung der individuellen Kompetenzen an veränderte berufliche Anforderungen, Erwerb eines anerkannten Abschlusses oder Zertifikats, durch zum Beispiel:

a) Anpassungsfortbildung

Mit einer Anpassungsfortbildung sorgt man dafür, dass das Personal versiert ist für neue Anforderungen am Arbeitsplatz. Technische und wissenschaftliche Erkenntnisse wirken in fast allen fachlichen Bereichen direkt auf die Arbeitswelt, verändern Methoden und Prozesse. Anpassungsfortbildungen umfassen alle Formen des Lernens in klassischer Seminarform, die nicht zu einem anerkannten Bildungsabschluss führen. Hierzu zählen:

  • Kurse
  • Seminare
  • Vollzeitlehrgänge
  • Berufsbegleitende Lehrgänge, die von Bildungsdienstleistern oder eigenem Weiterbildungspersonal angeboten werden.

In einer Anpassungsfortbildung können vermittelt werden:

  • berufsspezifische Kenntnisse (zum Beispiel Programmiersprachen)
  • soziale Fertigkeiten (zum Beispiel Umgang in Konfliktgesprächen)
  • Kenntnisse aus der beruflich verwertbaren Allgemeinbildung (zum Beispiel Fremdsprachen).

b) Teilqualifizierung und Nachqualifizierung von An- und Ungelernten

Über eine Teilqualifikation (TQ) können An- und Ungelernte einzelne Module eines Ausbildungsberufs erlernen. Jedes Modul bildet eine geschlossene Einheit, kann einzeln geprüft und mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Die Summe aller Module bildet jeweils einen Ausbildungsberuf ab.

Teilqualifizierungen werden in der Regel von lokalen Bildungsdienstleistern angeboten. Ein Zeichen für Qualität sind Gütesiegel, wie „Eine TQ besser!“, das von den Arbeitgeberverbänden vergeben wird. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt sowohl geringqualifizierte Personen als auch KMU mit geringqualifizierten Beschäftigten, die Teilqualifikationen erwerben möchten. Neben der teilweisen oder kompletten Übernahme von Lehrgangskosten ist es auch möglich, Zuschüsse zum Arbeitsentgelt zu erhalten.

c) Aufstiegsfortbildungen zum Meister, Techniker oder Fachwirt

Durch eine geregelte Aufstiegsfortbildung können Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung für anspruchsvolle Fach- und Führungstätigkeiten qualifiziert werden. Dabei gibt es drei Stufen:

  • Das erste Niveau umfasst Fortbildungen, mit denen man sich für spezielle Funktionen im erlernten Berufsfeld qualifizieren kann.
  • Das zweite Niveau umfasst Abschlüsse wie Meister, Fachwirt oder Techniker. Neben einer fachlichen Vertiefung und Spezialisierung enthalten diese Bildungsgänge auch eine Vorbereitung auf Führungstätigkeiten.
  • Das dritte Niveau umfasst Fortbildungen, die vorrangig für die Unternehmensführung sowie die Entwicklung von Innovationen qualifizieren. In der Regel ist eine abgeschlossene Aufstiegsfortbildung des zweiten Niveaus Voraussetzung.

d) Berufsbegleitendes Studium

Mittels eines berufsbegleitenden Studiums kann man akademischen Nachwuchs aus den eigenen Reihen gewinnen.

Ein berufsbegleitendes Studium enthält in der Regel Phasen des Selbststudiums und der Anwesenheit in Lernveranstaltungen an einer Hochschule oder Universität.

Die Beschäftigten können durch Freistellungen oder finanzielle Hilfen, wie die Übernahme von Studiengebühren, dabei unterstützt werden, ihr berufliches Arbeitspensum und das Studium miteinander zu vereinbaren.

2. Lernen im Job

Beim Lernen im Job tauschen sich Beschäftigte über die richtige Vorgehensweise in einer konkreten Arbeitssituation aus oder fragen gezielt bei Kolleginnen und Kollegen nach, wie diese ein spezifisches Problem lösen. Solche Weiterbildungssituationen werden auch als informelles Lernen bezeichnet.

Zum informellen Lernen zählen vielfältige Maßnahmen, die dem Wissens- und Erfahrungstransfer im Unternehmen dienen. Dieser Transfer ist wichtig, da betriebsinternes Wissen häufig Erfahrungswissen ist, das nicht schriftlich festgehalten ist.

Einarbeitung: Nachfolgerinnen und Nachfolger von Schlüsselkräften im Betrieb aber auch junge Fachkräfte profitieren von einer gezielten Einarbeitung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Mentoring und Coaching: Auch ein Mentoring oder Coaching beinhaltet eine individuelle Betreuung, die jedoch auf einen längeren Zeitraum angelegt ist. Altersgemischte Teams: Der informelle Austausch während der täglichen Arbeit ist gerade in altersgemischten Teams nützlich, da die Jungen neues Wissen aus der Ausbildung mitbringen und die Älteren über die Erfahrung verfügen, wie Neues umgesetzt werden kann. Qualitätszirkel: Mit der Einrichtung von Qualitätszirkeln können Sie dem informellen Austausch unter den Beschäftigten eine Struktur geben: In festen Abständen treffen sich Beschäftigte, um Themen des eigenen Arbeitsbereiches zu analysieren und Lösungsvorschläge für auftretende Probleme zu entwickeln. Systematischer Arbeitsplatzwechsel: Um den Blick über den eigenen Tellerrand zu ermöglichen, eignet Job Rotation zwischen Unternehmensteilen oder mit anderen Unternehmen.

3. Lernen mit Medien

Der große Vorteil des selbstgesteuerten Lernens ist die hohe zeitliche Flexibilität. Das Lernen kann in Arbeitsphasen mit Freiraum genauso erfolgen wie nach der Arbeit. Auch an einen festen Ort ist die oder der Lernende nicht gebunden. Zugleich fehlt in der Regel eine Unterstützung durch eine weitere Person. Diese Form des Lernens richtet sich daher in erster Linie an lernerfahrene Fachkräfte.

a) E-Learning

Diese Art der Online-Weiterbildung mittels Computerunterstützung ist in Zeiten der Digitalisierung erfolgreich weiterentwickelt worden und bietet nun unter dem Stichwort E-Learning zahlreiche Varianten:

  • Computerbasierte Selbstlernprogramme
  • Videotrainings
  • Interaktive Formen von webbasiertem Lernen (zum Beispiel Webinare oder virtuelle Seminare, kooperative Lernplattformen)
  • Simulationen, in denen der Ernstfall geprobt werden kann
  • Mischungen aus Präsenz- und Onlinelernen (blended learning)
  • MOOCs – Massive open online courses

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