Bei Jugendlichen zwischen 10 und 12 Jahren wird mit dem Einsetzen der Pubertät oft alles andere interessanter als Bücher.
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BerlinDie PISA-Studie hat ergeben: Rund die Hälfte aller 15-Jährigen liest nicht zum Vergnügen. Um das zu erfahren, hätten die meisten Teenager-Eltern keine Studie gebraucht. Die fragen sich eher: Wie bringt man sie denn dazu, den Blick vom kleinen oder großen Bildschirm ab- und mal auf eine Buchseite zu wenden? Wolf Borchers von der Stiftung Lesen in Mainz beschäftigt sich täglich mit diesem Problem. Die Stiftung kümmert sich in verschiedenen Projekten vor allem darum, ABC-Schützen und älteren Jugendlichen aus lesefernen Umfeldern das Lesen schmackhaft zu machen.

Doch auch Eltern, die selbst viel und gern lesen, beklagen den „Leseknick“: So heißt das Phänomen, wenn bei Jugendlichen zwischen 10 und 12 Jahren, mit dem Einsetzen der Pubertät, alles andere interessanter wird als das Buch. Lesen verbinden sie dann vor  allem mit Lernen und lästigen Hausaufgaben.

Digitale Medien nicht als Feind begreifen

Doch das ist nur eine Seite der Medaille: „Wir zum Beispiel vertreten die Auffassung, dass noch nie so viel gelesen wurde wie heute“, sagt Wolf Borchers. Natürlich bekommen Teenager durch Chats und Instagram-Texte noch kein Wissen über literarische Klassiker. Doch das ist nun mal, was sie lesen: Borchers rät dazu, digitale Medien nicht als Feind, sondern als Pforte hin zu anderen Lesestoffen zu sehen.

„Uns bei der Stiftung ist erst mal egal, was sie lesen. Hauptsache, sie lesen“, so Borchers. In den „Medialabs“, die seine Stiftung fördert, geht es deshalb auch vor allem darum, einen gemütlichen Raum zu schaffen, in dem Jugendliche gemeinsam mit anderen auf die Bücher, Zeitschriften, Hörbücher und Spiele, aber auch Tablets zugreifen können.

„Man muss sich schon mehr einfallen lassen, als Teenagern mit dem guten alten Jugendbuch anzukommen“, sagt Wolf Borchers. Egal ob man ein Video dreht, Radio macht oder ein Drehbuch für einen Trickfilm schreibt: Wichtig ist die Beschäftigung mit Texten und Geschichten im weitesten Sinn. Das kann, angewandt auf die eigenen Kinder zu Hause, ein Spieleabend genauso sein wie ein Gespräch über das eigene Lieblingsbuch, oder eine Schnitzeljagd beim Wochenendausflug.

Hörbücher können eine Alternative sein

Und wenn die klassische Jugendliteratur ein Abturn ist und bleibt: Warum es nicht mal mit Hörbüchern probieren, oder Graphic Novels, oder einer App, in der man eine Geschichte durchspielt? Die Stiftung Lesen stellt auf ihrer Seite eine Mediendatenbank mit Empfehlungen für jede Altersstufe bereit, und auch die meisten Stadtbüchereien haben gut durchsuchbare Online-Kataloge.

Gerade bei Jugendlichen gilt es, ihnen dort zu begegnen, wo sie sind, rät Borchers. Es bringt nichts, dem Kind den „Steppenwolf“ in die Hand zu drücken; wenn es sich gerade vor allem für Beauty-Themen interessiert, müssen sich Eltern eben bemühen, Lesestoff aus diesem Bereich zu finden. Borchers rät vor allem zu Geduld: „Wir beobachten, dass es Zeit und vor allem Regelmäßigkeit braucht, damit Lesegewohnheiten sich ausbilden können.“