Hier findet die Unterrichtsstunde noch bei geöffnetem Fenster statt. Kann man auch im Herbst und Winter regelmäßig Stoßlüften, ohne krank zu werden? 
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Zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen in den Schulen empfehlen Wissenschaftler nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) regelmäßiges Lüften in kurzen Abständen und sehen nur in „Einzelfällen“ die Notwendigkeit für mobile Luftreinigungsgeräte. Wie die KMK am Donnerstag mitteilte, hätten mehrere Experten bei einer Anhörung am Mittwochabend zum Stoßlüften der Klassenzimmer im zeitlichen Abstand von 20 Minuten für etwa drei bis fünf Minuten Dauer sowie zum Querlüften der Räume in den Pausen geraten. Im Klartext: Alle 20 Minuten sollen alle Fenster weit aufgemacht werden – und in den Pausen zusätzlich die Tür für Durchzug.

An der KMK-Runde nahmen den Angaben zufolge Wissenschaftler aus den Bereichen Hygiene, Virologie und Strömungsmechanik teil. Zudem waren Vertreter des Umweltbundesamtes, der Kommunen, der Bildungsgewerkschaften und des Bundeselternrats dabei.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Stefanie Hubig sagte: „Gerade mit Blick auf die bevorstehende kühlere Jahreszeit ist es wichtig, dass wir jetzt für alle Schulen in Deutschland zu einer Handreichung mit klaren und nachvollziehbaren Vorgaben kommen, die überall gut umsetzbar sind.“ Der Direktor im Umweltbundesamt, Heinz-Jörn Moriske, sicherte nach KMK-Angaben die Erarbeitung einer solchen Handreichung für alle Schulen im Bundesgebiet zu.

Den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten in Schulräumen halten die befragten Experten laut KMK grundsätzlich nicht für nötig, sofern sich dort die Fenster richtig öffnen lassen. Zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen könne aber der Einsatz solcher Geräte in Räumen, die nicht über komplett zu öffnende Fenster verfügen, „flankierend und in Einzelfällen sinnvoll sein“. Wenn, dann sollten nach Auffassung der Wissenschaftler aber nur „qualitätsgeprüfte Geräte, die mit Hochleistungsschwebstofffiltern ausgerüstet sind“ zum Einsatz kommen. Sie müssten zudem leise arbeiten und „einen ausreichenden Volumenstrom, gemessen an der Raumgröße“ garantieren.

„Diese Filter können sehr effektiv sein“, sagt der Physiker Christian Kähler, der Experte ist für das Filtern von Luft. Seit der Corona-Krise hat Kähler bereits mehrere Untersuchungen zu Aerosolen, Masken und Raumluftfiltern durchgeführt. „Mithilfe der Filter werden indirekte Infektionen, die bei einer hohen Virenlast im Raum auftreten können, weitestgehend verhindert.“

Hochwertige Filter kosten allerdings zwischen 500 md 600 Euro. Diese flächendeckend anzuschaffen, würde große Investitionen erfordern – ebenso die Anschaffung von CO2-Messgeräten, die anzeigen, wann dringend gelüftet werden muss, und pro Stück immerhin zwischen 60 und 80 Euro kosten.

Über das Thema Frischluft im Klassenraum wird seit kurzem verstärkt diskutiert. Vertreter aus dem Bildungswesen hatten die Frage aufgeworfen, wie das mit dem Lüften in der kalten Jahreszeit unter Corona-Bedingungen funktionieren soll. Kritisiert wurde wiederholt auch, dass sich in manchen Schulräumen die Fenster gar nicht richtig öffnen lassen.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung, Joachim Maiß, sagte am Donnerstag: „Bei Herbststürmen und Schlagregen kann man nicht stoßlüften, ohne die Klassenräume zu fluten und Erkältungskrankheiten unter allen Anwesenden Vorschub zu leisten.“

Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, forderte Schritte wie in Bayern. Dort hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, den Kommunen 50 Millionen Euro zum Kauf von Raumlüftern und Filtern in Schulen und Kitas zur Verfügung zu stellen. Lin-Klitzing sprach sich zudem für Plexiglaswände zwischen den Schülern und für die Lehrkräfte aus. Der Deutsche Lehrerverband hatte Lüftungsanlagen und CO2-Messgeräte gefordert.