Für die Rente sollte mehr als nur ein Notgroschen eingeplant werden.
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BerlinWer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, wird seinen Lebensstandard extrem einschränken müssen. Das Rentenniveau beträgt derzeit 48 Prozent. Das heißt: Die Durchschnittsrente eines Rentners, der 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, liegt derzeit bei weniger als der Hälfte eines durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens. Nach  dem aktuellen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung sinkt das Rentenniveau bis 2033 auf bis zu 44,5 Prozent. Zwar hat sich die große Koalition darauf geeinigt, eine Grundrente einzuführen, aber auch die wird nur den Grundbedarf von langjährigen Beitragszahlern mit Einkommen unter dem Durchschnittsverdienst decken. Wer sich im Ruhestand so wenig wie möglich einschränken möchte, muss also vorsorgen.

Doch was heißt das für den Einzelnen? Wie viel müssten Arbeitnehmer monatlich sparen, um im Alter ihren Lebensstandard halten zu können? Diese Fragen können zwar nie pauschal beantwortet werden, dennoch gibt es Richtwerte, die dabei helfen, erst einmal eine Vorstellung von Größenordnung zu entwickeln. Dazu gehört neben der nötigen Sparrate etwa auch der voraussichtliche Bedarf im Alter, der ein anderer sein wird als während der Arbeitnehmerzeit.

Der Bedarf im Alter

Faustformel: 80 Prozent des letzten Nettogehalts sind nötig, um den Lebensstandard in der Rente zu halten.

Erklärung: Ist man erst einmal raus aus dem Arbeitsleben, fallen Kosten etwa für den täglichen Weg ins Büro weg. Kinder sind dann in der Regel alt genug, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Insbesondere aber auch Vorsorgekosten, also alles, was man vorher monatlich mühevoll für die Altersvorsorge zurückgelegt hat, soll nun ausgezahlt werden und verursacht keine Kosten mehr.

Einschränkung: Es können aber auch neue Kosten entstehen. Ist eine teure, altersgerechte Renovierung des Hauses nötig? Große Teile der Ausgaben für Medikamente und Pflegedienste müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Häufig wird bei der Faustformel von 80 Prozent auch zugrunde gelegt, dass im Alter die bisherige große Wohnung nicht mehr benötigt wird. Wenn aber ein Umzug in eine kleinere Wohnung nicht in Frage kommt, ist auch keine Erleichterung zu erwarten. Konservativere Schätzungen empfehlen daher eher, von 95 Prozent des letzten Nettogehalts auszugehen. Letztlich sollte jeder eine eigene Rechnung aufstellen und erwartbare monatliche Kosten zusammentragen.

Die nötige Sparrate

Faustformel: Zehn bis 15 Prozent des Nettogehalts sollten monatlich für die private Altersvorsorge aufgewendet werden, mindestens aber so viel, wie möglich ist.

Erklärung: Wer mit 30 Jahren anfängt, 15 Prozent in die private Altersvorsorge zu stecken, erreicht voraussichtlich mit Renteneintritt ein Niveau von circa 80 Prozent des Nettoeinkommens. Dabei ist einkalkuliert, dass das Gehalt über die Jahre hinweg steigt und die private Altersvorsorge Rendite abwirft – gleichzeitig aber auch, dass die Inflation steigt. Erhöht sich die Inflation stärker als das Gehalt, müsste auch diese Lücke wieder geschlossen werden.

Renten-Rechner

Was zusteht: Die Deutsche Rentenversicherung teilt Versicherten ab dem 27. Lebensjahr und nach mindestens fünf Beitragsjahren jährlich mit, wie hoch die individuelle gesetzliche Rente voraussichtlich einmal ausfallen wird. Abfragen kann man dies auch über die Website der Deutschen Rentenversicherung 
Was fehlt: Versicherte sollten beachten, dass die voraussichtliche Altersrente stets in brutto angegeben wird. Es gehen also noch Steuern und Sozialabgaben ab. Bei der Schätzung der Rentenlücke sollte dies ebenso bedacht werden wie die jährliche Inflationsrate von circa ein bis zwei Prozent.

Einschränkung: Die Höhe der zusätzlichen Sparrate hängt entscheidend davon ab, wie zeitig jemand mit dem regelmäßigen Sparen beginnt. Fängt ein Arbeitnehmer erst mit 40 Jahren oder noch später an, zusätzlich zum gesetzlichen Rentenbeitrag Geld zurückzulegen oder zu investieren, müsste der Betrag entsprechend höher sein, um das benötigte Vermögen bis zum Renteneintrittsalter noch zu erreichen. Der Richtwert gilt für 30-Jährige, die Arbeitnehmer sind. Selbstständige müssen eher mehr einplanen, Beamte eher weniger. Generell handelt es sich bei den zehn bis 15 Prozent nur um eine Orientierungsgröße, die von den individuellen Lebensumständen abhängig ist. Sind längere Arbeitspausen zu erwarten, die das Vermögen am Ende schrumpfen lassen? Oder sind Mieteinnahmen, ein Erbe oder Vermögen aus anderer Quelle zu erwarten, die mit in die Altersvorsorge einbezogen werden können? Auch das sollte bei einer Rechnung mit einkalkuliert werden. Für viele wird eine hohe Sparrate außerdem nicht immer möglich sein. Dann gilt es zumindest, das zurückzulegen, was sich abzwacken lässt.

Die passende Altersvorsorge

Bei der Wahl der privaten Altersvorsorge gibt es mehrere Möglichkeiten. Generell unterscheidet man zwischen staatlich geförderten Produkten wie der Riester-Rente oder der Betriebliche Altersvorsorge (bAV) und nicht staatlich geförderten Produkten wie der Lebensversicherung, der Rentenversicherung oder einer nicht vertragsgebundenen Anlage in Aktien oder ETF. Dabei handelt es sich um börsengehandelte Indexfonds, die die Wertentwicklung eines gesamten Index, wie beispielsweise dem Dax nachbilden.

Während Rentenversicherung und Kapitallebensversicherung kaum mehr Rendite erwirtschaften und ein Neuabschluss wegen hoher Kosten von vielen Experten kaum mehr empfohlen wird, gibt es ebenso bei den anderen Produkten Vor- und Nachteile. Bei den geförderten Produkten sind eingezahlte Beiträge und Zulagen zum Zeitpunkt des Rentenbeginns zwar sicher, dafür müssen im Alter auf die Renten hohe Abgaben gezahlt werden. Hier muss abgewogen werden, ob sich die Förderung auszahlt oder aufgefressen wird. Bei einem ETF-Sparplan fallen zwar Steuern an und es besteht das Risiko, zeitweise Geld zu verlieren, wer langfristig anlegt, hat aber gute Chancen auf eine höhere Rendite.