Zwei Sekunden vor dem Aufprall fällt den Piloten auf: Die Boeing 777 verliert zu schnell an Höhe und Geschwindigkeit, kurz vor der Landung in San Francisco. Zu spät! Der Asiana Flug 214 endet am 6. Juni 2013 in einer Katastrophe. Das Fahrwerk der Maschine donnert gegen die Pistenkante auf der Wasserseite; das Heck bricht ab, der Rumpf rutscht über die Landebahn, Feuer bricht aus. Drei Passagiere sterben, 181 werden verletzt.

Warum kam es zu dem Desaster? Am Unglückstag stand den Piloten das Instrumenten-Landesystem nicht zur Verfügung, weil in San Francisco Wartungsarbeiten liefen. Die Crew war gezwungen, ihre Maschine auf Sicht zu fliegen und zu landen. Dabei kam es zu einem verhängnisvollen Irrtum: Kapitän Lee Kang Kuk glaubte, die automatische Schubregelung würde dafür sorgen, dass die Boeing ihre Geschwindigkeit hält.

Doch das System war abgeschaltet! Vor diesem Hintergrund warnte die amerikanische Luftaufsichtsbehörde FAA laut „Spiegel“: „Piloten verlassen sich zu stark auf die Technik. So verlernen sie das fliegen – und sind im Notfall überfordert.“

Nutzen und Schaden in der vernetzten Welt

Willkommen in der Digitalen Ambivalenz: „Je perfekter die Automatisierung unserer Welt wird, desto größer sind die Gefahren, wenn die Technik plötzlich ausfällt“, sagt Wolfram von Rotberg, IT-Experte im Netzwerk culture2business. Vertraut der Mensch zu sehr auf Computer, ist er schnell überfordert, wenn ein automatisierter Prozess aus dem Ruder läuft. „Wir versagen, weil wir uns an das scheinbar mühelose Funktionieren der Automaten gewöhnt haben“, so von Rotberg.

Ein Ausfallen der Systeme sei nicht vorgesehen, „denn wir haben keine Pläne mehr für ein aktives Handeln, um Krisensituationen zu bewältigen.“ Im Alltag geht das schon los, wenn der Akku vom Smartphone leer ist.

Dieses Phänomen wird in der Luftfahrt unter dem Stichwort „automation dependency“ diskutiert, der Abhängigkeit von automatisierten Systemen. Eine Abhängigkeit, die inzwischen immer weiter um sich greift: „Big Brother wandelt sich zu Big Mother, die uns umsorgt und für uns komplexe Entscheidungen fällt. (…) Wir werden bemuttert von einem Überwachungsapparat“, stellt Max Celko in einem Aufsatz fest. Der Titel: „Hyperlocality: Die Neuschöpfung der Wirklichkeit“.

Die Welten verschmelzen miteinander

Der Begriff „Hyperlocality“ bezeichnet „den Zustand, in dem alle Geräte und Objekte vernetzt und örtlich lokalisierbar sind – den Moment also, wo die physische Welt und die virtuelle Welt miteinander verschmelzen und wir ständig und von überall her auf ihre Ebenen zugreifen“. Der Hintergrund: „Schon in naher Zukunft wird ein Großteil der Dinge, die uns umgeben, mit RFID- und GPS-fähigen Computerchips versehen sein und selbständig miteinander kommunizieren können“, so Celko.

Dazu lautet das Stichwort: „Internet der Dinge“, auf Englisch „Internet of Things“ (IoT). Der Datenaustausch findet direkt zwischen den „Dingen“ statt, die Schnittstelle „Mensch“ fällt weg. Die erste Stufe war erreicht, als sich Computer vernetzten, danach wurden Smartphones internetfähig. Jetzt folgen intelligente Kühlschränke oder Thermostate sowie smarte Stromzähler – bis hin zu Autos, die eines Tages selbst fahren. Das Unternehmen Ericsson schätzt: 50 Milliarden Geräte werden 2050 online vernetzt sein.

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