Es braucht Übung, sich nicht zu ärgern, dass man aufgewacht ist durch Bewegungen des anderen! 
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Früher war unser Schlaf innig. Mein Freund und ich verbrachten die Nächte in einem 1,20 Meter schmalen Bett, schliefen schnell im Arm des anderen ein und bis zum nächsten Morgen entspannt durch. Nicht nur tagsüber, sondern auch nachts führten wir ein harmonisches Paarleben – und darauf war ich irgendwie stolz.

Heute, über 15 Jahre später, verbringen mein Freund und ich fast jede Nacht getrennt. Und ich frage mich manchmal: Wie konnte es soweit kommen? Nicht ganz unschuldig daran sind sicherlich die Kinder, die wir in der Zwischenzeit bekommen haben.

Eltern kennen das: Mit der Geburt des Nachwuchses erhält Schlaf einen neuen Stellenwert, er ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Die Angst vor der bleiernen Müdigkeit nach einer schlechten Nacht macht einen panisch. Mein Freund und ich versuchten daher alles, um möglichst gut schlafen zu können. Jammerte nachts ein Kind, holten wir es kurzerhand zu uns ins Bett, auch wenn dann ein Erwachsener auf die Couch gehen musste, weil es zu dritt zu eng wurde. Oder ein Elternteil zog mit seinem Kissen ins Kinderzimmer.

Reise nach Jerusalem durch alle Betten

Hatte einer von uns einen wichtigen Termin, verbrachte er oder sie die Nacht davor vorsichtshalber auf der Couch. Man muss am nächsten Tag ja funktionieren. Später stand immer einer von uns mit dem Schulkind auf, während der andere mit dem Kita-Kind liegen bleiben durfte. Wir schliefen also getrennt, um den anderen morgens nicht zu wecken. Kurzum: Über die Jahre verkam unsere traute Zweisamkeit zu einer Art Reise nach Jerusalem durch alle Betten.

Damit sind wir nicht allein: Wer wegen seiner Kinder nur noch sporadisch Nachtruhe findet, will sich diese nicht auch noch vom Partner streitig machen lassen. Denn der Bettnachbar ist immer auch ein potentieller Schlafräuber: „Jeder bewegt sich, atmet oder gibt anderweitig Geräusche von sich – und dadurch stört er den anderen“, meint Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg. Das könne man ganz objektiv in Laboren messen.

Doch warum war der Störfaktor früher kein Problem? Zunächst einmal nehmen wir frisch verliebt unsere eigenen Bedürfnisse weniger wahr. Was zählt ist lediglich das „Wir“. Vor allem Frauen passten am Anfang einer Beziehung ihre Schlafgewohnheiten dem Partner an, meint Jürgen Zulley. Später meldet sich der Körper dann allerdings mit den eigenen Wünschen zurück – und man will wieder so schlafen, wie man es am besten kann: nach dem eigenen Biorhythmus, mit Fenster auf oder zu und vielleicht unter einer Decke für sich ganz allein.

Außerdem wird der Schlaf mit zunehmendem Alter leichter. Die Tiefschlafphasen sind seltener, und der sich wälzende, vielleicht noch schnarchende Partner stört schneller. Frauen haben in der Regel einen empfindlicheren Schlaf als Männer. Evolutionsbiologisch sind sie darauf gepolt, sich nachts um den Nachwuchs zu kümmern und jedes Wimmern zu registrieren – anscheinend auch dann, wenn es nicht vom Kind, sondern vom Partner neben ihnen stammt.

Kein Wunder also, dass manche Frauen gern aus dem gemeinsamen Ehebett ausziehen würden: „Ich hatte einige Patientinnen, die ihrem Partner getrennte Betten vorgeschlagen hatten. Das kam für die meisten Männer aber nicht in Frage“, so Schlafforscher Zulley. Das Stigma des getrennt schlafenden Paares ist groß. Geht man nachts auf Abstand, kommt das für viele dem Anfang vom Ende einer Beziehung gleich. Schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der deutschen Paare halten also – freiwillig oder gezwungenermaßen – am Doppelbett fest.

Dabei ist der Wunsch, allein schlafen zu wollen, kein Grund, gleich den Paartherapeuten aufzusuchen. Ganz im Gegenteil: „Getrennte Betten deuten oft auf eine sehr gute Beziehung hin“, sagt Jürgen Zulley. „Immerhin ist es zwei Menschen gelungen, einen Konflikt zu erkennen und zu lösen.“ Wer hingegen auf Biegen und Brechen versucht, gemeinsam die Nacht zu verbringen, dadurch ständig müde und gereizt ist, verschärft höchstwahrscheinlich Streit und Eheprobleme.

Trotz alledem gibt es aber auch gute Gründe, weiterhin die Nächte im gemeinsamen Bett zu verbringen. Ganz pragmatisch hat zum einen nicht jeder den Platz für zwei Einzelschläfer-Zimmer. Zum anderen geht es bei der Nachtruhe nicht nur um die objektive Qualität. Auch das Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit ist wichtig – und Körperkontakt schafft nun einmal emotionale Wärme. „Da muss man abwägen zwischen den störenden Einflüssen durch die Nähe und den positiven Effekten“, so Zulley.

Eine gute Investition in die Beziehung

Tatsächlich kann die Zeit im gemeinsamen Bett eine gute Investition in die Beziehung sein. So haben amerikanische Forscher herausgefunden, dass ein Ehepaar durchschnittlich nur 15 Minuten am Tag miteinander spricht – davon fünf bis zehn Minuten im Bett. Gerade wenn ständig Kinder um die Eltern herumturnen, sind das kostbare Momente der Zweisamkeit.

Hat man das Doppelbett für eine längere Phase verlassen, zum Beispiel wie wir wegen der Kinder, ist es allerdings nicht ganz leicht, dahin zurückzukehren. Schließlich hat man nun die Vorteile kennengelernt, die das Alleinschlafen ganz eindeutig mit sich bringt – und sich an sie gewöhnt. Alle Versuche, die mein Freund und ich unternommen haben, um wieder harmonisch die Nächte miteinander zu verbringen, schlugen bislang fehl. In der Regel wache ich nachts auf und ärgere mich, dass er mich anscheinend geweckt hat – und dann kann ich nicht wieder einschlafen.

Das Problem dabei ist laut Zulley nicht unbedingt der Partner, sondern meine Einstellung. Dass wir nachts ständig wach werden (im Schnitt 28 Mal), ist völlig normal. In der Regel dauert das Erwachen aber nur so kurz, dass wir einfach wieder einschlummern – und uns später gar nicht mehr daran erinnern. Regen wir uns allerdings darüber auf, weil wir die Schuld für die Schlafstörung zum Beispiel beim Bettnachbar suchen, können wir vor lauter Ärger nicht wieder einschlafen. Nicht das Aufwachen ist also das Problem, sondern das Wachbleiben.

Um wieder gut nebeneinander schlafen zu können, müsse ich also lernen, mich nicht über die Geräusche oder Reize aufzuregen, die von meinem Partner ausgehen. Ich solle versuchen, sie positiv zu beurteilen. Das sei alles eine Frage der Konditionierung. Hat man sich erst einmal an das Schnarchen und Wälzen des Partners gewöhnt, muss man es vielleicht nicht mehr ertragen, sondern lernt es sogar lieben.