Den Feierabend sollte man mit erholsamen Aktivitäten verbringen.
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LüneburgEndlich Feierabend! Was für den Einen ganz selbstverständlich klingt, lässt Andere mit dem Fragezeichen zurück: Was genau ist eigentlich Feierabend? Und haben wir heutzutage überhaupt noch einen richtigen Feierabend, wenn wir doch ständig erreichbar sein müssen? Mal ganz von denjenigen unter uns zu schweigen, die Kinder haben oder Angehörige pflegen. Schluss damit! Feierabend ist wichtig und darf in keinem Fall unterschätzt werden, weiß Gabriele Duchek vom „C3 Consulting Coaching Concept“. Sie leitet Kurse zur Burnout-Prävention. Dabei ist das Problem mit dem Feierband ein echter Dauerbrenner.

Was bedeutet Feierabend eigentlich genau?

Gabiele Duschek: Feierabend sollte in erster Linie eins sein: Freizeit. Also entweder tatsächlich komplett freie Zeit, möglichst wenig verplant. Zeit zum Genießen und Erholen. Oder aber Erholung durch Aktivitäten und soziale Kontakte. Da sind wir Menschen sehr unterschiedlich. Die Einen brauchen Ruhe zum Akkus aufladen, die Anderen müssen aktiv sein oder unter Menschen. In jedem Fall sollte der Feierabend der Erholung dienen.

Abschalten von der Arbeit – geht das heutzutage überhaupt noch wirklich?

Ja. Das geht auch heutzutage noch, obwohl es immer schwieriger wird. Jemand, der wirklich abschalten möchte, muss aktiv daran arbeiten und sich selbst und sein Bedürfnis nach Erholung ernst nehmen. Es gibt zahlreiche Methoden, die dabei unterstützen. Doch bis man wirklich konsequent abschalten kann im Feierabend, bedarf es einiger Übung.

Manch ein Kollege freut sich schon morgens um 10 Uhr in der Kaffeeküche auf den Feierabend – ist Arbeit für solche Leute eine Qual?

Für einige Menschen kann sich die Arbeit dann in der Tat sehr qualvoll anfühlen. Grundsätzlich würde ich jedoch nicht so weit gehen zu sagen, dass es zwingend eine Qual sein muss. Es gibt beispielsweise Menschen, denen es nicht so wichtig ist, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht. Sie haben andere Werte im Leben und sehen ihre Arbeit als Mittel zum Zweck. Dann freuen sie sich eventuell schon morgens auf den Feierabend. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Schwieriger ist es tatsächlich bei den Menschen, die gerne Spaß an der Arbeit hätten, ihn aber einfach nicht haben – sich die Arbeit also wirklich wie eine Qual anfühlt. Diese Menschen empfinden häufig großen Stress und sind meist unzufrieden. Präsentismus und innere Kündigung können Folgen davon sein.

„Feierabend ist keinesfalls Luxus, sondern eine Notwendigkeit“ – stimmen Sie dieser Behauptung zu?

Dieser Aussage stimme ich zu 100 Prozent zu. Feierabend ist die Zeit zum Erholen und Regenerieren. Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen ist wichtig. Hobbys, Freunde und Familie sollte man wichtig nehmen und Zeit dafür investieren. Ohne Regeneration und „Akkus aufladen“ können wir nicht langfristig leistungsfähig sein.

Welche Auswirkungen kann es haben, wenn ich meinen Feierabend nicht als solchen nutze?

Wenn ich keine Möglichkeit habe, meine Energie-Akkus wieder aufzuladen, endet dies schlimmstenfalls in einem Burnout. Das heißt, der Körper und der Geist verweigern jegliche Tätigkeiten. Das ist dann die Antwort auf zu viel Raubbau an sich selber.

Wie lange sollte der „Feierabend“ optimalerweise dauern?

Die Dauer des „Feierabends“ ist immer individuell. Wichtig ist, dass richtige Entspannung eintritt. Bei einigen ist das schneller der Fall, andere brauchen längere Erholungspausen.

Und wie mache ich nun richtig Feierabend? Haben Sie ein paar gute Tipps, damit dieser auch tatsächlich die nötige Erholung mit sich bringt?

Man sollte ein paar kleine Anti-Stress-Methoden, am besten bereits auf dem Nachhauseweg, einbauen und umsetzen. Das ist ein gutes und hilfreiches Ritual, um in den Feierabend zu starten. Wichtig ist es, klare Grenzen zu setzen. Diese unterstützt durch Rituale geben einem selbst Sicherheit und Klarheit. Dann fällt das Umsetzen des Feierabends leichter. Außerdem helfen Anti-Stress-Techniken dabei, Entspannung unverzüglich einsetzen zu lassen. Ein weiterer Tipp wäre, die Zeit möglichst nicht zu stark zu verplanen.

Wie meinen Sie das?

Selbstverständlich darf man sich etwas vornehmen, aber ohne engen Zeitplan. Sonst resultiert es im Freizeit-Stress. Zeit für spontane Dinge zu haben, ist immer ein guter Indikator. Wenn das gelingt, ist Erholung möglich. Weiterhin empfiehlt es sich, mindestens 30 Minuten vor dem Schlafengehen weder am Computer zu sitzen, noch fern zu sehen. Auch Tablet oder Smartphone sollten dann nicht mehr genutzt werden. Denn der Körper produziert Melatonin für das Schlafen und das Licht elektronischer Geräte zerstört dieses wieder. Die Folge: Unser Schlaf wird weniger erholsam. Und Schlafen ist wichtig zur Entspannung.

Gelten diese Tipps auch für Eltern oder Menschen, die nach Feierabend zum Beispiel Angehörige pflegen? Wie steht es bei denen um den Feierabend?

Auch das Pflegen von Angehörigen und Kinder sollte man in diesem Sinne als „Job“ sehen und sich genauso „Feierabende“ einplanen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Unterstützung bieten können. Beispielsweise Pflegedienste, die Pflegezeiten übernehmen können. Oder aber man entwickelt seine individuelle Strategie, wie man Entspannung im Alltag erzielen und sich trotzdem um Kinder oder Angehörige kümmern kann. Wichtig ist, dass man auf sich selber Acht gibt.

Denn wenn man selbst ausgebrannt ist, kann man auch Kinder oder pflegebedürftige Angehörige nicht mehr unterstützen und betreuen. Analog zum Fliegen: Tritt Druckabfall ein und nimmt der Sauerstoff ab, sollte man immer zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor man anderen hilft. Es gibt immer Möglichkeiten sein persönliches Entspannungspaket zu erarbeiten. Sei es Techniken für den Alltag oder bestimmte Zeitfenster zu schaffen. Wichtig ist, dass man dieses Thema frühzeitig ernst nimmt und angeht.