Karin Bitter, Lehrerin an der Comenius Grundschule in Oranienburg, sitzt in ihrem leeren Klassenzimmer vor einem Laptop. Bald sollen die Schüler wieder zurückkommen.
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BerlinNach Informationen der Berliner Zeitung planen zumindest einige Länder Sommerkurse, in denen ein Teil des verloren gegangenen Schuljahres aufgeholt werden soll. Die gute Nachricht dabei: Die Teilnahme soll freiwillig sein.

Konkrete Pläne sind noch nicht zu erfahren, da die meisten Schulverwaltungen und Kultusminister noch damit beschäftigt sind, die ab dem 4. Mai geplanten sukzessiven Schulöffnungen zu organisieren. In der nächsten Woche soll es dazu eine Kultusministerkonferenz (KMK)  geben, in der sich die Länder weiter abstimmen.

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Länder planen Zusatzangebote

Ideen für sogenannte Summer Schools stehen dabei zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf der Tagesordnung, aber die Unterrichtsgestaltung und auch die Regelung der Ferien ist in Deutschland ohnehin Sache des jeweiligen Bundeslandes. Doch um Zusatzangebote im Sommer werde wohl kaum ein Land herumkommen, war am Freitag von Seiten einiger Kultusverwaltungen zu hören.

Was bei der KMK nächste Woche definitiv kein Thema sein wird, ist der Vorschlag von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Er hat in einem Interview einen teilweisen Verzicht auf die Sommerferien vorgeschlagen. Stattdessen könnten die Schülerinnen und Schüler ein Teil des versäumten Stoffes nachholen.

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„Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen“, sagte der CDU-Politiker der Augsburger Allgemeinen. Die meisten Eltern hätten vermutlich bereits einen Teil ihres Urlaubs aufgebraucht und daher wohl kein Interesse an sechswöchigen Ferien für ihre Kinder.

Zwei Wochen weniger?

Zuspruch findet seine Idee in Berlin, teilweise zumindest. Dort hat Sören Benn (Linke), Bezirksbürgermeister  von Pankow, ebenfalls eine Verkürzung der Sommerferien um die letzten zwei Wochen ins Spiel gebracht. Der Berliner Zeitung sagte Benn, man solle diese Möglichkeit „mindestens in die Abwägungen mit einbeziehen“. Die Senatsschulverwaltung lehnt das allerdings ab: „Senatorin Scheeres hält es nach aktuellem Stand nicht für sinnvoll, an die Sommerferien ranzugehen“, sagte ein Sprecher am Freitag.

Der Landeselternausschuss hatte die Senatsschulverwaltung Ende der vergangenen Woche aufgefordert, Konzepte zu entwickeln, wie die verlorene Unterrichtszeit aufzuholen sei. Verpasster Stoff solle „in Form von verbindlichen Sommerschulen“ in den großen Ferien aufgeholt werden. Konkrete Pläne gibt es allerdings wohl noch nicht.

Scheeres verweist auf freie Träger

Scheeres’ Sprecher verwies auf Anfrage auf das Programm „Lernbrücken“, das während der Schulschließungen Angebote für Kinder in schwierigen Familiensituationen machen soll, sowie auf bereits existierende Sommerschulen, die in Berlin auf freiwilliger Basis meist von freien Trägern angeboten werden. Verpflichtende Nachholprogramme seien „rechtlich schwierig“.

So sieht man das auch in den anderen Bundesländern. „Ich finde es nicht vernünftig gegenüber Eltern, die wochenlang Homeoffice und für die eigenen Kinder Homeschooling organisiert haben, nun auch noch die Sommerferien einzuschränken“, sagte der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) der Berliner Zeitung.

Kritik aus Hamburg

„Wir haben in den letzten Wochen tief in die Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürger eingegriffen. Für viele Familien ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Insbesondere für den Bereich Schule standen Eltern durch den Corona bedingten Heimunterricht unter großer Belastung und vor ganz neuen Herausforderungen.“ Rabe hält es allerdings ebenfalls für sinnvoll, „in den Ferien Lernangebote für Schülerinnen und Schüler, die das nötig haben, zu organisieren“.  Das müsse aber auf freiwilliger Grundlage geschehen.

„Ich persönlich möchte an die Ferien nicht rangehen“, erklärte Rabes bayerischer Amtskollege Michael Piazolo (Freie Wähler) auf Nachfrage. „Wichtig ist es, sich um die anliegenden Aufgaben zu kümmern und Eltern und Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen.“

Erst mal wieder Normalität schaffen

Auch Niedersachsen sieht keinen Anlass, über verkürzte Sommerferien zu debattieren. „Es gilt, Schritt für Schritt in einem verantwortbaren Rahmen den Schulbetrieb wieder aufzunehmen und sich um das Thema Notbetreuung zu kümmern“, hieß es aus dem Kultusministerium in Hannover. Das sei schon anspruchsvoll genug. „Parallel zu diesem Prozess eine Sommerferiendebatte zu führen, ist nicht hilfreich und erhöht nicht die Planungssicherheit.“

Auch dort will man keinen Lernzwang für die Ferien. „Wenn Schülerinnen und Schüler freiwillig die Sommerferien nutzen, um Lerninhalte, die während der Schulschließungen nicht erarbeitet oder vertieft werden konnten, nachzuholen, so ist dies natürlich möglich und ausdrücklich zu begrüßen“, sagte ein Sprecher der Berliner Zeitung.

Tourismusverband warnt

In Sachsen ist das derzeit noch kein Thema. „Unsere Lehrpläne haben einen Puffer“, sagt man im dortigen Kultusministerium. „Lernstoff kann auch noch im nächsten Schuljahr aufgeholt werden.“

Neben den Lehrerverbänden kritisierte auch der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft die Debatte  um die Ferien. Schäubles Vorschlag käme zur Unzeit, sagte der Generalsekretär des Verbandes, Michael Rabe.