Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)
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BerlinDer Streit ums Abitur spitzt sich zu: Gegen die nach Ostern anstehenden Prüfungen macht der Berliner Landesschülerausschuss nun mobil. Vor dem Hintergrund der Coronakrise in diesem Jahr sollten sie ausfallen, sagte Landesschülersprecher Miguel Góngora am Mittwoch. Das gelte nicht nur für das Abitur, sondern etwa auch für den Mittleren Schulabschluss (MSA). Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich Ende März dafür ausgesprochen, die Schulabschlussprüfungen in Deutschland stattfinden zu lassen. Dieser Position hatte sich die Berliner Senatsverwaltung für Bildung angeschlossen. Der Landesschülerausschuss hat nun dazu aufgerufen, bei Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dagegen zu protestieren, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

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Kundgebungen gegen die Abschlussprüfungen lehnt der Landesschülerausschuss wegen der Gesundheitsgefahren allerdings ab. Stattdessen ruft er dazu auf, «Senatorin Scheeres mit Mails zu bombardieren», wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heißt. «Wir hoffen, dass die Bildungssenatorin die Berliner Schülerschaft nicht im Stich lässt», so die Schülervertretung, «denn sie braucht uns für ihre Arbeit und sie macht sich derzeit so unbeliebt wie noch nie zuvor».

Mehr als 500 Protestmails

Mehr als 500 Protestmails seien bereits an Scheeres geschickt worden, sagte Góngora. «Und es werden ständig mehr.» Für den Fall, dass die geltenden Ausgangsbeschränkungen nach den Osterferien aufgehoben sein sollten, haben die Schülervertreter für den 20. April eine Versammlung von Schulsprechern vor der Senatsverwaltung für Bildung angekündigt.

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Der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin, Tom Erdmann, sieht die Abiturprüfungen ebenfalls kritisch. Die Bildungssenatorin ist nach seiner Einschätzung allerdings die falsche Adressatin für Protestschreiben, die besser an die KMK gehen sollten. Denn wenn Berlin sich nicht an eine bundeseinheitliche Regelung halte und die Abiprüfungen einfach streiche, werde das Abitur in anderen Bundesländern möglicherweise nicht anerkannt, fürchtet er.

Das ist auch für die Bildungssenatsverwaltung ein wichtiges Argument: «Ein Alleingang Berlins würde die Zukunftschancen eines ganzen Abiturjahrgangs einschränken», sagte Beate Stoffers, Staatssekretärin in der Bildungsverwaltung, am Mittwoch. Priorität habe selbstverständlich die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte. Doch wenn es - wie nach der aktuell geltenden Verordnung - rechtlich möglich sei, die Abschlussprüfungen durchzuführen, dann werde es sie auch geben, sagte Stoffers. «Eine gemeinsame Abstimmung mit den anderen Bundesländern ist dabei ganz wichtig.»

Strenge Regeln für den Gesundheitsschutz

Auch dann gebe es aber strenge Regeln für den Gesundheitsschutz - etwa einen Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Schülern bei den Prüfungen. Schülerinnen und Schüler, die zu Risikogruppen gehörten, müssten außerdem nicht daran teilnehmen, für sie würden Einzeltermine vereinbart.

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Die Schülervertretung hat währenddessen einen Brief an die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien - bis auf die AfD - verschickt. Darin bittet sie die Politiker um Hilfe. «Es melden sich täglich weinende, wütende und enttäuschte Schüler*Innen bei uns, die erhebliche Nachteile bei ihrem Abschluss befürchten», heißt es in dem Schreiben. «Wir empfangen Anrufe von Schüler*Innen in Risikogruppen, welche zum Beispiel Krebs, Asthma oder andere Vorerkrankungen hatten und nun Angst um ihr Leben haben.» Die Schüler seien stark belastet durch den Druck der Ausgangsbeschränkungen. «Prüfungen werden dieses Jahr niemals die gleichen wie zuvor oder danach für uns sein.»