9500 Tablets hat Scheeres schon an Schulen verteilen lassen.
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BerlinIn der Corona-Krise will Berlin zusätzlich Millionen für benachteiligte Schüler ausgeben. Im Entwurf des Nachtragshaushalts sind allein für das Sommerschulprogramm, in dem Kinder und Jugendliche aus Familien versäumten Schulstoff nachholen können sollen, zwölf Millionen Euro veranschlagt. Etwa acht Millionen Euro sind vorgesehen für das bereits laufende Programm „Lernbrücken“, das während Schulschließungszeiten Kinder und Jugendliche erreichen soll, die zu Hause nicht gut lernen können.

Mit knapp fünf Millionen Euro schlagen die 9500 Tablets zu Buche, die die Senatsschulverwaltung gekauft hat, damit Schulen sie an bedürftige Schülerinnen und Schüler verteilen können. Im Jahr 2020 soll jedoch noch mal deutlich mehr Geld für die Beschaffung von Tablets zur Verfügung stehen: 51 Millionen Euro, die zur Hälfte aus dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes und aus Landesmitteln stammen.

Die werden wohl dringend benötigt: Die 9500 Tablets sind zwar laut Senatsschulverwaltung größtenteils verteilt – die letzten, so ein Sprecher, sollen die Schulen kommende Woche erreichen. Wie viel Bedarf insgesamt von den Schulen angemeldet wurde, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen. Klar ist aber: Mehr als 100.000 Schülerinnen und Schüler in Berlin sind nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) leistungsberechtigt, stammen also aus Familien mit besonders geringem Einkommen. Das bedeutet zwar nicht unbedingt, dass sie kein Gerät haben, an dem sie zu Hause lernen können – der Bedarf dürfte berlinweit dennoch deutlich höher sein als die 9500 Geräte, die bislang beschafft wurden.

Aus mehreren Schulen ist zudem hören, dass sie einen guten Monat, nachdem sie ihre Bedarfe angemeldet haben, noch immer nichts darüber wissen, ob und wann sie Geräte bekommen – und mit wie vielen sie rechnen können. Die Christian-Morgenstern-Grundschule in Spandau wiederum hat diese Woche 31 Tablets bekommen – bei 600 Schülern, von denen rund 500 berechtigt sind, schätzt Schulleiterin Karina Jehniche: „Wir müssen uns jetzt schon sehr gut überlegen, an wen wir die verteilen.“

Immerhin: Wäre der Stückpreis der 9500 Tablets zu halten, könnte Berlin mit 51 Millionen Euro gut 100.000 weitere Tablets besorgen. Doch das Problem ist nicht nur die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler, sondern auch die der Schulen und der Lehrkräfte: „Die meisten haben weder Dienstgeräte noch eigene Arbeitsplätze an den Schulen“, moniert Landeselternsprecher Norman Heise. Berlin hinkte schon vor Beginn der Corona-Krise in Sachen digitalisierte Schule gewaltig hinterher: Von den 256 Millionen Euro aus dem Digitalpakt des Bundes konnten bisher nur ein Bruchteil abgerufen werden, keine der rund 600 Schulen ist bisher an das Glasfasernetz angeschlossen, Wlan gibt es nur vereinzelt.

Ob das kommende Schuljahr unter diesen Umständen gelingen kann? „Alles hängt davon ab, was das Masterkonzept ist“, sagt Heise. „Bleibt es beim Mischbetrieb oder gibt es weitere Öffnungen?“ Eine von mehreren Fragen, zu denen Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) auch auf Wunsch von Abgeordneten aus der Koalition am Donnerstag im Bildungsausschuss Stellung nehmen soll.