Berlin - Angesichts stetig sinkender Inzidenzwerte werden erste Öffnungsschritte für die Berliner Hochschulen vorbereitet. Nach über einem Jahr größtenteils im digitalen Modus soll in den kommenden Wochen wieder mehr Leben in die Campus zurückkehren.

Seit anderthalb Jahren schränken sich Studierende und Lehrende massiv ein, findet die Lehre an Berlins Hochschulen weitestgehend im digitalen Modus statt. 200.000 Studierende und 46.000 Beschäftigte waren in den vergangenen drei Semestern stark gefordert. „Hochschulbetrieb, wie wir ihn kennen, war nicht möglich“, so Michael Müller. Nun soll es schrittweise Lockerungen geben.

Ab 4. Juni werden die Einschränkungen im Studien- und Lehrbetrieb gelockert und unter Einsatz von Hygienekonzepten und Teststrategien wieder mehr Präsenz ermöglicht. Hochschulbibliotheken werden dann für Präsenzleihe öffnen und auch PC-Pools, Arbeitsplätze und Labore können wieder genutzt werden. Erlaubt wird zudem grundsätzlich die Durchführung von Praxisformaten in Kleingruppen mit zunächst 25 Personen.

Weitere Lockerungen an den Unis ab 18. Juni

Ab 18. Juni werden die Hochschulen ihre Präsenzanteile in Studium und Lehre weiter erhöhen, möglich wird dann neben Praxisformaten auch die Durchführung weiterer Lehrveranstaltungen und Prüfungen in Präsenz. Bis zu 40 Personen dürfen dann zusammenkommen. Zudem können die Mensen des Studierendenwerks Berlin im Juni ihren Betrieb sukzessive wieder aufnehmen und Speisen zunächst zum Abholen anbieten.

Drei Semester mit vielen Einschränkungen

Viele Berliner Studenten haben eine harte Zeit hinter sich. Manche haben in der Pandemie ihre Einkommen verloren, wohnen in beengten Verhältnissen oder haben Kinder zu versorgen. Das Problem sei erkannt, so der Regierende Bürgermeister Michael Müller. So schnell wie möglich wolle man daher wieder gute Angebote machen.

„Allen Studierenden, Beschäftigten, Lehrenden und Forschenden der Berliner Hochschulen möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Seit über einem Jahr leisten sie unter schwierigen Bedingungen einen großen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie in unserer Stadt. Das hat ihnen allen viel abverlangt und ich freue mich sehr, dass wir angesichts der sinkenden Infektionszahlen und etablierter Teststrategien auch wieder mehr Präsenz an unseren Hochschulen ermöglichen“, sagte Müller. Mit der fortschreitenden Berliner Impfkampagne soll die Rückkehr auf den Campus für das kommende Wintersemester abgesichert werden. 

In Berlin standen 35 Millionen Euro dafür bereit, damit die Umstellung auf digitale Lehre gelingt. Eine Investition in die Zukunft. Denn auch künftig werden viele Formate im hybriden Modus abgehalten werden. Etwa dort, wo bisher viele Menschen zu Vorlesungen zusammenkamen, sollen auch weiterhin digitale Angebote die Lehre in Präsenz flankieren. „Unis sind wie Ozeandampfer, das Wiederzusammenkommen muss gut organisiert werden“, sagte die Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin und Vorsitzende der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Berliner Hochschulen (LKRP), Sabine Kunst.

Schon vor der Pandemie sei es mancherorts „ganz schön crowdy in den Räumen“ gewesen. Man müsse im Sinne einer verantwortlichen Öffnung Disziplin bewahren.

„Die Leitungen aller Berliner Hochschulen wollen, dass ihre rund 200.000 Studierenden wieder Leben auf dem Campus erfahren. Wir können ihnen und den Lehrenden nicht weiter einen solchen Verzicht auf den akademischen Alltag abverlangen angesichts der erfreulich sinkenden Inzidenzzahlen“, so Kunst. Eine Gemeinschaft auf dem Campus sei durch Online-Formate nicht ersetzbar.

Die ersehnten Öffnungen an den Unis werden wie in anderen Bereichen durch Abstandsregelungen und Teststrategien begleitet. An der HU, FU, TU und HTW gibt es eigene Testzentren. Die kommenden Präsenzangebote gelten für Genesene, Geimpfte oder Getestete. Prüfungen finden weiterhin auch digital statt. Eine gesonderte Impfstrategie für Studenten gibt es aber wegen fehlender Impfstoffe bisher nicht.

Die Regelungen im Überblick

Für staatliche, private und konfessionelle Hochschulen einschließlich ihrer Einrichtungen sind ab 4. Juni 2021 folgende Öffnungsregeln vorgesehen:

Hochschulbibliotheken dürfen ihren Service erweitern. Neben den Online-Diensten ist auch die Nutzung der Dienste vor Ort nach vorheriger Terminbuchung wieder gestattet.

Die Hochschulen dürfen Arbeitsplätze öffnen, etwa in den Bibliotheken oder PC-Pools unter Einhaltung des Mindestabstands und der maximal für die jeweilige Fläche zugelassenen Personenzahl. Eine Platzreservierung ist erforderlich.

Die Mensen des Studierendenwerks Berlin nehmen ihr „Click & Collect“-Angebot sukzessive wieder auf.

Praxislehrveranstaltungen können in kleinen Gruppen mit bis zu 25 Personen in Präsenz durchgeführt werden.

Ab 18. Juni 2021 sollen folgende Öffnungsregeln hinzukommen:

Die Erhöhung von Präsenzanteilen in Studium und Lehre wird ermöglicht. Dazu zählen neben Praxisformaten auch weitere Lehrveranstaltungen in kleinen Gruppen sowie Lehrveranstaltungen im Freien. Dabei gilt die Obergrenze von 40 Personen.

Prüfungen können unter Einhaltung des Abstands von 1,5 Metern und der maximal für die jeweilige Fläche zugelassenen Personenzahl in Präsenz durchgeführt werden.

Voraussetzungen für die Öffnungen sind:

Von Studierenden muss der Nachweis eines negativen Testergebnisses erbracht werden. Die Hochschulen regeln im Rahmen ihrer Schutz- und Hygienekonzepte die Testung von Studierenden, die an den Hochschulen präsent sind.

Die Maßnahmen der Hygienekonzepte der Hochschulen, darunter die Einhaltung von Mindestabständen sowie die Berücksichtigung der maximal für die jeweilige Fläche zugelassenen Personenzahl, müssen durchgängig umgesetzt werden.

In allen geschlossenen Räumen gilt die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske.

Es muss eine Anwesenheitsdokumentation zur Kontaktnachverfolgung umgesetzt werden.

Um die Studierenden, die an Präsenzveranstaltungen nicht teilnehmen können, im Studium zu unterstützen, ist beim Wechsel in den Präsenzmodus ergänzend ein digitales oder hybrides Lehrangebot vorzusehen.