So viel Raum war bislang nie: Schüler halten den Mindestabstand am Montag ein.
Getty Images

BerlinEs wird enger an Berliner Schulen. Wie in zahlreichen anderen Bundesländern sind am Montag die Abschlussklassen des kommenden Schuljahrs an die weiterführenden Schulen zurückgekehrt: Neunt- und Zwölftklässler an die Integrierten Sekundarschulen und die Elftklässler an die Gymnasien. Die Zehntklässler werden an beiden Schulformen schon seit der vergangenen Woche wieder unterrichtet, an Gymnasien und Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe laufen zudem seit 20. April wieder die Abiturprüfungen. Auch an den Grundschulen, wo bislang nur Notbetreuung stattgefunden hatte, gibt es seit Wochenbeginn erstmals wieder regulären Unterricht: Die Sechstklässler sind zurück.

Insgesamt lernt jetzt damit rund ein Viertel der etwa 360.000 Berliner Schülerinnen und Schüler wieder an den Schulen – wenn auch nur tageweise, in unterteilten Klassen und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Und begleitet von Sorgen um den Infektionsschutz: Schon bei den älteren Schülerinnen und Schülern war vielerorts zu beobachten, dass es ihnen schwer fällt, den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu halten. Vor Berliner Schulen geht es deshalb zu wie vor einem Hochsicherheitstrakt: An der Lenau-Grundschule in Kreuzberg beispielsweise durften am Montag rund 40 aufgeregte Sechstklässler antreten, aufgeteilt in drei Gruppen mit Ankunftszeiten im 15-Minuten-Takt – die andere Hälfte des Jahrgangs ist am Dienstag dran. Vor der Schultreppe aufgesprüht: 20 Punkte im korrekten Sicherheitsabstand, von denen aus die Schülerinnen und Schüler dann von drei Lehrkräften einzeln in die Schule gerufen wurden.

Wie schwer es ist, die Kinder voneinander fernzuhalten, zeigte sich aber auch hier: Zwei Mädchen kamen Hand in Hand und trennten sich erst kurz vor der Schule. Sollten es noch mehr Schülerinnen und Schüler werden, wird es nicht nur hier Probleme mit der Aufsicht geben: „Personell stoßen wir bald an die Kapazitätsgrenze“, sagte Schulleiter Michael Koch der Berliner Zeitung. An der Lenau-Grundschule gehören wie im berlinweiten Durchschnitt etwa 30 Prozent des pädagogischen Personals zur Corona-Risikogruppe und dürfen nur von zu Hause aus arbeiten.

Die Unsicherheit in der Berliner Schullandschaft ist auch deshalb groß, weil völlig unklar ist, was ab kommenden Montag geschehen soll. Kommen weitere Jahrgänge an die Schulen? Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte in der vergangenen Woche bereits angedeutet, dass die Fünftklässler als nächstes dran sein könnten.

Für sie sind die Noten im zweiten Schuljahr besonders wichtig: Sie fließen in die Förderprognosen der Kinder für die weiterführende Schule ein. Darüber hinaus will sich Berlin aber in den kommenden Wochen eher auf sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler konzentrieren: Deren Rückkehr an die Schule sei „wichtiger, als dass ganze Jahrgänge vor dem Sommer komplett an die Schulen zurückkehren“, so Scheeres vergangenen Dienstag.

Die Kultusministerkonferenz hatte am gleichen Tag beschlossen, dass vor den Sommerferien jede Schülerin und jeder Schüler noch mal in die Schule gehen soll. Seither hängen Schulleitungen, pädagogisches Personal und Eltern aber in der Luft: Die Senatsschulverwaltung will die neuen Beschlüsse von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderregierungschefs am Mittwoch abwarten, bevor sie konkrete nächste Schritte bekannt gibt. Der Berliner Verband für Bildung und Erziehung (VBE) kritisiert: „Wir wünschen uns von Seiten der Verwaltung klarere Vorgaben“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Hanno Rüther, selbst Lehrer an der Rudolf-Hildebrand-Schule.

Neben mehr Planungssicherheit für die kommenden Wochen erwarte die Berliner Lehrerschaft auch Entscheidungen zur Leistungserhebung: Offiziell sollen nach der Rückkehr zum Unterricht noch Klassenarbeiten geschrieben werden. „Aber das wird schwierig, wenn noch mehr Jahrgänge zurückkommen sollen, und die Sechstklässler dann möglicherweise nur noch an einem oder zwei Tagen pro Woche in die Schule kommen.“