Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen an vielen Kitas in Deutschland eine wichtige Rolle.
Foto: imago images / Westend61

Bremen/BerlinAls der Igel sich schlafen legen will, ist eine leere Getränkedose im Weg. Viele der rund 100 Kita-Kinder verstehen sofort, dass die Dose schlecht für den Igel ist. „Man darf Müll nicht nach draußen schmeißen. Das verschmutzt unsere Umwelt“, erklärt die sechsjährige Nala später. „Wenn die Tiere den Müll essen, dann können die Tiere vielleicht sterben.“ Dass der Igel im Theaterstück der Bremer Kita auch noch sein Zuhause verliert, weil jemand den Blätterhaufen wegfegt, finden die Kinder doof. Schnell erklären sich Mädchen und Jungen bereit, der Handpuppe ein neues Zuhause zu bauen.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen bundesweit in vielen Kitas eine Rolle. In der Einrichtung An Smidts Park in Bremen erklären die Erzieherinnen den Kindern zum Beispiel, warum alle Menschen achtsam mit Materialien umgehen sollten. Sie zeigen ihnen, wie Dinge wiederverwertet und gemeinsam in der Kita-Werkstatt repariert werden können. „Wir versuchen das spielerisch und sehr kindernah zu vermitteln“, sagt die Leiterin Carola Winters-Garbade. „Wir wollen einen Teil dazu beitragen, dass die Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass man nicht alles gleich wegwerfen muss.“

Vorbild-Kita: Müllmenge stark reduziert

Der Erzieherin Silke Hashagen zufolge hat die Kita die Müllmenge im Vergleich zu früher stark reduziert. Statt Plastikgeschirr verwenden die Familien bei Kita-Festen mitgebrachte Porzellan-Teller, nasse Wäsche der Kinder nehmen die Eltern in waschbaren Beuteln statt in Plastiktüten mit nach Hause. Die Kita-Köchin verwendet überwiegend regionale und saisonale Bio-Lebensmittel und serviert die Mahlzeiten in Buffetform. „Seit die Kinder selbst entscheiden können, was sie essen, bleibt weniger übrig“, sagt Winters-Garbade. Auch die Spielsachen haben sich in den vergangenen Jahren geändert. Inzwischen kauft die Einrichtung nach Möglichkeit nachhaltig produzierte Holzspielsachen. „Natürlich sind wir nicht perfekt, aber wir bemühen uns“, sagt die Leiterin. Die Kinder zeigen Verständnis. „Plastik ist eigentlich nicht gut für unsere Welt“, sagt die sechsjährige Nala.

Ein Kind steht vor einem Plakat zum Thema Nachhaltigkeit. In der Kita "An Smidts Park" spielt Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine große Rolle.
Foto: Sina Schuldt/dpa

Was Kita-Kinder über Nachhaltigkeit lernen, hängt von der jeweiligen Einrichtung ab. „Für die frühkindliche Bildung sind die Länder mit ihren Bildungsplänen zuständig, zudem gibt es Vorgaben und Schwerpunkte der jeweiligen Kita-Träger“, erklärt eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums. Ein bundesweites Ziel gibt es dennoch, denn Nachhaltigkeit soll im Bildungssystem eine wichtige Rolle spielen. Festgeschrieben ist das seit 2017 im nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). „BNE schafft die Grundlage, mit der sich unsere Gesellschaft langfristig hin zu mehr ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit entwickeln kann“, sagt die Sprecherin des Bundesbildungsministeriums.

Nachhaltiger Alltag soll selbstverständlich werden

Demnach ist es wichtig, Kinder früh mit Themen rund um den Klima- und Naturschutz vertraut zu machen. Je früher die Jüngsten einen nachhaltigen Alltag erlebten, desto selbstverständlicher sei es später für sie, sich etwa beim Energieverbrauch, in der Wahl der Fortbewegungsmittel und bei der Ernährung nachhaltig zu verhalten, so die Ministeriumssprecherin. Eine nachhaltige Lebensweise soll helfen, den Klimawandel zu bremsen und die Natur zu schützen. Der Bundesregierung zufolge sind die Folgen der menschengemachten Erderwärmung deutlich spürbar. Die durchschnittliche Temperatur hat sich erhöht, die Wahrscheinlichkeit für extreme Hitzeereignisse, außergewöhnliche Trockenheit, Starkregen mit Überschwemmungen ist gestiegen.

Auch die Bildungsgewerkschaft GEW hält es für wichtig, mit Kindern über Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu sprechen. „Wenn wir nicht bei den Kleinsten anfangen, dann können wir bei den Großen viel versuchen, aber nicht mehr so viel erreichen“, sagt die GEW-Referentin Christina Block. „Wir müssen von Anfang an die Bedeutung für nachhaltige Entwicklung verankern.“

Aus Sicht der Bremer Erzieherin Vivian Gerstlauer sind viele Kinder interessiert an Themen rund um Nachhaltigkeit. „Sie sind aufmerksam und stellen Fragen“, erzählt sie. Den Mädchen und Jungen schon früh zu zeigen, wie sie achtsam mit ihrer Umwelt umgehen, hält sie für enorm wichtig. „Sie gestalten ihre Zukunft selbst. Sie werden in dieser Welt leben“, sagt sie. (dpa)