Es gibt schwere Vorwürfe gegen die Staatliche Ballettschule in Berlin.
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BerlinDie Vorwürfe, dass an der Staatlichen Ballettschule Berlin gegen das Kindeswohl verstoßen wird, wiegen schwer und verdienen eine entschlossene Aufklärung. Egal, wer nun wann von was gewusst hat: Der Öffentlichkeit bekannt sind sie seit Januar. 

Seither stolpert die Bildungsverwaltung von Senatorin Sandra Scheeres von Maßnahme zu Maßnahme: Erst wird eine Untersuchungskommission eingesetzt, deren Leiterin gleich wieder geht, weil die Schülerinnen und Schüler der Ballettschule ihr nicht vertrauen. Die Einrichtung einer Clearingstelle für mögliche Betroffene dauert Wochen. Und Anfang dieser Woche werden dann noch der Schulleiter und der künstlerische Leiter vorübergehend beurlaubt. Der Schulfrieden solle dadurch wieder hergestellt werden, damit alle sich angstfrei äußern können, heißt es dazu aus der Senatsschulverwaltung.

Chaotische Maßnahmen führen nicht zur Aufklärung

Zu dieser Entscheidung hätte die Schulaufsicht schon vor Wochen kommen können. Es überrascht nicht zu hören, dass die Freistellung von Ralf Stabel und Gregor Seyffert wohl erst auf Druck der Bildungssprecherinnen der Koalition erfolgt ist, die in der Zwischenzeit mit mutmaßlichen Betroffenen, Eltern und Lehrkräften gesprochen haben. Und dann verunsichert der Leiter der Schulaufsicht einen Tag später in einer Vollversammlung an der Ballettschule mögliche Aussagewillige, indem er die beiden Beurlaubten noch mal überschwänglich lobt.

Solches Chaos trägt weder dazu bei, den Ruf der Schule zu retten noch die Vorwürfe zu klären. Scheeres muss jetzt vor allem dafür sorgen, dass die Untersuchungskommission endlich in Ruhe arbeiten kann.