Spitzentanz beim Ballett
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BerlinSechs elfjährige Schülerinnen hatten die Idee, ihre Schule mit einem eigenen Tanz in ein besseres Licht zu rücken. Seit Januar wird die Staatliche Ballettschule mit verheerenden Nachrichten überzogen. Der in dieser Frage besonders forsche Sender RBB berichtete, daraus werde vielleicht künftig eine Schule für „Tanz und Bewegung“ statt für Ballett. Eine Zeitung schrieb, auch der Bachelor-Abschluss stehe in Frage.

Die Schüler sind jung, aber die Schlagzeilen erreichen sie. Mit einem Tanz wollen sie zeigen, was sie können und dass sie an dieser Schule für ihren Traum vom Ballett trainieren. Über Zoom übten sie eine Choreografie ein, mit Tutus sollten die ersten 50 Zentimeter Abstand eingehalten werden. Auf dem selbst gebastelten Flyer steht: Helft alle mit am 25.5. um 11 Uhr. Wir wollen unsere Schule. Tanzen mit dem Staatsballett und dem Landesjugendballett. Abi und Bachelor.

Daraufhin rief die kommissarische Schulleiterin die Eltern der Schülerinnen an und wies darauf hin, dass es sich nicht um eine schulische Veranstaltung handelt, und dass der Auftritt keinesfalls in der Schule stattfinden darf. Als sei es tadelnswert, sich für die eigene Schule einzusetzen. Drei der sechs Schülerinnen werden nun vermutlich doch nicht mitmachen.

Eine Mutter der Schülerinnen erzählte der Berliner Zeitung (Name der Redaktion bekannt) von ihren Ängsten: „Meine Tochter ist enttäuscht, dass die Clearingstelle nur Negatives wissen will, sie selbst aber nirgends Gehör findet. Sie will Mitschülern, die ernste Probleme meldeten, nicht in den Rücken fallen, aber eben auch erzählen, wie glücklich sie selbst an der Schule ist. Sie muss sich gerade für eine weiterführende Schule entscheiden. Was, wenn es ihre Ballettschule in der jetzigen Form bald nicht mehr gibt? Sie gehörte zu den 25 von 2000 Bewerberinnen, die hier angenommen wurden und ist sehr stolz. Auch ich denke: Bei ihr läuft alles bestens, aber wenn in der Öffentlichkeit solche Missstände ausgebreitet werden, ist ja vielleicht auch was dran. Ich habe mich bewusst für eine staatliche statt einer privaten Schule entschieden, ich wollte das Beste. Aber jetzt haben wir schon geübt, wie sich meine Tochter verhält, wenn ihr jemand tatsächlich sexuell zu nahe kommen sollte.“

Schule in Verruf

Solche Folgen hat die Berichterstattung. An dieser Stelle sei nochmals klargestellt, dass sowohl Clearingstelle als auch Expertenkommission ausschließlich ungeprüfte Behauptungen in die Welt gesetzt und nicht einen Vorfall von Gewalt oder Übergriff nachgewiesen oder zur Anzeige gebracht haben.

Andere Eltern wandten sich am Freitag ähnlich besorgt in einem gemeinsamen Brief an die Bildungssenatorin. Sie fragen, warum die „überaus fähige Leitung entlassen wurde“, dagegen die zwei oder drei Problemlehrer, die der Kommission namentlich benannt wurden, ihre Kinder weiter unterrichten dürften.

Die Bildungssprecherinnen der Koalition gaben nach Erscheinen des harmlosen Flyers in den sozialen Netzwerken unverzüglich eine Presseerklärung heraus, in der sie behaupten, Kinder würden an der Schule bis zur Erkrankung unter Druck gesetzt, eine Aufklärung solle verhindert werden. Wer die Verhinderer sein sollen, schreiben sie nicht, sondern: „Die Teilnahme an diesbezüglichen Kundgebungen halten wir für unangebracht und hinsichtlich der vollkommenen Aufklärung auch für gefährlich.“

Die sogenannte Kundgebung ist ein Aufruf von Elfjährigen. Mit ihrem Auftritt wollen die Schülerinnen für den Erhalt ihrer Schule werben, womöglich gelingt ihnen ein Flashmob. Mit dem Widerspruch von Politikerinnen und beschworenen „Gefahren“ konnten sie nicht rechnen. So gerät die Schule immer weiter in Verruf.