Möchte mit einer Kommission die Machtstrukturen an der Staatlichen Ballettschule untersuchen und offenlegen: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)
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BerlinSandra Scheeres (SPD) hat am Donnerstag im Abgeordnetenhaus die Äußerungen ihres Abteilungsleiters Christian Blume in der Staatlichen Ballettschule Berlin (SBB) bedauert. Die Ballettschule steht derzeit wegen möglicher Kindeswohlgefährdung im Fokus.

Blume ist in der Senatsschulverwaltung als oberster Beamter für die Schulaufsicht zuständig und hatte in dieser Funktion am Montag den Schulleiter Ralf Stabel und den künstlerischen Leiter Gregor Seyffert vorübergehend vom Dienst freigestellt. Tags darauf hatte er in einer Vollversammlung an der Ballettschule diesen Schritt mehrfach ausdrücklich bedauert und vor allem als Schutzmaßnahme für die beiden Männer dargestellt.

Scheeres zeigt sich „sehr irritiert“ über Aussagen

Scheeres sagte im Abgeordnetenhaus, sie sei „sehr irritiert“ gewesen über das, was sie aus den Medien über die Ansprache erfahren habe und entschuldigte sich in Blumes Namen bei den Schülerinnen und Schülern der Ballettschule. Selbstverständlich sei es das Ansinnen der Schulaufsicht, dass aufgeklärt würde. Zudem, so Scheeres, sei es auch Aufgabe der von ihr im Januar eingesetzten Kommission, nicht nur die Machtstrukturen und die Kommunikationskultur an der Schule, sondern auch das Agieren der Schulaufsicht zu untersuchen.

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Die bildungspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion Regina Kittler sagte, die Entschuldigung sei der richtige Schritt gewesen. „Ob sich das verloren gegangene Vertrauen damit wieder herstellen lässt, wage ich aber anzuzweifeln.“

Ihre Ausschusskollegin Marianne Burkert-Eulitz von den Grünen steht genau wie Kittler in Kontakt mit mutmaßlich betroffenen Schülerinnen und Schülern; diese hatten ihr nach der Vollversammlung gesagt, dass sie nun Angst hätten, sich zu äußern. Paul Fresdorf von der FDP-Fraktion sagte: „Mir ist nur wichtig, dass so etwas nicht mehr vorkommt.“ Von Eltern wisse er, dass sich gerade jüngere Schüler von der Gesamtsituation an der Schule sehr überfordert fühlten. Burkert-Eulitz kündigte an, man wolle die Aufklärung nun nicht mehr allein der Untersuchungskommission überlassen: „Wir werden das als Parlamentarier eng begleiten.“

Clearingstelle für Angehörige seit Mittwoch erreichbar

Die Grünen fordern außerdem, dass die Kommission auch überprüft, ob das an die Ballettschule angeschlossene Landesjugendballett in der jetzigen Form weitergeführt werden kann. Ein Teil der Vorwürfe, die nun untersucht werden müssen, bezieht sich auf die dortigen Auftritte der Schülerinnen und Schüler: Die Ruhezeiten, die der Jugendschutz bei abendlichen Auftritten erfordert, würden an der Schule oft nicht eingehalten, außerdem sei es vorgekommen, dass Schülerinnen und Schüler krank oder verletzt aufgetreten seien.

Die Clearingstelle für Einzelfälle, bei der sich Angehörige der Schulgemeinschaft vertraulich melden können, ist seit Mittwoch erreichbar. Nach Auskunft der Senatsschulverwaltung waren dort bis Donnerstagmittag bereits zehn Anrufe eingegangen. Die Untersuchungskommission wird nach Auskunft des neuen Leiters, Klaus Brunswicker, in der kommenden Woche erstmals die Ballettschule besuchen. Danach soll sie wöchentlich zusammenkommen.