Ballett (Symbolbild)
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BerlinDie Affäre um die Staatliche Ballettschule Berlin zieht weitere Kreise: Möglicherweise gibt es nicht nur in der Kommunikationskultur und der Schulstruktur Probleme, sondern auch im Finanzgebahren. Ein Sprecher bestätigte am Dienstag, dass Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen beauftragen will, die Schule zu durchleuchten.

Zu der Frage, was genau der Auslöser für die Prüfung gewesen sei, wollte der Sprecher sich nicht äußern. Die Staatliche Ballettschule sei eine große Schule, in der die Schulleiter über viele Jahre an verantwortlicher Stelle gesessen hätten. „Es geht uns um eine umfassende, gründliche Analyse, ob mit Geldern ordnungsgemäß umgegangen worden ist.“ Der Schulleiter Ralf Stabel und der künstlerische Leiter Gregor Seyffert waren zu Beginn der vergangenen Woche vorübergehend freigestellt worden.

„Klima der Angst“

Die Staatliche Ballettschule Berlin steht seit Wochen unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Schülerinnen und Schüler, Lehrerkräfte und Eltern berichten, dass an der Schule ein „Klima der Angst“ herrsche. Probleme wie Jugendschutzverletzungen, Mobbing und Essstörungen würden unter den Teppich gekehrt.

Scheeres hatte nach einer Recherche des RBB eine Untersuchungskommission eingesetzt und eine Clearingstelle eingerichtet. Doch das Krisenmanagement ihrer Verwaltung steht kontinuierlich in der Kritik, auch aus der eigenen Koalition.

Und die hört nicht auf: In einem Offenen Brief an die Senatorin beklagt ein Vater, es sei „an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten“, dass die stellvertretende Leiterin, die die SBB nun kommissarisch leitet, sowie der Leiter Bühnentanz nicht auch freigestellt worden seien. Er wirft ihnen vor, an der Schule gegen eine Aufklärung der Vorwürfe zu agitieren. Der Brief liegt der Berliner Zeitung vor.

Ist die Kommission unabhängig genug?

Auch die Zusammensetzung der Untersuchungskommission, die den Vorwürfen nachgehen soll, kritisiert der Vater: Diese sei, anders als von Scheeres behauptet, nicht unabhängig, sondern durch aktuelle oder ehemalige berufliche Abhängigkeiten einiger Mitglieder zur Bildungsverwaltung zumindest befangen. Die Schulverwaltung wies das am Dienstag zurück. Zu der Frage, ob Scheeres in Betracht zieht, die derzeitige kommissarische Schulleitung auszutauschen, wollte der Sprecher sich nicht äußern.

Der Vater reichte in seinem Brief außerdem Dienstaufsichtsbeschwerde gegen drei für die Ballettschule zuständige Beamte der Schulaufsicht ein. Diese ist an die Bildungsverwaltung angegliedert. Er wirft ihnen unter anderem vor, sich in Vollversammlungen an der Schule mehrfach schützend vor die Schulleitung gestellt und die mutmaßlich betroffenen Schülerinnen und Schüler herabgewürdigt zu haben – und damit der Aufarbeitung der Vorwürfe vorgegriffen zu haben. Über eine dieser Vollversammlungen hatte auch die Berliner Zeitung berichtet.

Clearingstelle soll Zugriff auf Dolmetscher haben

In der Tat hatte sich Scheeres, wie berichtet, in der vergangenen Woche im Abgeordnetenhaus im Namen des Abteilungsleiters der Schulaufsicht Christian Blume für dessen Äußerungen entschuldigt und angekündigt, die Kommission werde auch das Verhalten der Schulaufsicht untersuchen. Bis dahin hat Scheeres laut einem Bericht der taz zwei Schulaufsichts-Mitarbeiterinnen aus Treptow-Köpenick an die Schulaufsicht der zentralverwalteten Schulen, die für die Ballettschule zuständig ist, abgeordnet.

Einem weiteren Problem soll nun laut Bildungsverwaltung abgeholfen werden: Für die Clearingstelle für Einzelfälle (Kontaktdaten hier), die in der vergangenen Woche endlich ihre Arbeit aufgenommen hat, sollen Dolmetscher zur Verfügung stehen. Man werde auch dafür sorgen, dass Schüler und Eltern noch Ankündigungen in verschiedenen Sprachen erhielten, so der Sprecher. Es war kritisiert worden, dass Schülerinnen und Schüler, die kein Deutsch können, das vertrauliche Angebot nicht nutzen könnten. Die Ballettschule selbst verweist auf ihrer Homepage erst seit Dienstag auf die Stelle.