Berlin - Die jungen Menschen haben unter den Einschränkungen der Pandemie besonders gelitten, zahlreiche Studien belegen die negativen Auswirkungen der fehlenden sozialen Kontakte auf ihre Psyche. Nun wird bundesweit Geld in die Hand genommen, um sie beim Aufholen ihrer Lernrückstände zu unterstützen, die jungen Menschen aber auch sozial zu stärken. In Berlin wurde heute das Aufholprogramm des Landes vorgelegt.

Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres, hat am Freitag ein breit angelegtes Aufholprogramm namens „Stark trotz Corona“ vorgestellt. Mit insgesamt 64 Millionen Euro sollen die Kinder Jugendlichen Berlins dabei unterstützt werden, Lernrückstände aufzuholen. Aber auch soziale Aktivitäten sollen ihnen dabei helfen, sich von den Strapazen zu erholen. Hierfür sind Sommercamps, Sprach-, Sport- und bildungsorientierte Reisen geplant, auch Stadtranderholung und Tagesausflüge sollen dazu beitragen, dass die Kinder und Jugendlichen sich seelisch von der sozialen Isolation der letzten 15 Monate erholen können. Das Geld stammt aus einem Zwei-Milliarden-Programm des Bundes, mit dem die Länder bei der Schließung der coronabedingten Lernlücken und der Förderung von Kindern und Jugendlichen unterstützt werden.

Das Leben der Kinder ist durcheinandergewirbelt

Sandra Scheeres sagte: „Die Berliner Kinder und Jugendlichen haben ein hartes Jahr hinter sich, genauso die Gleichaltrigen im ganzen Land. Die Corona-Pandemie hat ihr Leben komplett durcheinandergewirbelt. Zum Glück aber neigt sich diese schwere und anstrengende Zeit ihrem Ende entgegen.“ Es gebe nun viel Aufholarbeit zu leisten, das Programm lasse sie dabei optimistisch in die Zukunft blicken.

Der Löwenanteil des Geldes, das vom Bund nach Berlin fließt, 44 Millionen Euro, geht in die Aufholung der Lernrückstände. Zunächst sollen die Lernstände der Schüler in den Kernfächern erhoben werden, dafür stehen unter anderem die Instrumente Laube, ILeA plus und VERA 3 zur Verfügung. Die Lehrkräfte sollen darüber hinaus lernprozessbegleitende Feedbackgespräche mit den Kindern und Jugendlichen führen, um den Förderbedarf zu ermitteln.

Jede Schule erhält ein eigenes Budget, mit dem sie die Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Lernrückständen umsetzen soll. Möglich sind Förderangebote wie Lerncoaching, ergänzende Lernförderung, Mentoring, digitale Tools und vieles mehr. Auch Wochenendschulen können angeboten werden. Gestützt und ausgebaut werden auch bereits existierende Förderprogramme, wie beispielsweise die Lernbrücken. Die Lernbrücken hätten sich, so Scheeres, bewährt und wurden von Schulen sehr begrüßt. Das Programm richtete sich in der Zeit der Schulschließungen gezielt an Kinder und Jugendliche, die in Risikolagen aufwachsen und unterstützte diese beim Lernen, vermittelte zwischen Schülern und Schule. Besonders betont wurde bei der Vorstellung des Projektes darüber hinaus, dass man die digitale Lernstrategien fördern und das Wohlbefinden an den Schulen Berlins steigern wolle.

Geld für Jugendhilfe, Sozialarbeit und frühkindliche Bildung

Weitere neun Millionen Euro fließen im Rahmen des Aufholprogrammes in die Sozialarbeit. Auch hier werden mobile Jugend-Lern-Hilfe-Programme finanziert, aber auch das Programm „StreetCollege“, das jungen Menschen ohne Bildungsabschluss dabei hilft, den mittleren Schulabschluss nachzuholen, wird gestärkt. Auch in Flüchtlingsunterkünften soll mit mehreren Programmen zusätzliche Förderung organisiert werden.

Insgesamt fünf Millionen Euro fließen in die frühkindliche Bildung. Kitas können zusätzliche Fachkräfte zur Sprachförderung anfordern, und es sollen neue pädagogische Zusatzangebote ins Leben gerufen werden. In diesen fünf Millionen Euro sind darüber hinaus aber auch Mittel zur Hilfe und Unterstützung von Familien mit inbegriffen, die unter anderem Schütteltrauma-Prävention und Workshops zur Elternkind-Bindung beinhalten.

In die Jugendarbeit fließt mit drei Millionen Euro der kleinste Teil des Aufholprogrammes. Hier geht es vor allem darum, für die Kinder attraktive Angebote zu schaffen, die in den Ferien für Spaß und Erholung sorgen sollen. Auch Besuche von Abenteuerspielplätzen und sportliche Aktivitäten sind hier geplant.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie legt ein breites Programm vor, das den Kindern und Jugendlichen nicht nur dabei hilft, in der Schule wieder aufzuholen, sondern auch für psychosoziale Erholung von den Strapazen der Pandemie sorgt. Offen bleibt allerdings, wie bei dem eklatanten Lehrermangel in der Stadt die zusätzlichen Fachkräfte für die Lernförderung  und Lerncoaching rekrutiert werden sollen.