Schüler in einem Gymnasium (Symbolbild)
Foto: dpa/Jonas Güttler

BerlinDie Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt mehr Einsatz von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Wir fordern, dass wir aus dieser Krise mit einem Wumms herausgehen“, sagte Berlins GEW-Vorsitzender Tom Erdmann am Donnerstag. Gerade in Corona-Zeiten sei es wichtig, die Qualität von Bildung im Blick behalten. Die GEW will Verhandlungen über einen „Corona-Bildungspakt“. Es brauche „Gespräche über ein Gesamtkonzept, wie Schule und Bildung ab August aussehen kann“, sagte Erdmann. Nötig seien kleinere Lerngruppen, zusätzliche Fachkräfte, die Schaffung einer digitalen Infrastruktur und die Sicherung der Hygienemaßnahmen in Berlins Schulen und Kitas.

Die Co-Vorsitzende der Berliner GEW, Doreen Siebernik, kritisierte die Pläne von Scheeres für das neue Schuljahr. „Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist es verantwortungslos, die Gruppen- und Klassengrößen wieder auf das Vor-Corona-Niveau anzuheben und auf Abstandsregeln zu verzichten“, sagte Siebernik. Die Verkleinerung der Gruppen müsse das oberste Ziel der Senatsbildungsverwaltung sein.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung widersprach am Donnerstag. „Die Einrichtung kleinerer Lerngruppen würde bedeuten, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler wieder im Regelbetrieb beschult werden können“, sagte er. Wie berichtet, gab es seit der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts Infektionsfälle an mehreren Berliner Schulen. Diese seien bislang jedoch von außen in die Schulen hineingetragen worden, sagte der Sprecher. Die Bildungsverwaltung sieht deshalb keine Notwendigkeit, auf die Einhaltung eines Sicherheitsabstands zu beharren.

Die Frage ist bundesweit umstritten und wurde am Donnerstag auch in einer Sitzung der Kultusministerkonferenz debattiert. Deren Vorsitzende, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), setzt sich für Aufhebung des Abstandsgebots ein. Ein entsprechender Passus stand am Mittwoch auch in einem gemeinsamen Beschlussvorschlag der Länder für das Treffen mit Angela Merkel – im Abschlussdokument nach den Verhandlungen mit der Kanzlerin tauchte er dann aber nicht mehr auf.

Kritische Stimmen kamen am Donnerstag auch von Schülerseite: In einer gemeinsamen Pressekonferenz bemängelten die vier Schülervertreter der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Saarland die schlechte digitale Ausstattung der Schulen sowie der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler. Der Vorsitzende des Berliner Landesschülerausschusses Miguel Góngora sagte: „Das Fazit aus der Corona-Krise ist: Das Lernen zu Hause hat nicht geklappt.“ Schülerinnen und Schüler hätten die Zeit der Schulschließungen als „große Belastung“ empfunden und seien deshalb auch erleichtert über die Pläne der Kultusminister, die Schulen nach den Sommerferien wieder zu öffnen.

Das Wegfallen der Abstandsregeln begrüße der Berliner Landesschülerausschuss grundsätzlich, sagte Góngora – „unter der Bedingung, dass geeignete Hygienekonzepte und Notfallpläne für die Schulen erarbeitet werden“. Dass Berliner Schulen laut Anweisung der Schulsenatorin alle eigene Notfallpläne erarbeiten sollen, sei nicht akzeptabel. Die Schülervertreter der vier Länder forderten am Donnerstag außerdem mehr Fortbildungen für Lehrkräfte und Schülerschaft im Bereich digitaler Bildung, die Ausstattung ärmerer Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten und die Bildung von Expertengremien, die die zuständigen Ministerien bei den nächsten Schritten im Bereich Digitalisierung beraten. (mit dpa)