Viele Kinder verbringen mittlerweile ihre Freizeit vor dem Bildschirm.
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BerlinKleinkinder sollten nicht zu lange vor dem Bildschirm „geparkt“ werden. Denn zu viel Zeit, die mit Medienkonsum verbracht wird, wirkt sich auf die Hirnstruktur von Heranwachsenden aus. Darauf deuten Ergebnisse einer neuen Studie hin, über die Mediziner im Fachmagazin Jama Pediatrics berichten. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler des Cincinnati Children’s Hospital Medical Center im US-Bundesstaat Ohio 47 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren untersucht. Sie erfassten, wie viel Zeit diese vor Bildschirmen inklusive tragbarer Geräte verbrachten. Sie unterzogen sie kognitiven Tests und untersuchten ihre Gehirne mittels Magnetresonanztomografie.       

Bei den Kindern mit mehr Bildschirmzeit war die sogenannte weiße Substanz im Hirn verändert. Diese besteht aus Nervenfasern, die einzelne Hirnregionen miteinander verbinden und deren kommunikativen Austausch regeln. Die Mediziner beobachteten vor allem eine Wirkung auf jene Areale, die die Entwicklung von Sprache unterstützen. Damit verbunden sind bildliche und kognitive Fähigkeiten, mentale Kontrolle und Selbstbestimmung.

Betroffene Kinder schneiden schlechter in Tests ab

„Das Netzwerk, das die verschiedenen Sprachareale miteinander verbindet, war weniger dicht – vereinfacht könnte man davon sprechen, dass die Leitungsgeschwindigkeit der entsprechenden großen Datenautobahnen im Gehirn verringert war“, erklärt Martin Korte von der TU Braunschweig. Der Professor für zelluläre Neurobiologie war selbst nicht an der Studie beteiligt. Passend dazu schnitten die betroffenen Kinder schlechter in sprachlichen Tests ab. Konkret verwendeten sie eine ausdrucksschwächere Sprache, waren langsamer bei der Benennung von Objekten und insgesamt weniger weit in der Entwicklung ihrer sprachlichen Fähigkeiten.

„Das Hauptproblem ist in meinen Augen, dass Kinder, die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, weniger selbst sprechen und weniger dem Sprechen anderer lauschen“, sagt der Neurobiologe Korte. Für die Entwicklung des Gehirns sei es am besten, wenn Eltern direkt mit ihren Kindern agierten. „Ein Zuviel an Bildschirmzeit reduziert bei Kindern die Gelegenheit für echtes Spielen und dabei besonders für körperlich betontes Spielen“, sagt Christian Montag, Leiter der Abteilung Molekulare Psychologie an der Universität Ulm.

Er plädiert für mehr Forschung und weist einschränkend darauf hin, dass es sich um eine korrelative Studie handle, die keinen Aufschluss über Ursache-Wirkungs-Prinzipien zulasse. Es sei weiter ungeklärt, warum es durch zu viel Bildschirmzeit zu Veränderungen in der Hirnarchitektur kommen könne. Generell raten in Deutschland Kinderärzte, bei Unter-Dreijährigen keine Bildschirmmedien einzusetzen. Für Martin Korte sind diese Werkzeuge, bei denen es auf die Art der Nutzung ankomme: „Die Dosis macht das Gift und das gilt auch für digitale Medien.“