Susanne Panter nennt sich Herkunftsberaterin und Menschenaufspürerin.  
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa 

LiederbachFür den Job von Susanne Panter gibt es kein Studium, keine Ausbildung und eigentlich nicht einmal eine richtige Bezeichnung. Sie sagt: „Meinen Beruf habe ich selbst erfunden.“ Die Menschenaufspürerin und Herkunftsberaterin aus dem hessischen Liederbach gründete vor 20 Jahren den nach ihren Angaben ersten privaten Personensuchdienst Deutschlands. „Zu mir kommen zumeist ältere Leute, die schon länger ein Thema mit sich tragen.“

Da sind Adoptivkinder, die nach ihren leiblichen Eltern forschen oder Menschen, die ihre Geschwister suchen. Neben Privatpersonen zählen auch Nachlassgerichte, Anwälte und Redaktionen von Fernsehsendungen zu Panters Kunden. Etwa 20 Prozent wollen alte Freunde oder ihre Jugendliebe finden. Es gab auch schon mal ein Paar, das sich durch Panter (wieder-)gefunden und später sogar geheiratet hat, wie sie berichtet. Bei etwa 80 Prozent handelt es sich um familiäre Suchen.

Einer ihrer Klienten ist Hans Schön, ein Familienvater aus Bayern. Der 59-Jährige hatte keine einfache Kindheit, wie er am Telefon berichtet. Sein Vater war ein amerikanischer GI, der in die Heimat zurückkehrte, noch bevor er wusste, dass seine Freundin – Schöns Mutter – schwanger war. Seine Großmutter mütterlicherseits soll Briefe des Vaters aus den USA unterschlagen haben, das Paar verlor sich aus den Augen. Nach der Geburt wuchs der Junge in Pflegefamilien und Heimen auf. Die Mutter ging mit einem neuen Mann nach Amerika und gründete dort eine Familie. Als Erwachsener fand Hans Schön mit Hilfe der Vormundschaftsunterlagen zunächst seine Mutter in Pennsylvania.

An einem Abend im Januar 2016 habe ich zum ersten Mal meinen Vater und eine meiner Halbschwestern gesehen. Das war überwältigend.

Hans Schön, Familienvater aus Bayern

Bei der Suche nach seinem Vater, von dem er nur den Namen und ein falsches Alter hatte, kam er jedoch nicht weiter – und beauftragte Susanne Panter. Diese war erfolgreicher und machte eine Spur in Florida ausfindig. Mit einem Fernsehteam des Südwestrundfunk (SWR) flogen die beiden in die USA und fanden nach einigen Umwegen tatsächlich den Vater, der inzwischen auch weitere Kinder hatte. „An einem Abend im Januar 2016 habe ich zum ersten Mal meinen Vater und eine meiner Halbschwestern gesehen. Das war überwältigend. Da war vergleichbar mit einem Puzzle, wo die letzten Stücke eingefügt wurden. Damit war mein Lebensbild komplett.“

Die meisten Suchen seien kein Spaziergang, erklärt Panter. „Viele meiner Klienten gehen einen Weg, der eine Zumutung ist. Seine Herkunft zu kennen, ist ja eigentlich etwas Selbstverständliches.“ Viele Klienten kann die Menschenaufspürerin aber auch aufgrund ihrer persönlichen Geschichte gut verstehen. Die gebürtige Hamburgerin hat ihren eigenen Vater selbst erst mit 18 Jahren richtig kennengelernt.

Wertfrei und hartnäckig sein, Mitgefühl haben

Was es für ihren Job brauche? Man müsse recherchieren können, wertfrei sein, Mitgefühl haben, hartnäckig sein und ein gewisses juristisches Verständnis haben. So gebe es beispielsweise ein Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. „Und man braucht natürlich Biss. Ich will die Leute wirklich finden“, betont sie.

Im Gegensatz zu der Arbeit von Privatdetektiven, die ebenfalls Menschen suchen, hat ihre Tätigkeit mitunter auch eine psychologische Komponente. „Ich schaue breiter drauf, die Suche ist nur ein kleiner Ausschnitt.“ So sei sie auch beratend tätig und helfe, den ersten Kontakt herzustellen. Dabei komme ihr auch ihre Ausbildung als Mediatorin zu Gute. Bei manchen Klienten empfiehlt sie weitere Ansprechpartner oder Therapeuten. Und: Wenn der Gesuchte keinen Kontakt wolle, dann werde das akzeptiert.

Wie genau geht die 52-Jährige bei ihrer Arbeit vor? Zunächst braucht Panter den Namen oder genaue Anhaltspunkte, damit eine Spur aufgenommen werden kann. Dann sucht sie in alten Adressbüchern, Archiven der Meldeämter oder Polizeiakten, befragt Standesbeamte, Nachbarn oder Bekannte und klickt sich durchs Internet. Bei vielen Behörden sei sie inzwischen bekannt und habe beste Kontakte, erklärt Panter. Auch im Ausland sei sie gut vernetzt. Im anglo-amerikanischen Raum etwa gebe es Post-Adoption-Services, die bei der Suche nach den leiblichen Eltern helfen. Solche Organisationen, mit denen Panter bei ihren internationalen Suchen zusammenarbeite, seien auch in Deutschland wünschenswert.

Panter sucht in alten Adressbüchern und Archiven der Meldeämter nach Personen.
Foto: Imago Images

Die Kosten für einen Auftrag setzen sich aus verschiedenen Modulen zusammen. Wer seine Mutter sucht und über gute Daten verfügt, muss um die 880 Euro zahlen. Wenn die Recherche ins Ausland geht, kann es bis zu 3000 Euro teuer werden. Generell sei es einfacher, Mütter statt Väter zu finden, da diese bei der Geburt besser dokumentiert würden.

In den vergangenen 20 Jahren hat Panter mehr als 4100 Fälle bearbeitet. Einige davon hat sie für das Buch „Aus den Augen, doch im Herzen“ zusammengetragen, das soeben erschienen ist. Ihre Erfolgsquote liege bei etwa 90 Prozent. „Wenn sich jemand nicht absichtlich versteckt, finde ich ihn beinahe überall“, sagte sie bereits vor einigen Jahren der Zeit.

Manchmal seien die Personen aber einfach nicht aufzuspüren. Und besonders traurig sei es natürlich, wenn die gesuchte Person inzwischen gestorben sei. Bei einem Fall seien ihr auch mal selbst die Tränen gekommen, erinnert sich Panter. Mehrere Geschwister hätten nach einem Erbstreit ihren Bruder aus den Augen verloren. Als sie ihn viel später suchten, habe sich herausgestellt, dass er schon lange tot war. „Das fand ich echt traurig. Da ist er so einsam gestorben und zehn Jahre später kommt man mal auf die Idee, ihn zu suchen.“