Junges Paar mit Kinderwagen.
Foto: Heise/Instagram

Es war kompliziert. Der Nachname meines Freundes ist nicht Grönemeyer. Bei Grönemeyer hätte ich ganz sicher nicht gezögert. Ich hätte sogar in Kauf genommen, im Alltag die Geburtsurkunde mit mir rumzutragen oder versehentlich beim Kinderarzt als Frau Grönemeyer angesprochen zu werden.

Aber von vorne. Ich bin Mutter geworden, ohne die Absicht, meinen Freund und den Vater des Kindes zu heiraten. Was daran lag, dass wir in der Schwangerschaft sehr damit beschäftigt waren, uns nicht zu trennen, ist klar. Alles andere wäre auch schön und damit langweilig gewesen. Und während wir neun Monate lang versuchten, uns nicht zu trennen, mussten wir nebenbei noch kluge Entscheidungen treffen. Bei der Zitronengröße angekommen, mussten wir entscheiden, welches Krankenhaus wir nehmen. Bei der Kokosnuss, welchen Kinderwagen wir kaufen. Und bei der Melone fragten wir uns, wie eigentlich der Nachname unseres Kindes lauten soll, nachdem wir den Vornamen festgelegt hatten. Die Frage um den Nachnamen verschoben wir dann noch einmal auf die Kürbiswoche, bis es schließlich so weit war. Das Kind kam auf die Welt. Unser doppeltes Glück: Es sah nicht aus wie ein Kürbis und wir waren noch zusammen.

Viele Paare aus meinem Bekanntenkreis sind ebenfalls nicht verheiratet und haben Nachwuchs. Die meisten von ihnen haben sich für den Nachnamen des Vaters entschieden. Als Liebesbeweis. Schließlich wuchs das Kind schon im Bauch der Mutter, da soll die Verbundenheit zum Vater durch den Nachnamen symbolisiert werden. Oder sie entschieden sich aus Traditionsgründen für den Namen des Vaters. „Weil Benedikt der Einzige in der Familie ist, der den Namen weitergeben kann“, habe ich einmal als Argument gehört. Der Name des Mannes ist nämlich heilig, auch wenn er nicht Grönemeyer lautet, lernte ich gleich dazu.

Was in unserem alten Namensrecht wohl begründet liegt. Jetzt möchte man ja nicht immer Artikel lesen, was alles zum Nachteil der Frau in der Vergangenheit verzapft wurde. Geht schnell! Versprochen! Bis 1976 war es vorgesehen, dass Frauen ihre Nachnamen ablegen und das Kind automatisch den des Vaters übernimmt. Denn Paare in Deutschland waren in der Regel verheiratet, noch bevor ein Kind kam. Nur uneheliche Kinder trugen demnach den Namen der Mutter, weil (und das ist heute immer noch so) die Mutter ohne Erklärung des Vaters das alleinige Sorgerecht hat. Kinder mit dem Nachnamen ihrer Mütter waren in gewisser Weise gebrandmarkt. Ganz früher als Bastard-Kinder abgestempelt mit wenig Aussichten auf den Job, der mal Geld bringt. Vielleicht haftet das bei vielen noch an, wenn die eigene Familie im Namens-Dilemma zurate gezogen wird. So wie bei Tattoos, die eigentlich auch nur Menschen aus dem Knast haben. Oder die mit den Socken in Sandalen. Vielleicht ist es der Name des Vaters, der immer noch für Sicherheit steht, die sich eine Frau in ihrer verwundbarsten Zeit nun mal wünscht. Zwischen Melone und Kürbis fühlte ich jedenfalls genau das.

Ich bin dann aber schließlich sehr pragmatisch an die Sache rangegangen. Irgendeinen Namen brauchte das Kind. Es wurde meiner, weil ich überzeugt war, ich brauchte nicht den Nachnamen meines Freundes. Wir hatten ja ein gemeinsames Familien-Abo bei Netflix. Drei Accounts, so was schafft doch auch Verbundenheit. Als ich meinem Freund meinen Nachnamen vorschlug war er, wie wir Frauen gerne sagen, fein damit. Bisschen tat es mir leid. Wegen der Symbolik und so. Aber wir ahnten damals schon, dass wir die Hälfte aller Entscheidungen, die unser Kind betrafen, vermutlich bereuen würden. Das Krankenhaus war eine Fehlentscheidung. Der Kinderwagen erwies sich hingegen als eine Spitzenwahl. Und mein Nachname?

Manchmal finden wir es schade, dass unser Kind meinen hässlicheren Namen trägt und nicht seinen hübscheren. Manchmal, an wirklich guten Tagen, dass wir nicht alle denselben Namen haben. Vielleicht lassen sich die netten Leute von der Regierung für unverheiratete Eltern wie uns was einfallen. Doppelnachnamen für Kinder etwa. Da hätte ich Flugzeuge im Bauch.