Wer an Feiertagen arbeitet, zum Beispiel in einer Bäckerei, hat Anspruch auf freie Tage und oft auch auf finanzielle Zuschläge.
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BerlinFrohes Fest und freie Tage? Wer richtig plant, kann in diesem Jahr mit nur acht Urlaubstagen satte 16 Tage frei machen. Dabei gibt es aber einige Punkte zu beachten. Der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag und Neujahr sind Feiertage. An diesen Tagen haben alle Arbeitnehmer frei, außer sie gehören zu den Ausnahmen laut Paragraf 10 des Arbeitszeitgesetzes - wie zum Beispiel Pflegedienste, Kinomitarbeiter, Restaurantfachkräfte oder Bäckereifachverkäufer. Wichtig: Heiligabend und Silvester sind keine Feiertage!

Das bedeutet: Der Arbeitgeber kann verlangen, dass die Arbeitnehmer an Heiligabend und Silvester genauso antreten wie sonst auch. Wer frei haben will, muss also Urlaub nehmen – wie an jedem anderen Arbeitstag auch. Das gilt nicht nur für Branchen, in denen Heiligabend oder Silvester Umsatz gemacht wird.

Halber Tag Urlaub, ganzer Tag frei

Urlaub einreichen müssen auch Mitarbeiter in Unternehmen, die an diesen Tagen nicht unbedingt besetzt sein müssten. Viele Arbeitgeber kommen ihren Mitarbeitern aber entgegen und bewerten Heiligabend und Silvester jeweils mit nur einem halben Urlaubstag - also zusammen mit einem Urlaubstag.

Einen Rechtsanspruch auf eine solche Regelung gibt es nicht. Aber: Gibt ein Arbeitgeber seinen Angestellten drei Jahre in Folge in dieser Form frei, können Mitarbeiter ab sofort davon ausgehen, dass an diesen Tagen immer frei ist.

16 Tage frei mit acht Tagen Urlaub - auch 2020/21

Wenn es noch möglich ist, dann reichen Sie in diesem Jahr Urlaub ein vom 21.12.2019 bis zum 05.01.2020. Inklusive Wochenenden und acht Urlaubstagen haben Sie dann 16 Tage frei. Dabei haben wir den Heiligen Abend und den 31.12.2019 mit jeweils einem Urlaubstag berechnet. Ist es zu spät für diesen Dezember? Dann zählen Sie für die Festtage 2020 zu den ersten Einreichern: Nehmen Sie Urlaub vom 19.12.2020 bis zum 03.01.2021. Auch hier gilt wieder: 16 Tage frei - bei nur acht Tagen Urlaub. Für Kurzurlauber liegen die Feiertage 2020 besonders günstig: Der 1. Weihnachtsfeiertag und der 1. Januar sind jeweils ein Freitag. 

Härtefälle bekommen eher Urlaub

Wer darf sich denn nun frei nehmen, wenn der Betrieb nicht ganz geschlossen ist? Im Paragraf 106 der Gewerbeordnung steht, dass der Vorgesetzte grundsätzlich ein Direktionsrecht hat. Das bedeutet: Er kann entscheiden, welcher Mitarbeiter arbeiten muss. Niemand hat einen Urlaubsanspruch. Nach dieser Regelung des Gesetzgebers soll der Arbeitgeber bei seiner Entscheidung aber „nach billigem Ermessen“ vorgehen – das heißt, er muss versuchen, unnötige Härten zu vermeiden, zum Beispiel für Alleinerziehende, Mitarbeiter die Angehörige pflegen oder Langstreckenpendler. Ob er das im Einzelfall getan hat, entscheidet bei einem Rechtsstreit das Gericht.

Betriebsferien zwischen den Jahren

Oft lohnt es sich für ein Unternehmen, "zwischen den Jahren" ganz geschlossen zu sein (also zwischen Weihnachten und Neujahr). Dann kann der Chef "Betriebsferien" anordnen, zum Beispiel wenn die Auftragszahl für einen vorhersehbaren Zeitraum merklich sinkt oder wenn es kostspieliger wäre, Maschinen ohne nennenswerte Produktion laufen zu lassen. Ob ein Chef Betriebsferien anordnen darf (und die Arbeitnehmer mitziehen müssen) steht in der Betreibsvereinbarung.

Betriebsferien können nicht erst ein paar Wochen vorher angeordnet werden, sondern müssen langfristig (mindestens sechs Monate vorher) angekündigt sein. Der Urlaub, der bei Betriebsferien verhängt wird, wird genauso behandelt wie die Urlaubstage, die der Arbeitnehmer selbst einreicht. Der Betriebsurlaub wird also vom Jahresurlaubsanspruch abgezogen.

Anspruch auf Feiertagszuschlag

Und was ist, wenn man an den Feiertagen arbeiten muss? Dann sollte man einen finanziellen Zuschlag bekommen. Aber: Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Sonn- oder Feiertagszuschlag. Das hat das Bundesarbeitsgericht 2006 entschieden (Az.: 5 AZR 97/06). Allerdings sind solche Zuschläge oft vereinbart - entweder im Tarifvertrag, im Arbeitsvertrag oder in Betriebsvereinbarungen. 

Bei Sonntagsarbeit haben Arbeitnehmer übrigens Anspruch auf einen Ersatzruhetag binnen zwei Wochen. Bei Feiertagsarbeit müssen sie binnen acht Wochen einen Ausgleichstag bekommen. Und: Jeder Arbeitnehmer muss an mindestens 15 Sonntagen im Jahr frei haben.

Wie für den Lohn geleisteter Arbeitsstunden müssen Arbeitgeber auch für die Sonn- und Feiertagszuschläge ihrer Mitarbeiter die Einkommensteuer berechnen und ans Finanzamt abführen. Unter bestimmten Bedingungen sind die Lohnzuschläge für die Mitarbeiter jedoch steuerfrei. Dei Regeln stehen im Paragraf 3b des Einkommensteuergesetz. Laut Sozialversicherungsentgelt-verordnung müssen keine Sozialabgaben auf Sonntags- und Feiertagszuschlag abgeführt werden, solange der Grundlohn 25 Euro pro Stunde nicht übersteigt.