Wie viel Sprach-Förderung ist nötig? Darüber wird gerade mal wieder heftig diskutiert. 
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BerlinEtwa jedes fünfte Kind in Deutschland spricht zu Hause eine andere Sprache als Deutsch. Das geht aus der Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Die Liberalen fordern als Reaktion darauf einen Ausbau des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“. „Der gestiegene Anteil von Kindern aus Familien, in denen nicht Deutsch gesprochen wird, verlangt nach bester Sprachförderung“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Suding. Das ist allerdings ein Durchschnittswert: In Berlin hat etwa schon seit Jahren mehr als jedes dritte Kind eine „nichtdeutsche Herkunft“. Ein Sprachförderbedarf wird konstant bei etwa 17 Prozent der Vierjährigen ertestet – davon wiederum sprechen aber ein Viertel zu Hause Deutsch.

In den sozialen Medien gab es am Wochenende harsche Kritik an der Art, wie viele Medien das Thema als Problem zu präsentieren schienen. Dabei sind Sprach- und Kinderexperten sich weitgehend einig, dass es für die Entwicklung der Sprechfähigkeit bei Kindern am besten ist, wenn ihre Eltern die Muttersprache mit ihnen sprechen. Kritisiert wird regelmäßig auch die gefühlte Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Sprachen: Spricht das Kind zu Hause nur Englisch oder Französisch, gilt das nicht als problematisch, Arabisch oder Türkisch hingegen schon. „Wie mich solche Headlines wütend machen!“, twitterte etwa die Berliner Journalistin Aida Baghernejad. „Mehrsprachigkeit ist wertvolle Ressource, kein Mangel – meine Eltern entschieden zum Beispiel bewusst, mit mir ausschließlich die Muttersprache zu sprechen. Hat dann auch gereicht für Abitur in Deutsch und Englisch, Studium in drei Ländern und einen Job als Journalistin.“

In der Tat sollte eine nichtdeutsche Umgangssprache zu Hause eigentlich überhaupt kein Problem sein – wenn die Kinder dann außerhalb Deutsch lernen. In Berlin ist dafür, in der Theorie, in der Kita Sprachförderung und das Sprachlerntagebuch vorgesehen, das Erzieherinnen für jedes Kind führen. Doch es gibt Zweifel, ob diese Instrumente so funktionieren, wie es vorgesehen ist: Eine von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vor einem Jahr einberufene Qualitätskommission hielt etwa das Sprachlerntagebuch für zu aufwendig bei geringem Ertrag. Kommissionsleiter Olaf Köller empfahl bereits Ende des vergangenen Jahres, es durch standardisierte kurze Sprachtests zu ersetzen. Offiziell veröffentlicht sind die Erkenntnisse des Gremiums aber noch nicht.

Ein Problem ist auch die Durchsetzung der Berliner Regel, dass für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen mindestens 18 Monate vor der Einschulung Kitapflicht herrscht. Die Jugendämter sind mit der Verfolgung der Fälle überlastet. Und für Familien, die bereit wären, ihre Kinder zur Sprachförderung zu bringen – auch wenn sie vorher nicht in der Kita waren –, wird wiederum der notorische Kitaplatz-Mangel zum Problem. Die Senatsschulverwaltung bietet deshalb seit einigen Jahren spezielle Sprachförderungsgruppen für diese Kinder an.