Wer nicht im Team arbeiten kann, hat es in der Job-Welt schwer. Aber es gibt auch Berufe, in denen Individualisten gefragt sind. 
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BerlinGesucht: Viel Praxiserfahrung und eine große Portion Teamfähigkeit. Wenn Arbeitgeber neue Mitarbeiter rekrutieren, achten sie neben der fachlichen Eignung vor allem auf die sogenannten Softskills. Einzelkämpfer sind selten gefragt. Aber was genau unterscheidet einen Teamplayer eigentlich von einem Einzelgänger? Gibt es ein ganz oder gar nicht oder ist man auch im mittelmäßigen Grau der Teamfähigkeit noch ein guter Arbeitnehmer? Dr. Rolf Meier, Coach zu diesem Thema, gibt im Interview die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wodurch unterscheidet sich ein Teamplayer vom Einzelgänger im Berufsalltag?

Ein Teamplayer denkt eher systemisch im Sinne von Teamergebnis, Kundenzufriedenheit und Wertschöpfung. Teamplayer wollen nicht allein entscheiden. Sie suchen die Gemeinschaft aber auch deren Schutz. Ihre Motive sind Mitentscheiden und Fremdanerkennung. Einzelgänger genügen sich eher selbst. Sie können sich Selbstanerkennung geben und erfreuen sich an ihrem individuellen Ergebnis in einem Anforderungskontext. Einzelgänger sind nicht zwangsläufig Egoisten. Kontakt mit der Umwelt haben sie trotzdem. Sie lassen sich leiten von ihrem Motiv: Selbstentscheidungen.

Teamfähigkeit ist heutzutage einer der wichtigsten Softskills, der bei vielen Stellenausschreibungen eingefordert wird. Weshalb ist es da so?

Ich bin 75 Jahre und habe schon viele „Anforderungswellen für Softkills„ erlebt: autoritäre, kooperative, respekt- und wertschätzende, Teamorientierung und momentan stark im Kommen ist agiles Verhalten. In Zusammenhängen denken und handeln musste man schon immer. Der Stellenwert der Zusammenarbeit hat sich auf die Prozessebene verlagert, seit dem großen Thema „Lean Management“ in den Achtzigerjahren. Echte Teamarbeit ist auf der operativen Ebene heute ein Muss - auf der strategischen Ebene bleibt es ein Kann. Teamarbeit und Zusammenarbeit sind für mich unterschiedliche Inhalte im Alltag.

Ist man als Einzelgänger nicht unter Umständen konzentrierter, schneller und effizienter? Oder ist das ein Irrglaube?

Bei aller Teameuphorie sollte nicht vergessen werden, dass „das Team“ an sich nichts tut. Team ist nur ein abstrakter Begriff. Denken und handeln kann nur der einzelne Mensch. Egal in welcher organisatorischen Bedingung. Leute im Team müssen genauso konzentriert sein wie Einzelgänger. Allerdings gibt es berufliche Aufgaben, da ist ein Einzelgänger eher gefragt. Zum Beispiel als Jurist, Arzt, Schumacher oder Verkäufer. Die müssen allein aus sich heraus ergebnisbefähigt sein.

Bin ich schon kein Teamplayer mehr, nur weil ich meinen Kollegen nicht täglich nach seinem Befinden frage oder was er am Wochenende erlebt hat?

Auf keinen Fall. Es ist eine überzogene Forderung der Leute, die den Menschen in der Arbeitswelt über die der Wertschöpfung stellen. Das Wichtigste ist der Kunde und nicht der Mitarbeiter. Das ist so ein typisches Zeitgedöns, immer und andauernd zu fragen: Wie geht es dir, was kann ich tun, damit es dir gut geht? Das ist meine Einstellung. Und die darf bitte nicht verwechselt werden mit der Tatsache, dass jeder Mensch Respekt und Wertschätzung erfahren muss.

Eltern versuchen Kinder zu eigenständigen und auch selbstständigen Menschen zu erziehen. Wird uns dadurch das “Teamplayer-Gen„ genommen?

Nein. Aber natürlich spielt Erziehung eine große Rolle. Die Motiv-, Werte und Talentstruktur jedes Menschen lassen ihn zu dem werden, was wir im Alltag sehen. Hinzu kommt die ausgeprägte Intelligenzstruktur. In der Bibel kann ein Saulus zum Paulus werden - in unserer Realität kann man die biologische Genetik des Einzelnen nicht „wegerziehen“ oder „wegtrainieren“.

Haben es Einzelgänger schwerer im Berufsleben?

Das kann man so verallgemeinert nicht sagen. Es kommt immer auf den Kontext an. Wie schon gesagt: es gibt eben auch jene Berufsgruppen, in denen Einzelgänger gefragt sind.

Wie kann ich vom Einzelgänger zum Teamplayer werden?

Eine wichtige Grundvoraussetzung ist es, mit anderen Menschen Gemeinsamkeiten zu definieren. Das kann auf der beruflichen Ebene sein, in dem man als Gruppe gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet oder einem gemeinsam definierten Leitbild des Verhaltens. Hier spielen viele Faktoren rein: Konstruktivität, Kommunikationsfähigkeit, zielorientiertes Arbeiten, Effizienz aber natürlich auch soziale Kompetenz. Klappt das Zusammenspiel, kann ich mich und meine Bedürfnisse dem unterordnen – dann bin ich ein Teamplayer. Aber das gilt auch im Privaten, zum Beispiel in einer Ehe. Die wird nur dann glücklich sein, wenn sie auf Gemeinsamkeiten, wie Werten und Zielen basiert.