Berlin - Im letzten Sommer wurde das Corona-Aufholprogramm auf den Weg gebracht. Die Bundesbildungsministerin, die Berliner Schulsenatorin und das Personal an den Schulen – sie alle hatten verstanden, wie sehr die Kinder und Jugendlichen unter dem verheerenden zweiten Lockdown gelitten hatten. Nun wollte man diese Leiden wiedergutmachen und öffnete das Portemonnaie: Zwei Milliarden für ganz Deutschland und 64 Millionen für Berlin.

Aber nach allem, was man bisher weiß, ist diese Wiedergutmachung bisher nicht recht gelungen. Und wie schon beim gut gemeinten Digitalpakt sieht man: Es reicht nicht, einfach nur Geld bereitzustellen, man muss es auch gekonnt ausgeben. Für die Lernförderung in Berlin wurden bis zum heutigen Tag erst 24,6 Prozent der Gesamtsumme ausgegeben. Und lediglich 11 Prozent der speziellen Schulbudgets konnten in Förderangebote umgesetzt werden. Warum so wenig? In Berlin sind die bürokratischen Hürden zu hoch, die bereitgestellte Vergabeplattform hat etliche Macken. Es gibt zu wenig Fachkräfte, die einspringen können. Und viele Schulleiter schaffen es im Moment nicht, ein eigenes Förderkonzept auf die Beine zu stellen.

Andere Bundesländer haben ähnliche Probleme bei der Umsetzung wie Berlin. Auch wenn es wie immer ei paar streberhafte Ausnahmen gibt: Hamburg zum Beispiel. Dort sind alle Maßnahmen zentral gesteuert, während man in Berlin den Schulen eine gewisse Freiheit zum Maßschneidern lassen wollte. Diese Freiheit ist auch schön, hat die meisten Schulen in der aktuellen Situation aber leider überfordert. Auch haben viele Schulleitungen durch die Erfahrungen verstanden, dass es sehr schwer ist, einmal entstandene Defizite bei den Schülern wieder auszugleichen. Deshalb kämpfen sie jetzt wie die Löwen für die Präsenzpflicht und dafür, dass Defizite gar nicht erst entstehen