Schule trifft Bau: Göran Golz, Dora Jelev und Daniel Glage (v.l.)
Foto: Andreas Klug

Berlin - Lichtenberg„Ich kenne keinen Beruf, in dem die Menschen so zufrieden sind, wie in meinem“, sagt Dora Jelev. Die 18-Jährige macht gerade eine Ausbildung zur Zimmerin. Nach ihrem Abitur in diesem Jahr habe sie zunächst überlegt, Geisteswissenschaften zu studieren, doch dann entschied sie sich anders. „Da ich öfters auf Techno-Festivals bin und dort beim Bühnenaufbau helfe, kam ich auf die Idee, eine duale Ausbildung im Baugewerbe zu machen“, erzählt sie. 

Die junge Frau steht an diesem Tag in Zimmermanns-Kluft vor Schülern der 9. und 10. Klasse der George-Orwell-Schule in Lichtenberg. Der Leiter der Sekundarstufe I, Daniel Glage, hat Dora Jelev und Göran Golz vom Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg eingeladen, damit diese über Ausbildungen im Handwerk sprechen. „Es ist doch etwas ganz anderes, jemanden zuzuhören, der selbst im Beruf steht, als nur über einen Beruf zu lesen“, sagt er.

Das Handwerk hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen

Golz stellte den Schülern die Ausbildungsberufe vor. Bevor es jedoch an die Aufgaben von Maurern, Hochbauarbeitern und Stuckateuren ging, erkundigte er sich bei den Schülern nach deren Vorstellungen von einen Beruf im Baugewerbe. „Die Arbeit ist schwer, gefährlich und schlecht bezahlt“, sagten einige. Andere: „Man muss früh aufstehen, ist abends müde und es macht keinen Spaß.“ Golz griff die einzelnen Punkte auf und glich sie mit dem Alltag eines Lehrers ab. Sekundarstufenleiter Glage bestätigte, dass er früh aufstehen müsse, abends müde sei und die Arbeit auch nicht immer nur Spaß mache. „Ihr seht: Kein Beruf ist leicht“, sagte Golz. In einem wichtigen Punkt konnte er eine Fehlmeinung ausräumen. „Der Beruf des Handwerkers ist heute nicht mehr schlecht bezahlt“, sagte er. Angesichts des Handwerkermangels seien die Löhne gestiegen.  

Aber ist es möglich, ein Leben lang einen Beruf im Baugewerbe auszuüben? Göran Golz erklärt, wie vielseitig die Weiterbildungsmöglichkeiten für Gesellen sind: einen Meister machen, Ausbilder werden und wie Golz zum Beispiel beim Berufsförderungswerk Unterricht erteilen. „Es gibt kaum ein Berufsfeld, wo man stehenbleibt“, sagt er.

Als die Stunde vorbei ist, zeigt sich Daniel Glage zufrieden. Manche der Schüler würden Schwierigkeiten haben, den Mittleren Schulabschluss zu erreichen, sagt er. Eine Ausbildung im Baugewerbe könnte seit diesem Tag einigen als Alternative klarer vor Augen stehen.