Volle Hörsäle sieht man in Corona-Zeiten bundesweit an keiner Hochschule, stattdessen finden viele Vorlesungen nun online statt.
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Mit Elan und Energie arbeiten Deutschlands Hochschulen an der Organisation des Sommersemesters. Manche Fachhochschulen haben ihren Lehrbetrieb im März begonnen und mussten nach den coronabedingten Kontaktbeschränkungen zügig auf digitale Studienangebote umsteigen. Die meisten Universitäten starten während dieser Wochen in ein besonderes Semester, das allen Beteiligten Chancen, aber auch Unwägbarkeiten bietet. Wie belastbar sind die internen Datennetze, wie leistungsfähig die Rechenzentren? Wie reibungslos lassen sich Veranstaltungen online bereitstellen?

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Man beginnt nicht am Nullpunkt. Die klassische Vorlesung lässt sich in allen Fachkulturen digital abhalten. Software für virtuelle Seminare und Sprechstunden steht zur Verfügung. Schwieriger ist es bei Experimenten, der Feldforschung und der Einführung in technische Geräte. Da sind der digitalen Simulation oft noch Grenzen gesetzt. Problematischer – aus rechtlicher Sicht – bleiben Onlineprüfungen. Hier ist an die Länder zu appellieren, rasch gesetzliche Grundlagen zu schaffen. Zugleich muss man hoffen, dass im Lauf des Sommers der Präsenzbetrieb langsam wieder einsetzen kann. Dann wären auch Laborübungen und Examina in den Hochschulen wieder möglich.

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Direkthilfe für Studierende

Von einem „Kann“-Semester, wie es eine Studierendenpetition fordert, sollte nicht gesprochen werden, denn die Formel greift zu kurz. Die Hochschulen tun derzeit alles, um ihren Lehraufgaben nachzukommen. Dazu gehört auch, dass die Angebote nicht nur Optionen darstellen, sondern verbindlich sind. Zugleich muss die schwierige Lage vieler Studierender berücksichtigt werden. Wer aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen – etwa weil er in Krankenhäusern hilft – am Studium gehindert ist, darf keine Nachteile erfahren. Hier würde es helfen, die Regelstudienzeit, wie in einigen Ländern bereits geschehen, um ein Semester zu verlängern. Das schafft Flexibilität und Entlastung; außerdem hätte es den sehr wichtigen Effekt, dass das Bafög für alle Berechtigten ein halbes Jahr länger gezahlt werden kann.

Betroffen von der Coronakrise sind aber auch die Studierenden, deren Jobs durch die Schließungen entfallen. Dazu gehören viele internationale Studierende, die sich in einer besonders prekären Lage befinden. Hier ist unbürokratische und schnelle Hilfe geboten. Am besten ginge das mit einer direkten finanziellen Zuwendung für das Sommersemester. Bereitstellen könnte man sie über eine Öffnung des Bafög durch das Bundesbildungsministerium und organisieren über das Deutsche Studentenwerk und lokale Studentenwerke. Auf eine Rückzahlung der Zuwendung sollte verzichtet werden. Was wir für unsere Studierenden brauchen, wäre kein Darlehen, sondern eine Direkthilfe, vergleichbar dem Arbeitslosengeld.

Zugang zu Rechenzentren

Zu den benachteiligten gehören auch diejenigen, die dort leben, wo es keinen WLAN-Empfang gibt. Fehlen Studierenden die technischen Voraussetzungen, das digitale Lehrangebot ihrer Hochschule zu nutzen, so muss auch hier in angemessener Weise geholfen werden; am besten durch eine hygienekonforme Ausnahmeregelung, die den Zugang zu den Rechenzentren gestattet.

Die Krise wird von den Hochschulen bisher unaufgeregt und professionell gemanagt. Zu hoffen ist nun, dass soziale Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine erfolgreiche Organisation des Semesters ermöglichen.