Berlin -  Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Not erfinderisch macht: Durch Corona gab es seit März 2020 nur noch wenige Veranstaltungen, die bei der beruflichen Orientierung helfen konnten. Viele der üblichen Schnupper-Praktika und Beratungsangebote sind seitdem einfach ausgefallen. Und zugleich stehen Tausende von Schülern in Deutschland vor ihrem Schulabschluss und der Frage, wie es für sie weitergehen könnte, wenn sie den sicheren, heiß geliebten oder auch verhassten Raum der Schule verlassen.

Für diese Schüler und Schülerinnen hat das junge Edtech-Unternehmen „teech“ eine Lösung und ein neues Format erfunden: die sogenannten „Inspiration Days“. An drei Tagen können Jugendliche aus ganz Deutschland. Sie geben Antwort auf die Fragen: Wie werde ich eigentlich Astronaut, Schauspielerin, Profi-Fußballer, Sternekoch, Unternehmer, Modedesignerin, Journalist oder Musikproduzent?

Zeit, ein paar bekannte Namen zu nennen: Thomas Reiter steht den Schülern Rede und Antwort, Michael Ballack, Tim Raue, Cedric Waldburger, Marina Hoermanseder, Oskar Piegsa und Martin Eyerer. Lauter Menschen, die es gewohnt sind, nach dem Mond oder den Sternen zu greifen – und die sich in beruflichen Welten bewegen, von denen viele Jugendliche heimlich träumen.ein Wunder, das die beiden Teech-Gründer Joel und Emanuele Monaco überwältigt waren von der großen Resonanz: Bereits am ersten Tag loggten sich 40 000 Schüler ein, am zweiten Tag werden 80 000 Schüler erwartet.  

Fotos: Teech
Speaker bei den "Inspiration Days" - von rechts nach links, von oben nach untern -  Martina Hoermanseder, Detlef D! Soost, Dennennesch Zoudé, Mathias Mester, Suzanna Randall, Benedict Wells.

Und so funktioniert’s: Ganze Schulen und Schulklassen können sich anmelden und haben mit Hilfe eines einfachen Links Zugang zu den Vorträgen. Auf einem Eventkalender sieht man, wer gerade spricht und kann mit Leichtigkeit die verschiedenen digitalen Räume betreten. Die Speaker sprechen mit Moderatoren und antworten auf Fragen, die die Schüler in den Chat schreiben. Die Reichweite ist enorm, bis zu 14 000 junge Menschen haben den einzelnen Speakern und ihren Vorträgen zugehört. 

Zeiten des Triumphs und des Scheiterns

Das Wort „Vortrag“ ist eigentlich zu steif für das, was man da erleben kann. Nicht selten ist es eine Art Lebensgesang – ein Mensch erzählt von seinem höchstpersönlichen Weg, von seinen Ideen, seinen Träumen, Zeiten des Triumphs, des Scheiterns, des Durchhaltens, von Begegnungen, die plötzlich neue Türen aufgestoßen haben. Der Ton dieser Mitteilungen hat etwas sehr Berührendes. Denn er ist getragen von dem Wunsch, den Schülern wirklich etwas mitzugeben – aus der eigenen Erfahrung Ratschläge von Wert zu destillieren.

Dieser biographische Ansatz ist überaus fruchtbar und unterscheidet die „Inspiration Days“ von herkömmlichen Formen der Berufsberatung, in denen es um festgefügte Berufsbilder und Ausbildungswege geht: Wie werde ich Bankkauffrau? Welche Stationen muss ich absolvieren, um Elektroingenieur zu werden? Dahinter stand und steht ja eher ein statisches Weltbild, das suggeriert, dass Menschen ihr ganzes Leben lang denselben Job machen können und wollen. Aber ist das so? Und passt diese Vorstellung noch zu einer Zeit, in der sich die technischen und sozialen Umbrüche in einem atemberaubenden Tempo vollziehen? Thomas Sattelberger, der FDP-Politiker und Schirmherr der „Inspiration Days“, erzählt zum Beispiel, wie froh er ist, fünfmal im Leben den Job gewechselt zu haben. Das Gefühl aufkommender Langeweile war für ihn immer das Signal, dass er weiterziehen muss.

Man muss kein brillianter Schüler sein, aber sich auf die Suche machen

Ermutigend ist, was Martin Eyerer sagt: Dass man kein brillanter Schüler sein muss, um später im Leben erfolgreich zu sein. Eyerer, der sich schon früh als DJ die Nächte um die Ohren schlug, hat zwei Ehrenrunden gedreht und einen Abiturschnitt von 3,0 hingelegt. Kurz vor Schluss hat er  – sehr zum Leidwesen der Eltern – sein Jura-Studium abgebrochen. Trotzdem oder gerade deswegen ist er heute ein angesehener Musikproduzent, CEO der sogenannten Riverside Studios in Berlin. Er hat zwei Söhne, die gerade ihre Abiturprüfungen schreiben. Allen, die in derselben Lebensphase sind wie sie, rät er, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Man müsse nicht schon genau wissen, was man später machen wolle. „Wichtig ist nur, dass man sich auf die Suche macht, Dinge ausprobiert und aus seinen Fehlern lernt“, sagt Eyerer. 

Umwege gehören dazu, das findet auch Marina Hoermanseder. Sie wurde von ihrem Vater gezwungen, zunächst BWL zu studieren, bevor sie mit ihrem eigenen Mode-Label durchstarten konnte, war aber später extrem dankbar für die Kenntnisse und Kontakte, die sie durch dieses Studium gewann.

Foto: Privat
Cedric Waldburger, Start-up-Gründer und Investor, will täglich etwas lernen darüber, wie er die Zukunft mitgestalten kann. Das ist seine höchstpersönliche Definition von Glück. 

Cedric Waldburger, der viele Start-ups gegründet und zum Erfolg geführt hat, ging als junger Mann mal zu einer großen Investment Bank nach London. Er unterschrieb einen Arbeitsvertrag, wusste aber schon nach dem ersten Tag, dass er da wieder wegwollte. „Da waren lauter Typen, die ihre Arbeit gar nicht mochten. Die einfach nur Geld anhäufen wollten für später. Und deshalb bin ich schnell wieder zurückgekehrt in die Start-up-Welt, wo die Menschen intrinsisch motiviert sind und Freude haben an dem, was sie da bauen. Ich habe mich damals gefragt: Was macht mich glücklich? Und das ist die Antwort, die ich für mich gefunden habe: Täglich etwas darüber lernen, wie ich die Zukunft mitgestalten kann.“


Transparenzhinweis: In Bezug auf die "Inspiration Days" besteht zwischen teech.de und der Berliner Zeitung eine Medienpartnerschaft.