Leseförderung bleibt in Deutschland ein wichtiges Thema für die Zukunft.
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BerlinWer heute mit etwa 15 Jahren Probleme hat, einen längeren Text zu verstehen, wird das auch mit 30 Jahren kaum können. Vielleicht bekommen einige der Schüler, die jetzt im Pisa-Test schlecht abgeschnitten haben, noch die Kurve, indem sie intensiv ihre verkümmerte oder nie wirklich ausgebildete Fertigkeit des Lesens trainieren. Doch die Mehrheit der jetzt 21 Prozent leseschwachen Schüler der 9. Klassen wird zu jenen Erwachsenen gehören, die Politik nur in Losungen wahrnehmen, die   es zu anstrengend finden, die Begründungen von Thesen zu lesen. Dass ihnen die Literatur verschlossen bleibt, ist zwar traurig, in diesem Falle aber nicht so wichtig.

„Wir brauchen einen Aufbruch in der Bildungspolitik“, sagt Anja Karliczek (CDU), die Bundesministerin für Bildung und Forschung, zu den Pisa-Ergebnissen. Wir brauchen? Woher soll der kommen, liebe zuständige Politikerin?

Ende 2018 überreichten ihr die Schriftstellerin Kirsten Boie die von ihr und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierte „Hamburger Erklärung“ zur Leseförderung. Deren Kernsatz lautet „Jedes Kind muss lesen lernen“, ausgehend von einer anderen Bildungsstudie – Iglu –, die ergab, dass ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht sinnentnehmend lesen kann. Pisa zeigt, dass der Anteil im Laufe der Schulzeit gleich bleibt. Boie, ihre Partner und die rund 110000 Unterzeichner fordern, dass in den Grundschulen ins Lesenlernen investiert wird. Doch seit der Übergabe der Hamburger Erklärung an die Vertreter der Politik ist nichts passiert.

Anja Karliczek verweist gern auf den Digitalpakt Schule, mit dem ihr Ministerium trotz der föderalen Struktur des Bildungswesens länderübergreifend tätig wird. Doch all ihre Kompetenz, Digitaltechnik zu nutzen, hilft heutigen Schülern morgen nicht viel, wenn sie nur Audio- und Videodatein verstehen, Geschriebenes ihnen jedoch fremd bleibt.