Demnächst sollen Lehrer einen eigenen Dienst-Laptop im Unterricht einsetzen können.
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BerlinBeim Koalitionstreffen wurde am Dienstagabend in Berlin eine große Bildungsoffensive beschlossen. 500 Millionen aus dem Corona-Aufbauprogramm der EU sollen in die deutschen Schulen fließen: Alle Lehrer sollen mit einem Dienst-Laptop ausgestattet werden. Neben einer bundesweiten Bildungsplattform sollen sogenannte Bildungskompetenzzentren eingerichtet werden, die den Kollegien bei der Schulentwicklung, der Lehrerfortbildung und bei der Medienplanung helfen. Klingt erst einmal gut – und nach Fortschritt: Aber was bedeutet das im Einzelnen?

Max Maendler, der Gründer von lehrermarktplatz.de, begrüßt, dass der Bund sich jetzt stärker engagiert. „In den meisten Jobs ist es ja so, dass die Arbeitnehmer*innen ein Arbeitsgerät gestellt bekommen, aus den gleichen Gründen, die auch bei Lehrer*innen Sinn machen.“ Die Frage ist allerdings, wann und wie die Geräte beschafft werden – etwa über eine zentrale Beschaffungsstelle des Bundes? „Gut wäre, wenn der Bund das Geld direkt den Schulleiter*innen überweist und sie entscheiden lässt, für wen sie was kaufen. Noch besser wär es, wenn dann auch noch eine Liste mit Software und Anwendungen beiliegen würde, die der Bund empfiehlt und datenschutzrechtlich geprüft hat, damit den Schulen da die Unsicherheit genommen wird.“

Maendler freut sich über die neuen finanziellen Mittel, doch ist er ernüchtert, „dass vom zehnmal größeren Digitalpakt noch fast nichts abgerufen wurde. Da ersticken wir gerade in der administrativ aufgeblähten Schulbürokratie“.

Was man sich unter der bundesweiten Bildungsplattform vorzustellen hat, darüber herrscht im Moment noch Rätselraten. Es kann sein, dass dafür auf die HPI-Schul-Cloud zurückgegriffen wird, die mit Mitteln des Bundesbildungsministeriums entwickelt wurde. Doch selbst die Pressestelle des Hasso-Plattner-Instituts konnte bis Redaktionsschluss darauf keine Antwort geben.

Was diese Plattform alles bieten und leisten soll, ist enorm: hochwertige Lerninhalte, Tools zur Durchführung von digitalem Unterricht, Prüfungen und interner Kommunikation – und zwar für Schulen und Erwachsenenbildung. „Ich halte es für komplett unrealistisch, dass der Staat so eine eierlegende Wollmilchsau züchten könnte, und schon gar nicht in absehbarer Zeit“, sagt Maendler.

Karin Stolle, Schulleiterin der Schule an der Jungfernheide in Berlin, sagt: „Das war überfällig, dass die Lehrer jetzt mit Dienst-Laptops ausgestattet werden. Denn an unserer Schule gibt es Kollegen, die noch gar kein Gerät besitzen, andere haben veraltete Geräte, die nicht kompatibel mit den frisch angeschafften iPads unserer Schüler sind.“ Stolle empfindet die Ausstattung als eine sinnvolle, aber nicht unbedingt als eine vordringliche Aufgabe. Lieber wäre es ihr gewesen, wenn man erst die Schulen besser aufgestellt hätte: Mit Breitband-Internetzugang, hochwertiger Hardware und leistungsfähigen Schulservern. „Nun gibt es wieder Zuwendungen mit der Gießkanne. Das ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht“, sagt Stolle. „Schon im Oktober letzten Jahres haben wir unser Medienkonzept für den Digitalpakt eingereicht – dort haben wir ganz genau aufgefächert, welche Ausstattung wir an unserer Schule brauchen. Und bis heute ist nichts passiert.“

Bildungskompetenzzentren – „das hört sich gut an“, findet die Schulleiterin. „Aber bis die eingerichtet sind, Leute rekrutiert und eingearbeitet wurden, das braucht Zeit, viel Zeit. Und diese Zeit haben wir nicht! Wenn eine zweite Corona-Welle kommt und wir wieder zum Fernunterricht übergehen, müssen wir sofort handlungsfähig sein.“