Die Füße von Tänzerinnen 
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BerlinWer noch einen Zweifel hatte an der Zerstörungswut der Bildungssenatorin Sandra Scheeres gegenüber der Staatlichen Ballettschule, wird nun eines Besseren belehrt. Gerade ließ sie den neuen Schulleiter für ein Jahr präsentieren – einen Maschinenbauingenieur und pensionierten Berufsschulleiter –, Dietrich Kruse, 64. Er ist völlig fachfremd, kann von den Besonderheiten der Eliteschule nichts verstehen. Hier geht es um die Ausbildung von Spitzentänzerinnen und Akrobaten, die gleichzeitig das Abitur oder den Bachelor ablegen. Eine in Deutschland einmalige, hochkomplizierte, auch strittige Struktur. Als Schulleiter muss er Kontakt zu Compagnien und Opern halten, um Auftrittsmöglichkeiten für die Schülerinnen auszuloten, zwingend für den Beruf. Warum denkt der Ingenieur, dass er das kann? „Machen in der Charité demnächst Klempner die Herz-Operationen?“, fragt einer der zahlreichen Empörten in den sozialen Netzwerken. Offenbar hat sich kein anderer für den Posten gefunden.

Anfangs durfte man noch hoffen, die Senatorin wäre unberaten in diesen Skandal hineingeschlittert, weil sie im Januar einem anonymen Dossier mit Verleumdungen aufgesessen war. Weil sie, anstatt die Vorwürfe aufzuklären, den Schulleiter und den künstlerischen Leiter freistellen ließ. Indessen offenbart ihr Handeln in Ballettschulfragen Systematik. Die medienwirksam erhobenen Behauptungen, Schüler seien misshandelt worden, ließ sie bis heute ausdrücklich ungeprüft. Verbal übergriffige Lehrer unterrichten unbehelligt weiter. Der frühere Schulleiter dagegen wurde fristlos gekündigt, weil er angeblich zu wenige Stunden unterrichtet hat. Ihn ersetzt nun ein Ingenieur. Nur ahnungslose Bildungspolitikerinnen verbreiten weiter, die Schule bleibe in ihrer Struktur erhalten.