Ein großer Hörsaal voll mit Studierenden.
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BerlinDie Sachlage ist seit langem bekannt. Wer sich auf den Campi umsieht, erkennt den Handlungsbedarf schnell. Zahlreiche der hochschulischen Nutzbauten sind in den 1970er- und 80er-Jahren errichtet worden. Sie benötigen dringlich eine Kernsanierung, deren Verzögerung zusätzliches Geld kosten würde. Aber auch für Neubauten fehlen in vielen Bundesländern die Mittel.

Wenn es um moderne Forschungsinfrastruktur geht, helfen sich die meisten Hochschulen, indem sie Drittmittelanträge stellen. Wer hier den Zuschlag erhält, kann technisch anspruchsvolle Architektur für Labors und Maschinenparks schaffen. Der Bau folgt dem wissenschaftlichen Projekt – ein Verfahren, das durch ein Forschungsprogramm des Bundes in Verbindung mit den Ländern finanziert wird. Für die alltäglichen Anforderungen ist das aber nicht genug. Hochschulen, die mehr Gebäude brauchen, weil ihre Studierendenzahlen unaufhörlich wachsen, müssen oft Flächen teuer anmieten.

Die meisten Bundesländer verfügen über genaue Schätzungen, was den künftigen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf im Hochschulsektor betrifft. Von der Planung zur Umsetzung ist es dann immer noch ein großer Schritt. In einzelnen Ländern – etwa Nordrhein-Westfalen – sind während der letzten Jahre wichtige Maßnahmen zur Campus-Ertüchtigung ergriffen worden. Anderswo kennt man die marode Grundstruktur, hat aber keine Mittel, Abhilfe zu schaffen. Die geschätzten Gesamtkosten für die deutschlandweite Behebung des Sanierungsstaus bis zur Mitte des Jahrzehnts liegen bei 20 Milliarden Euro.

Hochschulen auf Bundesebene

Ende der 1960er-Jahre beschlossen Bund und Länder, den Hochschulneubau und die nachlaufende Sanierung einvernehmlich anzugehen. So entstand das Gesetz über die „Gemeinschaftsaufgabe“ Hochschulbau, das bis 2010 in Kraft blieb. Ihm haben wir wichtige Neubauten, aber auch Modernisierungsmaßnahmen auf den Campi zu verdanken. Dass es heute zu einer Neuauflage des alten Konzepts kommt, ist unwahrscheinlich. Auf Bundesseite dürften die Finanzpolitiker kritisch argumentieren, dass die Länder im Rahmen der unterschiedlichen Pakte für den Wissenschaftssektor genug Geld für die fälligen Investitionen erhalten haben. Angesichts der gewaltigen Summen ist die Klage der Hochschulen über allzu begrenzte Spielräume jedoch allemal sachgerecht. Ohne eine gemeinsame Absicherung durch Bund und Länder wird man das Sanierungsprogramm nicht bewältigen können. Darauf hat Ende des Jahres auch Bernhard Kempen, der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, zu Recht hingewiesen.

Für die jetzt laufende Legislaturperiode kommt eine neue Initiative zu spät. Aber in einen künftigen Koalitionsvertrag gehört – unabhängig von der politischen Konstellation – die Festlegung des Bundes auf ein langfristiges Engagement für den Hochschulbau. Mit neuen, ökologischen Bauweisen würde auch der Hochschulsektor seine Emissionswerte deutlich senken und mittelfristig Klimaneutralität erreichen. Allein das ist ein guter Grund, den Bund in die politische Pflicht für die Schaffung einer nachhaltigeren Campus-Infrastruktur zu nehmen.