Glücklich-Sein hat viel mit einem selbst zu tun. Wer an einem Job nur die Schattenseiten sucht, wird auch wenig Gutes finden. 
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BerlinDie Frage nach dem unbeliebtesten Tag der Woche ist für die meisten Menschen schnell beantwortet: Montag. Klar, da beginnt die neue Arbeitswoche. Noch fünf Tage, bis zum nächsten Wochenende. Bis zu den nächsten freien Tagen. Was oft dahinter steckt, ist, dass einen die Arbeit nicht glücklich macht. Aber kann sie das überhaupt? Und wenn ja, wie? Diplom-Psychologin Marion Lemper-Pychlau hat genau über diese Fragen ein Buch geschrieben und verrät die wichtigsten Tricks, um langfristig glücklich zu sein.

Kann wirklich jeder Job glücklich machen, auch wenn dieser gar nicht mein Wunschjob ist?

Grundsätzlich ist kein Job perfekt. Auch der Traumjob kann durchaus mit Nachteilen behaftet sein, wie beispielsweise ein hoher bürokratischer Aufwand oder ungerechte Bezahlung. Wer gerade seinen Traumjob ergattert hat, übersieht das in der Euphorie meist. Umgekehrt gibt es Menschen, die in einem Job glücklich sind, der allgemein nicht als attraktiv gilt. Letzten Endes ist Glück vor allem eine Sache der persönlichen Entscheidung.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Jeder Job kann glücklich machen“, dass Glück eine Eigenleistung ist – was meinen Sie genau damit? Spielen nicht viele Faktoren von außen eine wichtige Rolle für unser Glücklichsein?

Die Frage ist weniger, welche Faktoren von außen auf uns einwirken. Entscheidend ist vielmehr die eigene Wahrnehmung dieser Faktoren. So wird der eine vielleicht unter der Eigenart seines Chefs leiden, während sein Kollege die Sache schulterzuckend abtut. Wir entscheiden selbst, wie viel Macht wir äußeren Faktoren über uns geben wollen. Wer das nicht schafft, wird zum Spielball seiner Umgebung. Dann können sogar Kleinigkeiten zu schlechter Laune und Demotivation führen. Wir müssen lernen, ein stabiles Glück in uns zu schaffen.

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Buchtipp

Marion Lemper-Pychlau:
„Jeder Job kann glücklich machen - Hol Dir die Freude an der Arbeit zurück“

In ihrem neuen Buch stellt die Diplom-Psychologin gezielte Strategien vor, mit deren Hilfe jeder seine Arbeit genießen kann - auch dann, wenn es viele Gründe gäbe, sich frustriert und entmutigt zu fühlen.

Viele Menschen freuen sich schon am Sonntagabend auf das nächste Wochenende. Warum fällt es oft so schwer, sich auf die neue Arbeitswoche zu freuen?

Die Arbeitswelt hat sich ja in den vergangenen Jahrzehnten sehr gewandelt. Die Globalisierung, Digitalisierung und die Liberalisierung der Märkte haben zu Veränderungen geführt, die der Arbeitsfreude nicht gerade förderlich sind. Vielen macht der Druck sehr zu schaffen. Der führt nicht nur zu Überlastung und Burnout. Ich erlebe in den Unternehmen auch sehr oft, dass die Menschen unter einem schlechten Betriebsklima leiden, weil man einfach keine Zeit mehr füreinander hat. Alle sind angespannt. Es gibt tatsächlich eine ganze Menge Faktoren, die einem die Freude an der Arbeit nehmen können – wenn man nicht Acht gibt und nicht weiß, wie man sich dagegen wappnet.

Seine „wertvolle“ Zeit verbringt man am liebsten mit Freunden oder der Familie. Wer viel arbeitet, hat eben weniger Zeit für diese. Ist das ein Grundproblem hinsichtlich des Glücklichseins in Bezug auf die Arbeitswelt?

Es gilt auch hier das Sowohl-als-auch-Prinzip. Natürlich genießen wir nährende Beziehungen zu Familienmitgliedern und Freunden. Aber auch der Arbeitsplatz hat viel zu bieten, was unsere elementaren Bedürfnisse befriedigt: Arbeit gibt uns die Möglichkeit, Nutzen zu stiften und Sinn zu erfahren. Sie sorgt für Herausforderungen und ermöglicht so, dass wir lernen und wachsen. Wir können uns durch unsere Arbeitsleistung bestätigen, genießen Anerkennung, machen unzählige neue Erfahrungen. Und wahrscheinlich hilft sie uns auch dabei, den Tag zu strukturieren. Nicht jeder schafft das eigenverantwortlich.

Bin ich glücklicher in meinem Job, bin ich auch glücklicher in meinem Privatleben. Kann man das so sagen?

Ja, das ist wohl richtig. Und es gilt umgekehrt genauso. Ganz einfach deshalb, weil Glück auf bestimmte Fähigkeiten zurückzuführen ist. Besitze ich diese Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich, kann ich sie problemlos in andere Bereiche übertragen.

Geht das überhaupt – dauerhaft glücklich zu sein, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben?

Es gibt grundsätzlich kein Dauerglück. So etwas hat die Evolution nicht für uns vorgesehen. Die meisten Menschen wissen das nicht und sind dann enttäuscht, dass der Traumjob, der Traumpartner, das Traumhaus etc. sie nicht so glücklich macht, wie sie es erwartet hatten. Aber Glück ist nun einmal episodisch. Punkt. Damit müssen wir uns abfinden. Und klug ist, wer sich darauf einstellt. Das bedeutet im Klartext: Wenn wir am Arbeitsplatz glücklich sein wollen, dann müssen wir versuchen, jeden Tag so viele glückliche Episoden wie möglich zu schaffen. Zum Beispiel ein nettes Gespräch mit den Kollegen führen, ein kleines Erfolgserlebnis herbeiführen, jemandem helfen. Solche Dinge machen glücklich. Das ist nicht spektakulär, aber der sicherste Weg, einen wirklich schönen Tag zu verbringen.

Welche Tipps haben Sie, um dauerhaft glücklich in meinem Job zu sein?

Am Anfang steht auf jeden Fall die Entscheidung glücklich zu sein. Und es hilft sehr, die eigene Wahrnehmung auf all das Gute zu richten, statt sich pausenlos zu beklagen. Und schließlich gilt, was ich weiter oben schon festgestellt habe: das Glück ist episodisch. Wer es schafft, jeden Tag glückliche Episoden zu erleben, wird jeden Tag glücklich sein können.