Sandra Scheeres ist Berlins SPD-Senatorin für Bildung, Jugend und Familie.
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Berlin„Kaschieren, nicht rausgeben, in Prozent angeben“ – das ist die Devise der Senatsschulverwaltung, wenn es um Zahlen geht. Wie viele Lehrkräfte fehlen coronabedingt an allgemeinbildenden Schulen in Charlottenburg-Wilmersdorf? 4,5 Prozent, mit Stand drei Tage nach Schulbeginn, ob überhaupt alle Schulen sich zurückgemeldet haben: unklar. Es könnten 120 sein, könnten aber auch 80 sein, die fehlen.

Derlei Zahlenzauberei kennen Gewerkschaften, Verbände und Berichterstatter aus dem Hause Scheeres zur Genüge. Um Corona-Infektionsfälle an Schulen wurde monatelang ein Geheimnis gemacht, erst seit einigen Wochen wird dankenswerterweise eine regelmäßige Statistik erstellt.

Doch es ist höchste Zeit, noch ein paar weitere Sheets zu öffnen in der Excel-Tabelle. Nur dadurch, dass jedes Jahr unterschiedliche Schulabbrecherzahlen kursieren, werden nicht weniger Lebensläufe zerschossen. Nur dadurch, dass man bei der Zahl der in Zukunft benötigten Kitaplätze vage bleibt, werden nicht weniger verzweifelte Familien eine teure Nanny-Pauschale von den Bezirken einfordern, weil sie keinen Platz bekommen haben. Nur dadurch, dass man die Zahl der offenen Stellen an Schulen und Kitas in umgekehrter Prozentzahl ausweist, wird die Personaldecke nicht dichter, die Qualität der Bildung nicht höher.

Schon klar: 97 Prozent Auslastung klingt gut, „Uns fehlen drei Mathelehrer“ klingt weniger gut. Aber es nützt ja nichts. Um an Zahlen Probleme erkennen zu können, müssen sie stimmen und aussagekräftig sein. Die Ergebnisse, die Berlins Schüler in bundesweiten Vergleichsstudien erzielen, sind nämlich eindeutig – anders als die Statistiken der Senatsschulverwaltung.