Symbolbild
Foto: dpa/Emily Wabitsch

BerlinKommende Woche werden an Berlins Schulen die Abschlusszeugnisse verteilt. Die Anweisungen an die Schulen sind klar: keine Fehltage in der Zeit der Schulschließungen, auch wenn ein Kind nicht zu erreichen war. Nebenfächer, für die nicht genügend Zensuren gesammelt werden konnten, gelten als „nicht erteilt“. Und auf keinen Fall darf das Wort „Corona“ auf dem Blatt vorkommen.

Schade eigentlich – das Zeugnis könnte ja nicht nur eine Dokumentation der Leistungen sein, sondern auch der seltsamen Zeiten, in denen Schülerinnen und Schüler sie erbracht haben. So ein Corona-Zeugnis ist doch eigentlich ein Grund zum Angeben – nicht umsonst würden sich viele Eltern und Lehrkräfte dieses Jahr über eine eigene Bescheinigung freuen. Homeschooling: durchgestanden. Fernunterricht: trotz schlechter Ausstattung irgendwie hinbekommen. Schulschließungen: mit Blessuren überlebt.

Spaß beiseite: Natürlich ist es besser, wenn die Zeugnisse so wenig Corona-Spuren wie möglich tragen. Schließlich müssen sich Tausende Schülerinnen und Schüler nun damit bewerben und sollen zumindest auf dem Papier nicht mit Nachteilen ins Leben starten. Was alle anderen betrifft, steht Schulsenatorin Sandra Scheeres nun vor einer gewaltigen Aufgabe: Viele junge Menschen, die in Berlin lernen, haben durch die Schulschließungen Zeit, Wissen und oft auch einen sicheren Ort verloren – egal, was nun im Zeugnis steht.

Die geplante „Sommerschule“ zum Nachholen des verpassten Stoffs ist deshalb eine gute und wichtige Initiative. Aber sie wird nicht ausreichen – unter anderem, weil es das Angebot nur für fünf Jahrgangsstufen gibt. Der Regelbetrieb kann im kommenden Schuljahr höchstens strukturell wieder aufgenommen werden. Inhaltlich und zwischenmenschlich gibt es einiges nachzuarbeiten. Dafür brauchen die Schulen genügend qualifiziertes Personal, klare Vorgaben und nicht zuletzt einen detaillierten Plan für den Fall, dass die zweite Welle kommt.